By the way 30 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 30, 23. April 2007)

Ein Vergleich zwischen dem FC Bayern München und den Vereinigten Staaten von Amerika mag in vielen Details stark hinken, aber eine Gemeinsamkeit ist doch frappierend: Die Vorhersehbarkeit des Scheiterns auf ganzer Linie. Als George W. Bush sein Land aus verschiedenen, überwiegend hanebüchenen Gründen in den Irak trieb, hatte jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch auf Erden gleich gewusst, dass diese Mission nicht gelingen konnte. Den Verantwortlichen hierfür grobe Fahrlässigkeit zu unterstellen ist wahrscheinlich noch diplomatisch ausgedrückt, und die grausigen Folgen sollen an dieser Stelle trotz des Vergleichs mit dem Sport in keinster Weise verharmlost werden.
Das eklatante Scheitern des FC Bayern an allen Fronten war ähnlich vorhersehbar und offenbarte sich in aller Schonungslosigkeit am Samstag beim Münchener Gastspiel in Stuttgart. Die Mannschaft spielt ohne Konzept und ohne Willen – und selbst wenn sie beides hätte, wäre sie doch noch lange kein Spitzenteam. Denn in fast allen Mannschaftsteilen offenbaren sich derartige Schwächen, dass man sie eigentlich fast komplett austauschen müsste. Der Torwart ein Auslaufmodell, der zwar immer noch erstklassige Reflexe drauf hat, aber in seinem gesamten Auftreten dem Team Kraft nimmt (weswegen er auch bei der WM nicht im Tor stand), die Innenverteidigung mit Lucio und van Buyten eine einzige Dauerkatastrophe, das Mittelfeld von schnöder, uninspirierter Durchschnittlichkeit und der Angriff nicht vorhanden, auch wenn man Podolski und Makaay wenigstens theoretisch auch in einer besseren Mannschaft würde aufstellen können. Im Zentrum des Bayern-Spiels macht van Bommel Spieltag für Spieltag nur durch eklige Unfairness von sich reden, und trotzdem hört man ständig, wie wichtig er mit seiner Erfahrung sei für das Team. Welche Erfahrung damit gemeint ist, bleibt schleierhaft, denn beim großen FC Barcelona saß van Bommel, gemieden von Trainer und Teamkollegen, meist nur auf der Bank oder auf der Tribüne. Kollege Hargreaves ist zwar wenigstens bemüht, kann aber immer noch keinen sinnvollen Ball nach vorne spielen – keine neue Erkenntnis, die die Weigerung, ihn für 30 Millionen zu verkaufen, noch unsinniger macht.
All das war bereits zu Saisonbeginn deutlich am Horizont zu sehen – denn van Bommel für Ballack und van Buyten als Abwehr-Organisator zu holen, das reicht nicht für die gehobenen Bayern-Ansprüche. Das reicht eben genau für den UEFA-Cup. Da konnte auch Felix Magath nicht mehr ausrichten. Selbst mit Ballack war ihm der große internationale Erfolg nicht möglich gewesen, weswegen er trotz zweier Doubles in Deutschland schließlich gehen musste.
Dann aber mit Hitzfeld in die Moderne aufzubrechen, das müssen sich die Bayern-Bosse neben ihrer verfehlten Transferpolitik hauptsächlich vorwerfen lassen. Man hätte unter Umständen nachvollziehen können, dass man mit Hitzfeld die Saison halbwegs ordentlich beenden und parallel mit einem neuen Trainer ein neues Team aufbauen wollte. Aber nach kurzer Zeit bereits den Otmar als Heilsbringer zu feiern und ein weiteres Jahr als Trainer zu halten, das war einfach nur das Zurschaustellen der eigenen George W. Bush-Haftigkeit. Und damit hat man sich jetzt – eigentlich ohne größere Not – in die Situation gebracht, dass fertige Spieler mit internationaler Klasse gar nicht mehr kommen wollen. Jetzt werden auch Van der Vaart und Diego dreimal überlegen und fünfmal nachverhandeln, bevor sie kommen. Selbst der Gladbacher Janssen könnte jetzt genauso gut oder noch besser zu einem anderen Club wechseln.
Die Chance des FC Bayern bestünde jetzt eigentlich darin, einen Neuanfang mit jungen Spielern zu machen. Mit dem prallen Festgeldkonto könnte ein Gerüst von fertigen, modernen Bundesligaspielern gebildet und mit Top-Nachwuchsleuten ergänzt werden. Allerdings scheint dazu weder der Wille noch das Verständnis noch das Führungspersonal vorhanden zu sein. Schlechte Aussichten also – und in Gelsenkirchen wächst gleichzeitig ein Konkurrent heran, der dank seines Sponsors nicht mehr nur den Wunsch hat, Nummer Eins zu werden, sondern auch das nötige Kleingeld.

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