By the way 336 – wie dreist kann man sein, Herr Grindel? Und was trainieren Sie eigentlich unter der Woche, Herr Weinzierl?

Im Wettlauf um den Titel des am miserabelsten beleumundeten großen Fußballverbands aller Zeiten und Menschen liefern sich FIFA, UEFA und DFB schon seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei allen dreien hat der schlechte Leumund vielerlei Ursachen – nicht vorhandene Transparenz, skrupellose Gewinnmaximierung, selbstherrliches Auftreten, Korruption und vieles mehr kann hier genannt werden, wobei es natürlich in jeder der Organisationen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben mag, deren Gebaren durchaus lauter, ehrlich und tadellos ist. Ok, eine Ursache wurde hier jetzt nicht genannt, ein Übel, in dem sich unser nationaler Fußballverband in personam seines obersten Repräsentanten jüngst mal wieder ganz besonders hervorgetan hat: Die moralische Verkommenheit.

Wie dreist, schmerzfrei, arrogant, verkommen, abgehoben muss man sein, um trotz mehrerer nachgewiesener Vergehen wider die Gesetze und Compliance-Richtlinien der Verbände, in deren Gremien man sitzt, aus diesen Gremien nicht sofort zurückzutreten, weil man ganz offensichtlich nicht auf die halbe Million Euro jährlichen Salärs verzichten will? Wie gierig muss man sein, trotz bereits fürstlicher Bezahlung nochmal 7.200 Euro monatlich an Aufwandsentschädigungen undeklariert einsacken zu wollen? Und wie dumm dazu? Wer, der zumindest noch halbwegs bei Sinnen ist, nimmt denn heutzutage noch in exponiertester Position teure Uhren als Geschenk an, wo sogar viele in diesen Dingen durchaus hartgesottene FIFA-Funktionäre solche Geschenke mittlerweile kommentarlos zurückgeben? Wo sogar aus verlässlichen Quellen zu hören ist, die FIFA Ethik-Kommission, wie auch die zuständige Stelle bei der UEFA, werde gegen Reinhard Grindel ermitteln und ihn suspendieren, sollte er nicht alsbald selbst seine Sitze in den dortigen Gremien niederlegen. Sogar in den dortigen Kreisen beobachtet man angeblich mit einiger Verwunderung, wie zögerlich sich der DFB zu dieser Angelegenheit äußert, wie da Formalien vorgeschoben werden, um sich vor klaren Aussagen zu drücken.

So viel moralische Verkommenheit auf eine einzige Person vereint, und das gepaart mit so viel Dummheit – das kann man sich ja kaum vorstellen. Da passt es dann ja auch prima ins Gesamtbild, dass Herr Grindel gleich nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident beim alten Arbeitgeber angefragt haben soll, wie es denn mit einer, offenbar garantierten, Rückkehr an die alte Wirkungsstätte aussehe. Angesichts des aktuellen Grades der Verrottung möchte man ja nicht mal mehr ausschließen, dass der bald die Moderation des Aktuellen Sportstudios übernimmt.

So schlecht das alles, da fällt einem sogar die Überleitung zum Herzensclub VfB Stuttgart schwer, was wiederum auch einiges heißt. Denn jetzt mal ernsthaft: In einem Spiel, einem Heimspiel, vor ausverkauftem Haus, gegen den vier Punkte Rückstand aufweisenden Tabellennachbarn und Konkurrenten im Abstiegskampf – kann man in einem solchen Spiel schlechter spielen als der VfB gegen Nürnberg? Kann man überhaupt schlechter spielen? Darf man überhaupt so spielen, als Bundesligist mit ziemlich teurem Kader, mit ziemlich großem Budget so kicken wie eine Angsthasentruppe auf der Heidelberger Neckarwiese? So ganz ohne Automatismen, so ganz ohne einstudierte Laufwege? Bei Balleroberung kein Konzept zu erkennen, wer den Ball bekommt, der muss erstmal schauen, wo einer steht, dem er passen kann, ansonsten zurück zum Torwart oder planlos nach vorne gechippt.

Ich habe mich noch nie als großer Fan von Markus Weinzierl hervorgetan – aber die Frage muss erlaubt sein: Was trainiert der VfB eigentlich unter der Woche? Hat der Trainer überhaupt irgendeine Spielidee, einen Plan, den er gerne umsetzen würde? Oder konzentriert er sich ganz darauf, einzelne Spieler nicht zu mögen?

So, wie der VfB spielt, wird er sich zur großen Lachnummer entwickeln, wenn gegen einen ambitionierten Zweitligisten die Relegationsspiele verloren gehen. Denn mehr System, mehr Spielidee als der VfB haben selbst die durchschnittlich ambitionierten Zweitligisten. Am Ende bekommen wir Paderborn reloaded, bloß diesmal ohne das bessere Ende für uns. Nicht auszudenken!

(Und hier herrscht für die drei kommenden Mittwoche Funkstille, Ferien, Feiertag. Vielen Dank allen Leserinnen und Lesern, bleibt mir gewogen, am 8. Mai geht es weiter.)

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