By the way 298 – Persönliches zum Klassenerhalt. Und was die einen haben, der andere aber nicht...

Es war ja schon vor dem Spiel des VfB Stuttgart gegen Werder Bremen sehr schön im Stadion. Heldenwetter, volles Haus, super Stimmung auf den Rängen, alle gut gelaunt, ein würdiger Rahmen für das schöne Inklusionsprojekt mit der Brenz Band.  

Und dann zeigt die Mannschaft erkennbar vollen Einsatz, geht früh in Führung, kassiert nicht kurz vor Schluss den Ausgleich sondern macht mit schnellem Konter das 2:0. Der Spieler Donis dabei mit extrageiler Vorlage, bitte diesen Spieler bei Laune und beim VfB halten. Trainer Korkut hatte ihm vor seiner Einwechslung auffallend lang und gestenreich Anweisungen erteilt, und im Nachhinein hab ich mir zurecht gelegt, dass der Türke Korkut dem Griechen Donis erklärt, wie er im Spiel dem Türken Özcan den Ball vors leere Tor servieren soll. Love, Peace and Happiness all over, auf dem Platz, auf den Rängen, das war wirklich sehr schön.  

Bemerkenswerter Abschluss meines Stadionbesuchs der angenehmen Sorte war Ex- Präsident Bernd Wahler. Der kam nämlich, drückte mir die Hand und wünschte alles Gute, lachend. Und da hatte ich kurz sogar ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht schon längst mal mit denselben guten Wünschen auf ihn zugegangen war. Trotz aller Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Trotz hier im Blog und auf dem Podium einiger Mitgliederversammlungen geäußerter Kritik, trotz bisweilen harter Bandagen beiderseits – immerhin hatte auch Wahler die wohl von Robin Dutt seinerzeit initiierte Abmahnung mit unterschrieben. 

Aber das ist es eben, was die einen haben und der andere nicht. Die einen bleiben sportlich, offenes Visier, man gibt sich die Hand und schaut sich in die Augen. Klappt im Übrigen auch mit den amtierenden Vorständen. Keine Ahnung, was die intern so über mich erzählen – aber wenn man sich über den Weg läuft, dann sagt man Guten Tag und gibt sich die Hand. Und erkennt in den allermeisten Fällen, dass der andere vielleicht gar kein grüne Luft verbreitendes Ekelpaket ist. Dass die Kritik an der Amtsführung oder dem Schreibstil das eine und die Person das andere ist. So habe zumindest ich das immer gerne gehalten, und fast immer klappte das auch mit den „Gegnern“. 

Wenn es mal nicht klappt mit dem sportlich Bleiben, dann kommt das meistens nicht weiter überraschend. Denn wer nicht sportlich bleiben kann, der konnte das schon früher nicht. Der macht den anderen schlecht, wo er nur kann, und der spielt falsch. Das habe ich mir nochmal in Erinnerung gerufen, als jüngst zu lesen war, die Bahn bereue Stuttgart 21. Bei aller abgrundtiefen Falschheit dieses Projektes von Anfang an stach doch einer heraus, der immer ganz besonders eifrig dabei war, Gegner zu diffamieren und jegliche Kritik pauschal als Lüge oder noch Schlimmeres abzuqualifizieren. Einer, der sich nach außen hin auch noch ehrenamtlich für das Projekt engagierte. 

Nicht, dass jetzt konkret wieder irgendetwas vorgefallen wäre, und schon gar nicht, dass ich mich nach einem Händedruck verzehrte – es ist eben nur schade, dass ausgerechnet der Präsident meines Vereins einer derjenigen ist, die nicht sportlich bleiben können. Aber es ist wohl nicht zu ändern. Denn es gibt immer solche und solche.  

Und jetzt genug gewinselt. Der VfB hat den Klassenerhalt geschafft, und am Samstag Abend kann in Leverkusen ganz befreit aufgespielt werden. Hervorragende Gelegenheit, zu zeigen, dass die Mannschaft auch hoch springen kann, wenn die Latte niedrig liegt. Mindestens so hoch möge sie springen wie Guido Buchwald in der 86. Minute des letzten Spieltags der Saison 1991/1992, als die Bundesliga 20 Teams und 38. Spieltage hatte. Als Günther Schäfer mit Fallrückzieher auf der Linie klärte. Als wir Meister wurden. Am 16. Mai 1992.

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