By the way 33 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 33, 14. Mai 2007)

In der Fußball Bundesliga hat Keiner den Sieg gepachtet. Viel Druck, gar kein Druck, Titel vor Augen, mit einem Bein in Liga Zwei – ganz egal, wie die Ausgangsposition vor einem Spiel ist, der Sieger steht niemals im Voraus fest. Und daher war es immer drin, dass Schalke beim Revierrivalen Dortmund verliert. Daher konnte man auch nicht komplett ausschließen, dass Werder Bremen zuhause gegen Eintracht Frankfurt verliert. Und daher hätte schließlich auch der VfB Stuttgart durchaus beim VfL Bochum verlieren können.

Allerdings: Wer sich zur europäischen Fußball-Elite zählt, der sollte mit Druck zurecht kommen. Auch an Tagen, an denen rein gar nichts geht, muss ein Team wie der SV Werder wenigstens ankämpfen gegen die Blockade. Zeigen, dass man den Willen hat, sich hier und jetzt durchzusetzen – auch wenn, wie es heißt, die Beine ganz schwer sind. Von Mannschaften, die die Bundesliga demnächst in der Champions League vertreten wollen, muss man einfach erwarten, dass sie sich stemmen gegen drohende Schmach. Auch wenn sie am Ende trotzdem scheitern, so ist doch die Art und Weise des Scheiterns von einiger Aussagekraft über die Kapazität eines Teams. Und hier haben die Bremer am 33. Spieltag der Saison auf der ganzen Linie versagt. Seltsam eigentlich, wo sie doch gerade alle Leistungsträger halten konnten, auch im nächsten Jahr in der aktuellen Zusammensetzung spielen und damit weiterkommen können auf ihrem Weg in Richtung Perfektion. Eingespielt den großen Reichen Paroli bieten, das sollte doch jetzt der Weg sein für den SV Werder. Statt dessen aber eine Körpersprache, die Schlimmes befürchten lässt. Im Finale der Saison heißt das, sie haben den Titel auch nicht verdient.

Der FC Schalke 04 hingegen hatte bis dato einen wesentlich bescheideneren Track Record aufzuweisen als die Bremer. Zudem galt S04 schon immer als das Team, dem in Anbetracht schwieriger Situationen die Hosen voll liefen. In der laufenden Spielzeit taten sie folgerichtig auch alles, um diesen Ruf zu rechtfertigen. Vieles richtig gemacht, beim Trainer ganz untypisch Kontinuität walten lassen, Neuer für Rost gebracht, das geilste oder zumindest das lauteste Stadion der Liga – trotzdem keine Big Points gemacht. Nein, ein glücklicher Heimsieg gegen den VfB oder gegen andere Titelkonkurrenten mitten in der Saison ist kein Big Point. Kurz vor Schluss, wenn alle Welt schon wieder das Schalker Scheitern beschwört, beim VfL Bochum zu gewinnen, das wäre ein Big Point gewesen. Und natürlich das große Derby – trotz aller hier stets künstlich inszenierten Spannung wäre es selbstverständlich ein Big Point gewesen, in Dortmund zu gewinnen. Und Schalke? Zweimal hintereinander ohne Schneid, zweimal eine Körpersprache an den Tag gelegt, die eines Titelaspiranten in keinster Weise würdig ist. Titel überhaupt nicht verdient, heißt das.

Übrig bleibt der VfB Stuttgart: das jüngste Team, das Team mit dem unattraktivsten Stadion mit Rängen so flach wie ein kinderfreundlicher Strand, mit einem Übergangstrainer und einem Managerlehrling. Nicht eben die günstigsten Voraussetzungen. Für die Beantwortung der Frage, ob der VfB den Titel verdient hat, sind diese ungünstigen Voraussetzungen allerdings völlig ohne Belang. Körpersprache, Willen zeigen, das Ding durchziehen, den Sieg wollen, die Linie auch unter widrigen Umständen nicht verlieren, das ist von Belang, das zeigen die Stuttgarter jede Woche, das sind „Cojones“, oder, wie sie singen in Stuttgart: So sehn Sieger aus. Glückliche Details wie das Comeback-Tor von Gomez oder die Parade von Hildebrand liefern da nur noch zusätzlichen Schwung. Und selbst, wenn sie nun sensationeller Weise am letzten Spieltag verlieren sollten gegen Cottbus – sie werden bis zum Ende für alle sichtbar zeigen, dass sie es schaffen wollen.

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