By the way 32 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 32, 07. Mai 2007)

Wenn die Vogelart Schwalbe eine Interessenvertretung hätte, dann würde sich diese sicherlich vehement zur Wehr setzen dagegen, als Bezeichnung für unsportliches Verhalten beim Fußball herhalten zu müssen. Mehr als verständlich wäre das, denn wer will mit seinem Artbegriff schon für eine derart negative Sache stehen. Da hatten die Enten vor ein paar Jahren deutlich mehr Fortune – denn die Satirezeitschrift Titanic betrieb damals massive Lobbyarbeit für die Sache der „Anatinae“ genannten Familie der Entenvögel.

Zuletzt konnten erneut prominente Fußballer dabei beobachtet werden, wie sie die Ehre der Schwalben in Misskredit zogen. Miroslav Klose zum Beispiel ließ sich im UEFA-Cup Rückspiel gegen Espanyol Barcelona dreist fallen, kassierte dafür die zweite gelbe Karte und musste das Spielfeld verlassen. Recht geschah es ihm, auch wenn sich die Bremer und der Kommentator Reif darüber aufregten.

Hamit Altintop musste nicht raus am Samstag im Spiel Schalke gegen Nürnberg. Dafür sah sein Gegenspieler Galasek die rote Karte wegen einer angeblichen Notbremse. Spieler Altintop war in der eigenen Hälfte losgerannt und drang gerade in die Nürnberger Hälfte ein, als Galasek ihn aus vollem Lauf abgrätschen wollte. Nun kann man diskutieren, ob Galasek nicht so spät dran war mit seiner Grätsche, dass er ohnehin keine Chance auf den Ball hatte und demzufolge billigend in Kauf nahm, Hamit zu treffen. Dafür wäre Gelb eine vertretbare Entscheidung gewesen. Ebenfalls wäre das Argument des Schalkers akzeptabel, er hätte ja hochspringen müssen, weil er sonst aus vollem Lauf getroffen und möglicherweise verletzt worden wäre. Dass aber Altintop hochspringt, wieder landet und sich – ungetroffen – spektakulär fallen lässt, das ist nicht nur unsportlich sondern darüber hinaus auch ziemlich dumm. Denn alles, was er im Sinn hatte war die Rote Karte für seinen Gegner. Dafür verzichtete er darauf, mit dem Ball weiter ungestört aufs Nürnberger Tor zuzustürmen und ein Tor zu erzielen. Solche Aktionen braucht kein Mensch – und Hamit hätte mit Gelb dafür bestraft werden müssen. Gleichermaßen hätte man Galasek für sein Einsteigen Gelb zeigen können. Der Schiedsrichter entschied sich für direktes Rot gegen Galasek wegen Notbremse, und lag damit also gleich in zweierlei Hinsicht falsch. Erstens war Hamit noch viel zu weit weg vom gegnerischen Tor und ein zweiter Nürnberger in Reichweite, und zweitens war der spektakuläre Sturz reinstes Schauspiel.

Natürlich müssen jetzt die üblichen Argumente kommen von wegen der Schiri hat es schwer, alles passiert so schnell und er muss in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen –aber dieses leidige Provozieren von Karten und Schwächung für den Gegner sollte durchaus auch nachträglich noch sanktioniert werden. Solche Dinge passieren in allen Ligen, aber in der Bundesliga leider immer noch viel häufiger als im relevanten Ausland. Hierzulande heißt es auch seitens der Kommentatoren dann auch noch häufig, der Spieler habe sich clever verhalten oder mit all seiner Routine einen Freistoß rausgeholt. Aber, die lobby-losen Vögel mögen es verzeihen, Schwalben im Fußball sind wirklich Scheiße. Und Altintop hätte für die Seine ebenso betraft werden müssen wie Miro Klose.

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