By the way 334 – Kopieren geht über Studieren. Und nur weil jetzt der Hitz da ist, ist noch längst nicht alles anders.

Hab ich nun ach PR und Marketing und irgendwas mit Medien und Journalismus und das alles zwar durchaus nicht studiert, aber doch nach dem Studium von der Pike auf gelernt und mache das seit über 20 Jahren. Und dann macht der VfB Stuttgart ein Video, als Höhepunkt einer mehrmonatigen Kampagne unter dem #wirsindstuttgart. Und dann stellt sich heraus, dass dieses Video des VfB Stuttgart quasi eins zu eins abgekupfert ist von einem anderen Video. Keinem Video aus der grauen Vorzeit des digitalen Zeitalters, sondern einem Video des dänischen Fernsehsenders TV2 aus dem Jahr 2017. Geht’s noch?!

Jetzt will ich hier keineswegs an der Machart, der Qualität der Produktion, der Message des Videos, der möglicherweise völlig fehlplatzierten Schwere und Gefühlsduselei des Ganzen herummäkeln – auch wenn man als nicht vorbelasteter Anschauer gar nicht weiß, ob das von der Aktion Mensch kommt oder von einem um den Klassenerhalt kämpfenden Fußball Bundesligisten. Zudem kenne ich ja selbst mindestens einen ziemlich guten Typen, der in diesem Video mitspielt und diesen Rant hier am allerwenigsten verdient hat. Aber, Hallo, wie dreist kann man sein, einen solch großen und sicher auch groß vergüteten Auftrag als derart krasse Kopie eines durchaus nicht unauffindbaren Originals abzuliefern? Das, liebe Agenturmenschen, hätte ich mich bei allem Respekt nicht getraut. Das hätte ich allerdings auch gar nicht gewollt. Denn eigentlich war das doch ein wirklich toller Auftrag. Ein Auftrag, in den man seine ganze Kreativität reingeben kann und das auch noch für den Verein, von dem man Fan ist. Nicht, dass es generell verboten oder unlauter wäre, besonders gelungene oder für gelungen befundene Elemente anderswo zu erkennen und in ähnlicher Form in sein eigenes Werk einzubringen – Verbenweglassung a la Wolf Haas zum Beispiel hier ja nun auch nicht unüblich. Aber das komplette Ding einfach mehr oder weniger komplett übernehmen, nur andere Leute hinstellen und den Bisexuellen weglassen, weil so was mag der Schwabe nicht? Dazu muss man schon ganz schön schmerzfrei sein.

Gleichermaßen schmerzfrei muss man auch auf Kundenseite sein, sprich beim VfB Stuttgart, wo ja nun nicht nur ein oder zwei hoffnungslos überlastete Verzweifelte im Bereich Marketing arbeiten sondern etliche Leute, von denen sicher auch der eine oder die andere sein oder ihr Handwerk ordentlich gelernt und einige Erfahrung vorzuweisen hat. Von denen ein sicher nicht zu kleiner Teil seit Ewigkeiten sich mit diesem Filmprojekt als zentralem Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des VfB beschäftigt, Skripts diskutiert, mögliche Ansätze besprochen, unzählige mögliche Motive und Settings auch von der Agentur präsentiert bekommen hat. Und keine oder keiner hat das gecheckt, das ihm oder ihr hier einfach eine Kopie des dänischen Videos vorgesetzt wird? Das finde ich schon ziemlich hart und außerdem sehr traurig, dass „mein“ Verein erstens derart dreiste Dienstleister beschäftigt und gut bezahlt und zweitens tumb genug ist, sich so etwas vorsetzen zu lassen und es dann auch noch bis zum Ende durchzuziehen. Ohne irgendwas zu merken. Ohne irgendeinen zu kennen, der irgendeine kennt, die sagt: Hey VfB, passt mal auf, das ist jetzt nicht eben der kreativste Vorschlag, für den Ihr Euch da entscheiden wollt.

Als ob im VfB-Marketing lauter Robin Dutts arbeiten.

Aber es ist eben auch das durchaus bezeichnend für den VfB Stuttgart. Nur weil jetzt der Hitz am Start ist, ist nicht alles anders. Wir sind immer noch Sechzehnter, holen immer noch zu wenig Punkte. Auf dem Platz genauso wie neben dem Platz.

Hoffentlich schämt Ihr Euch wenigstens im stillen Kämmerlein dafür, dass Ihr Euch eine solch dreiste Kopie habt andrehen lassen. Hoffentlich habt Ihr es nicht von Anfang an gewusst und sogar absichtlich so gemacht. Denn das, lieber VfB, wäre dann schon nicht mal mehr zweitligareif.

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