By the way 31 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 31, 30. April 2007)

Eine Sache ist es, an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Fußball-Spitzenclubs Zweifel zu haben. Wer gesehen hat, wie Bremen bei Espanyol Barcelona abgewatscht wurde, wer das Münchener Grauen gegen Mailand mitbekam, wer sich an Schalkes letzte Auftritte im europäischen Wettbewerb erinnert, dem muss in der Tat Angst und Bange werden im Hinblick auf die zukünftige Bedeutung der Bundesliga im europäischen Fußball inklusive der daraus errechneten Anzahl deutscher Vertreter in den verschiedenen Wettbewerben. Und ob der VfB Stuttgart die Wertungspunkte einfahren kann, die die anderen Clubs nicht machen, dazu besteht eigentlich auch keinerlei Anlass zur Hoffnung. Der Schwaben letzter CL-Auftritt war aber wenigstens stark und mit dem Sieg über Manchester United konnte bundesweit Begeisterung erzeugt werden.

Andererseits ist die Bundesliga ungeheuer spannend in dieser Saison. Drei Spieltage vor Schluss ist alles möglich an der Spitze, jedes Wochenende kann ein Anderer die Pole Position einnehmen. Und woran vor Saisonbeginn wohl kein Mensch ernsthaft geglaubt hat, nämlich dass der VfB Stuttgart Deutscher Meister und obendrein noch Pokalsieger wird, das ist beim heutigen Stand der Dinge durchaus nicht die unrealistischste aller Annahmen. Aber noch ist Schalke vorn, und die neuerdings schwerreichen Königsblauen haben es als Einzige ganz selbst in der Hand, das Ding nach Hause zu bringen. Mal schauen, ob es dann Wodka oder Veltins gibt in der Arena.

Dass der Alkohol in vergangenen Zeiten durchaus nicht nur zum Feiern genommen wurde, das weiß man aus alten Geschichten aus der Welt des Radsports. Unmengen an Hochprozentigem gossen sich die Ritter der Landstraße seinerzeit hinter die Binde, um die Strapazen schwerer Anstiege besser ertragen zu können. Und trotz des Wissens um die gesundheitsschädigenden Wirkungen der Droge Alkohol muten die alten Geschichten wie Kindermärchen an im Vergleich zu den Epo-Exzessen neuerer Radsport-Generationen. Wobei eines besonders erstaunlich ist: Die Doping-Praktiken und deren Verbreitung im Profiradsport sind mittlerweile fast ebenso bekannt wie die Wirkungen des Alkohols – und trotzdem tun ca. 99 Prozent aller Beteiligten so, als wüssten sie von nichts, geben sich meist sogar besonders entrüstet, wenn von Epo etc. überhaupt nur die Rede ist. Ist aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass mit dem Alkohol in der Bevölkerung ganz genauso verfahren wird: Manche werden erwischt, wenige müssen wirklich ernsthafte Konsequenzen fürchten, und alle zusammen tun so, als wäre nichts. Einziger Unterschied: Die Vorbilder unserer Gesellschaft, also Politiker, Eltern, alle möglichen Funktionsträger, finden zwar Alkohol okay, spritzen sich aber normalerweise kein Epo.

Die Sorge um die Gesundheit der Sportler ist, ähnlich der Sorge um die Gesundheit unserer Bevölkerung, ein hehres Gut – allerdings sind die Herren Radprofis alle volljährig und selbst verantwortlich für ihre Einstellung zum Doping. Wer sich also was einpfeifen will, das ist demzufolge gar nicht von Interesse. Viel wichtiger ist es zu wissen, wer sich was einpfeifen darf. Und in dieser Frage muss schnell Klarheit her. Entweder ein generelles Verbot aller Mittel, auch all derjenigen Verschleierungsmittel, die vordergründig zur Asthma-Behandlung eingesetzt werden – oder eine generelle Freigabe des Dopings. Letzteres klingt zwar zunächst mal ganz schrecklich, wird aber durch die Tatsache realistischer, dass man auch mit einem generellen Verbot immer hinterherhinken wird mit den Kontrollmechanismen. Heißt im Klartext: Beschissen wird immer und überall, und wenn der Proficircus sich mit dem Thema Zukunft auseinandersetzt, dann werden die Verantwortlichen vielleicht auch selbst darauf kommen, dass das Ansehen einer Sportart, in der unmenschlich präparierte Monster den Sieg unter sich ausmachen und haufenweise Leute sterben, für die Masse der Zuschauer nicht von besonders großer Anziehungskraft ist. Die finanziellen Auswirkungen mit TV-Fernsehgeldern etc. werden das ganze Theater dann ohnehin auf das Maß reduzieren, das dem Ereignis angemessen ist. Eine Live-Übertragung der Tour und anderer Rennen gehört da aber mit Sicherheit nicht dazu.

Zurück