By the way 333 – schnapszahlmäßige Einleitung wegen Schnapszahl. Danach Bier. Und die ganz großen Fragen auch...

Als humanistisch gebildetem Menschen fällt mir zur heutigen Textnummer natürlich nichts sinnvolleres ein als „333, bei Issos Keilerei“. Grade so, als hätte ich zum Jubiläum tatsächlich schlechten Schnaps getrunken. War aber nur Bier, in nennenswerten Mengen zuletzt am Freitag in Vorbereitung auf das Spiel des VfB Stuttgart gegen Hoffenheim. Neben dem leckeren heimischen Hofbräu (lassen Sie mich bitte!) zwischenzeitlich sogar sardisches Bier aus großen Flaschen, denn was soll ein junger flotter Laden namens Icecafe Adria heutzutage auch anderes anbieten. Ebendort trieb ich mich mit zwei geschätzten Kollegen der schreibenden Zunft herum, als wären wir die Beastie Boys auf Beruhigungsmitteln, und einer fragte dann, warum ich nach so langer Zeit, nach so vielen Texten und nach so vielen Enttäuschungen immer noch mit erkennbarem Herzblut über den VfB schreiben könne. Berechtigte Frage das, aber die Beantwortung ist aufgrund der hier schon einmal dargelegten Inseltheorie kein Problem. Nach dieser Theorie betrachte ich den VfB als meine kleine Insel, auf der ich mich ganz ordentlich auskenne und die ich par tout sauber halten will. Sollte jeder machen, seine eigene kleine Insel sauber halten. Würde uns generell weit voranbringen in Sachen Sauberkeit, wenn die Leute sich vor allem anderen dort engagierten, wo sie sich zumindest leidlich auskennen. Dann aber mit Schmackes.

Ich lasse mich hier ja auch nicht seitenlang darüber aus, dass die geplante Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eine von Verbrechern geplante Zusammenlegung zweier Verbrecherbanden ist mit dem Ziel, zahlreiche Verbrechen zu verschleiern, um Raum zu haben für neue Verbrechen. Und dass es doch mindestens bemerkenswert ist, wie viele Medien schon in diesem frühen Stadium dezidiert darüber schreiben, welche Gefahren von einer solchen Fusion ausgehen, und wer das Ganze am Ende des Tages bezahlen wird. „Brandgefährlich“ benützen sie häufig. Aber da ich mich da zu wenig auskenne hoffe ich, es gibt andere Leute, quasi „Bankenfans“, die hier mit dem Besen anrücken und auskehren, bevor die Sache ihren Lauf nimmt. Wobei das politisch gewollte Verbrechen natürlich anderes Kaliber als der Klepperlesverein, aber ich bin ja auch nur ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn, und natürlich bin ich seit Lebzeiten Fan meines Vereins, was auch wiederum ein Argument ist für die Tatsache, dass das hier schon so lange geht.

Ebenso unbehandelt bleiben muss an dieser Stelle die Frage, ob der Weizen schuld ist an der allgemeinen Misere, oder ob man sich doch mehr auf die Zuckerindustrie fokussieren sollte. Überhaupt – was wäre gewesen, hätten bei Issos oder schon vorher bei Marathon oder später bei Covadonga oder Tours und Poitiers und in zahlreichen weiteren Schlachten die Perser, Muselmanen gewonnen und nicht die anderen? Hätte es dann insgesamt weniger Krieg und mehr Weisheit gegeben? Auf den ersten Blick scheint es ja schon so, dass immer wieder diejenigen gewonnen haben, die als Barbaren galten, und die – These hier – auch für zukünftige Generationen oder entspannt aus erdnah geparkten Fluglounges zuschauende Außerirdische als Barbaren gelten. Oder wie sonst soll man die fast ausnahmslos geltungssüchtig und skrupellos andere Völker und Erdteile ausbeutenden Potentaten und Profitgeier unseres Zeitalters bezeichnen? Was sonst sollte man annehmen, als dass zukünftige Generationen sich verwundert fragen werden, warum wir, also die Menschen unseres Zeitalters, den Schuss nicht gehört, die Zeichen nicht erkannt haben? Sie sehen schon – das ufert aus, das wird zu lang, die ganz großen Fragen sind einfach zu groß für dieses Format.

Besagter Klepperlesverein, um zum wesentlichen zurückzukehren, kann sich jedenfalls so langsam fest vorbereiten auf anstehende zwei Relegationsspiele, was einerseits eine absolute Katastrophe ist, andererseits aber vor nicht allzu langer Zeit fast wie das best case Szenario für den restlichen Saisonverlauf daherkam. Denn immerhin ist noch Hoffnung. Darauf, dass sich auch heuer der Erstligist gegen den Zweitligisten durchsetzt. Einen Zweitligisten vielleicht, der gerade nach 2:0-Führung noch verloren hat gegen Darmstadt 98. Katastrophe freilich, weil dieser Zweitligist von Hannes Wolf trainiert wird, der gerne die beiden jungen Männer spielen lässt, die beim VfB nicht gut genug waren. Oder die Eisernen von Union Berlin, oder der EffZeh, Katastrophe alle gleichermaßen, die nervliche Anspannung schon jetzt kaum vorstellbar. Aber mehr als Relegation sollte man sich nicht einbilden beim VfB, denn zu bescheiden sind immer noch die Leistungen, Tore schießt man nur ausnahmsweise, mehr ist einfach nicht drin – auch wenn die Abwehrkette mittlerweile durchaus ansehnlich verschoben wird.

Mögen sie ihre Kette weiterhin gut verschieben, mögen sie ab sofort häufiger das Tor treffen, am besten schon im nächsten Spiel am Wochenende, wo sich ja auch zeigen wird, wohin der Weg des FC Schalke 04 führt, Sieg in Hannover und Klassenerhalt – oder Niederlage und #wirpackenschalke Zwei Punkt Null?

„Glauba kannsch inn dr Kürch“, sagt der Schwabe, und wo er Recht hat, hat er Recht. Denn dass der VfB in Frankfurt verlieren und Schalke selbst im Falle eines hannoveranerschen Sieges nicht näher auf die Pelle rücken wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Zumindest fast. An den Klassenerhalt glaube ich trotzdem. Darauf, dass wir die Saison irgendwie rum bringen. Und danach weiter an der Sauberhaltung meiner, unserer kleinen Insel VfB arbeiten. Denn da gibt es immer noch Dreck in zahlreichen Ecken, weswegen wir sicher noch mehrmals auskehren und nass durchwischen müssen.

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