By the way 3 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 3, 28. August 2006)

Der dritte Spieltag der Fußball-Bundesliga in der ersten Saison nach der WM ist vorbei, und da ist es an der Zeit zu schauen, was denn so rein spieltechnisch geboten ist in Deutschlands höchster Spielklasse. Das aus allen Rohren und auf allen Kanälen abgefeuerte Geschrei vom WM-Fieber, das man „rüberretten“ müsse, ist mittlerweile verstummt. Und auch den „Schwung und die Begeisterung der WM“ will nun niemand mehr „mitnehmen“. Ein letztes Revival für die WM-Fiebernden war und ist die bis zum Wochenende dauernde Reiter-WM in Aachen, die es schaffte, eher fußball-affine TV-Formate wie das aktuelle Sportstudio fast vollständig für sich einzunehmen. Aber nun, nachdem die Pirouetten gedreht, die Vielseitigkeit demonstriert, einige Goldmedaillen gewonnen und nur noch die Hindernisse zu überspringen sind, kann man sich wohl bald wieder dem ganz normalen fieberfreien Alltag in der Bundesliga zuwenden.

Und um diesen Alltag überhaupt erst mal genießen zu können, muss man zunächst einmal einige Brocken aus dem Weg räumen. Brocken Nummer Eins natürlich der neuerdings die Bilder liefernde Pay-TV-Kanal, mit dessen Freischaltung es zunächst so gar nicht klappen wollte, und der einem jetzt zwar einwandfreie Bilder liefert, diese aber überwiegend von Leuten kommentieren lässt, deren Performance als suboptimal zu bezeichnen fast schon eine unzulässige Beschönigung wäre. Brocken zwei, schon bestens bekannt aus den vergangenen Jahrzehnten, ist Fernsehdino Thomas Gottschalk, der einem, wenn man schon mal dazu kommt, Samstags das Sportstudio zu schauen, dessen Anfang auf unbestimmte Zeit einfach vorenthält. Brocken drei ist, ganz untypisch für diese Jahreszeit, das bescheidene Wetter, welches einen mühelos davon abhält, das Haus überhaupt nur zu verlassen, weswegen auch ein Stadionbesuch derzeit nicht drin ist.

Hat man sich mit all diesen Widrigkeiten arrangiert so wird man feststellen, dass die Bundesliga gar nicht so schlecht ist. Die Stadien sind voll, die Spiele sind, bei allem Gemecker, recht flott, und nebenbei schalten deutsche Teams (HSV) sogar Gegner aus der hochgelobten spanischen Primera División (Osasuna) aus. Dabei konnte man, ganz nebenbei, technische Fertigkeiten aufblitzen sehen, die man außer van der Vaart eigentlich keinem einzigen HSV-Spieler zugetraut hätte.

Und wenn die Bayern jetzt endlich zur Vernunft kommen, den stark überschätzten Hargreaves für unglaubliche 25 Millionen nach Manchester gehen lassen und dafür den Camoranesi kaufen von Juventus, dann haben auch alle Bayern-Hasser endlich wieder eine Spielerpersönlichkeit, an der sie sich so richtig reiben können. Die Ärmsten hatten zuletzt doch nur noch den Hoeness oder den Rummenigge oder Kunstformen wie die für das unflotte Bayernspiel wahrscheinlich verantwortliche „Doppel-Sechs“ zum Beschimpfen.

In der bald wieder beginnenden Champions League wollen wir erst mal abwarten, ob Werder Bremen sich in seiner Champions League-Gruppe nicht vielleicht doch durchsetzen kann gegen Barca und Chelsea. Und der HSV gegen Porto und Arsenal. Und die Bayern gegen Inter Mailand und irgendwelche Teams aus Lissabon und Moskau. Damit wäre dann zwar nicht das künstliche und nervende Geschrei vom WM-Fieber, wohl aber die tolle Leistung der deutschen Spieler bei der WM rübergerettet worden in die Nach-WM-Ära.

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