By the way 316 – die Luft wird dünn, der Ton wird rau, denn Orel spielt beim HSV.

Von einem hervorragenden Ausritt der Gründerväter des FC PlayFair! ins Mutterland des Fußballs habe ich das Trikot von Antonio Rüdiger aus dem Match seines FC Chelsea beim FC Burnley mitgebracht. Geholfen hat dabei natürlich der Umstand, dass wir in Reihe 1, also quasi auf dem Spielfeld saßen bzw. standen und Trikots des VfB Stuttgart trugen. Da reichte ein gezielter Ruf zur Halbzeit, und nach dem Spiel gab’s das „Leible“. Obwohl wir, natürlich, für die supersympathischen Underdogs aus Burnley waren. Chancen auf den Sieg hatten die Clarets keine, zu stark der FC Chelsea, zu stark Toni Rüdiger auch. 0:4 ging es aus, bekanntes Ergebnis für den VfB-Fan. Wirklich traurig war keiner nach dem Spiel, da wird nach Kräften dagegen gehalten und akzeptiert, dass man die Punkte gegen andere Teams holen muss. Trauer gab es trotzdem, weil nämlich tags zuvor nicht nur Legende Glenn Hoddle zusammengebrochen und ein Fan anderswo im Stadion gestorben sondern auch der allseits geliebte Leicester City-Chairman Vichai Srivaddhanaprabha mit seinem Helikopter und vier weiteren Personen an Bord abgestürzt war. Sehr bewegend mitzubekommen, welche Anteilnahme dem Mann im ganzen Land zuteil wurde und wird.

Toni Rüdiger im Trikot des FC Chelsea spielen zu sehen, verursacht dagegen Wehmut. Wie stark der ist, wie selbstsicher und souverän der spielt im Team der großen Namen. Und wie sie ihn seinerzeit behandelt haben beim VfB, wie sie ihn und sein Potential verkannt haben, wie sie ihn quasi weggeekelt haben für lausig kleines Geld in Zeiten, da die Ablösesummen längst explodiert waren. Wäre mal interessant zu erfahren, ob wenigstens das kleine Geld jemals auf dem VfB-Konto eingegangen ist.

Damals hieß der Allgewaltige beim VfB Robin Dutt. Ein Neuling auf dem Posten des Sportchefs, keiner konnte mit ihm auf Augenhöhe diskutieren, seine bisweilen haarsträubenden Entscheidungen hinterfragen. Denn Fußballkompetenz auf Führungsebene hieß beim VfB Stuttgart schon damals Guido Buchwald und Hermann Ohlicher, und diese beiden sind zwar Legenden, aber als kritische Hinterfrager bislang niemals aufgefallen. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob „state of the art know how“ im heutigen Fußballgeschäft durch die Namen Buchwald und Ohlicher exemplarisch verkörpert wird. Ein „Chefscout“ genannter Ralf Becker konnte seinerzeit zwar Transfers wie den von Philipp Heise (laut Dutt der beste Verteidiger der zweiten Liga) intern hinterfragen, aber man musste stark bezweifeln, das Dutt bei derartigen Gesprächsrunden überhaupt anwesend war.

Und jetzt wie ist es heute mit der Fußballkompetenz beim VfB? Den Posten des Sportchefs bekleidet ein ehemaliger Kaderplaner mit Profilneurose, um den Nachwuchs kümmert sich, irgendwie, Thomas Hitzlsperger, und ansonsten sind da noch, Sie ahnen es, Guido Buchwald und Hermann Ohlicher. Wir schreiben das Jahr 2018.

Also erlaube ich mir zu konstatieren: Der VfB Stuttgart hat einen Präsidenten, der die in der Sache richtige Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG durchgezogen und damit das nächste Geld in die Kasse geholt hat. Darüber hinaus herrschen aber weiterhin Verhältnisse wie vor drei Jahren, wie vor dem Abstieg. Michael Reschke mag seine Meriten als Kaderplaner haben – als Sportvorstand ohne Korrektiv ist er heillos überfordert und zudem charakterlich völlig ungeeignet. Oder wie soll man einen Mann in fußballerischer Führungsfunktion sonst bezeichnen, der die glatte Lüge nicht nur, wie durchaus branchenüblich, praktiziert, sondern sie öffentlich zur Norm erhebt? Da muss man sich doch nicht wundern, dass wir jetzt trotz durchaus zukunftsträchtiger Neuverpflichtungen eine Mannschaft haben, in der auch menschlich so rein gar nichts passt.

Und wenn man sieht, dass außer dem Präsidenten – dem ich es problemlos zugestehe, dass ihm der VfB am Herzen liegt, dessen Kernkompetenzen aber ja wohl doch eher fußballfern liegen – wenn man also sieht, dass außer diesem Präsidenten niemand auf Augenhöhe mit dem Sportvorstand reden kann, dann ist halt doch alles so wie 2015. Nur dass der Rüdiger jetzt Mangala heißt, eine Nummer kleiner der Orel als der Toni vielleicht, aber eben nicht mehr beim VfB sondern beim HSV. Und dass statt dessen beim VfB Gonzalo Castro gut verdienend durchs defensive Mittelfeld schleicht, hinter ihm der noch besser verdienende Holger Badstuber Zweikampfwerte hat, die noch schlechter sind als die Stimmung, die er im Team verbreitet, und dass vorne ein bestverdienender Mario Gomez zwar hin und wieder mal ein Tor erzielt, dafür aber mittlerweile so langsam ist, dass mindestens zwei andere Spieler die Räume schließen müssen, die er nach hinten freigibt. Und so weiter und so weiter. Als hätte es System, alte langsame Spieler für viel Geld zu holen und junge Potentialspieler entweder systematisch schlechter zu machen oder sie gleich zu verleihen oder abzugeben. Als wäre die Kaderplanung im Mäntelchen des alleinverantwortlichen Sportvorstands eine reine Geld- und Zukunftsvernichtungsposition zugunsten zahlreicher Berater. Angeblich alles im Team entschieden, ergo abgenickt durch die Experten Ohlicher und Buchwald, und wo der Hitz immer steckt, das weiß ich auch nicht. Habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass die Top-Trainer im Nachwuchsbereich allesamt wieder nach Stuttgart pilgern, um hier die nächste Generation junger Wilder zu züchten. Denn wenn ich einen Sohn habe, der eine Granate ist, dann tu ich den doch dorthin, wo die besten Trainer sind, die ihn optimal weiter entwickeln. Tu ich den dann zum VfB?

Trauriges Fazit: „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund...“ habe ich bei der letzten Mitgliederversammlung dem Vorstand zugerufen – aber das Liedchen von Nicole scheint den Herren nicht gefallen zu haben. Die Zeit der Alleingänge ist keineswegs vorbei, ganz im Gegenteil, sie erlebt ihren x-ten Frühling in Stuttgart. Der kleine Freund fliegt höher als je zuvor. Sonnenklar, dass da kein Hallgrimsson reinpasst und kein Rene Weiler, Leute mit frischen Ideen und toller positiver Energie. Da passt ein Weinzierl hin, der schon zu Augsburger Zeiten nicht den Ruf hatte, offen für Neues zu sein, den Nachwuchs ernst zu nehmen. Mit dem kann es der Michi auf dem Wasen sicher als personifiziertes Vorbild für die Jugend richtig krachen lassen. Wenn er bis zum nächsten Volksfest noch im Amt ist.

Enden soll es freilich nicht ohne Hoffnung. Nachdem wir gegen spielstarke Dortmunder und in Unterzahl gegen ähnlich spielstarke Hoffenheimer jeweils vier Buden bekommen haben, sollten es gegen die Eintracht am Freitag nicht mehr als drei werden. Denn ganz so stark wie der BVB und die TSG ist die SGE dann doch nicht.

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