By the way 29 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 29, 16. April 2007)

Viele interessante Dinge haben sich zuletzt ereignet in der Welt des Sports, Champions League und Bundesliga, Jan Ullrich wieder mal, die Formel 1 ist auch am Start – da musste man sich in den vergangenen Tagen und Wochen schon manchmal fragen, warum alle Medien sich wie die Verrückten auf den „Irren von Teheran“ stürzen. Wann immer Mahmud Ahmedinedschad auch nur einen Furz ließ, wurden sofort Laufbänder eingeblendet – egal ob Sport oder Soap gerade lief oder was auch immer. Klar war die Aktion mit den 16 britischen Soldaten ein aus seiner Sicht cleverer Schachzug des iranischen Präsidenten – aber bereits die eventuell angekündigte Freilassung zum alles beherrschenden Thema zu machen, das war doch ein wenig übertrieben von unseren Medien. Dasselbe passierte Tage später mit jeder einzelnen Atomspindel oder Spule oder Spirale, oder was auch immer der vollbärtige Show-Präsident gerade anzukündigen hatte.

Manchmal stürzen sich die Leute eben auf den Falschen – um ihm unverdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen oder auch, um ihn zu schelten für etwas, das er nicht getan hat. So geschehen bei der Champions League-Niederlage der Bayern gegen AC Mailand. Die Hilflosigkeit der Bayern, die komplette Abwesenheit jeglicher Idee und das eklatante Unvermögen, ein Spiel aufzuziehen, eine alte und Stabilität lediglich vorgaukelnde Mailänder Abwehr zu zerlegen, das alles waren schon eindrucksvolle Beweise dafür, dass der FC Bayern sich komplett neu ausrichten sollte. Aber dann den Ballverlust vor dem 0:1 nicht dem tatsächlich verantwortlichen Van Bommel sondern Lell und Podolski zuzuschieben, das war ungerecht. Denn der unsägliche van Bommel, der immer so tut, als rackere er unheimlich, der aber eigentlich nur durch Gemecker, Fehlpässe und Unsportlichkeiten auffällt, dieser van Bommel hatte den Ball völlig unbedrängt im Mittelfeld nicht einfach flach weitergespielt sondern eben schlampig hoch und unpräzise – den konnten Lell und Podolski kaum richtig kontrollieren. Leider scheint niemand das bemerkt zu haben, und statt dessen wird auf die Spieler eingehauen, die wenigstens versuchen, ein paar Kombinationen aufzuziehen. Das Problem der Bayern ist aber, dass alle spielerische Last auf Schweinsteiger lastet. Wenn der wie in jedem zweiten Spiel komplett andere Sachen oder gar nichts macht, dann heißen die Motoren des Bayern-Spiels Lell und Ottl. Das sind viel versprechende Talente – aber als Wirbelsäulen eines europäischen Topvereins taugen sie eben noch lange nicht. Und daher ist der FC Bayern international chancenlos.

Was die Bundesliga angeht, so ist das Thema Chancenlosigkeit im Endspurt um Titel, internationales Geschäft und Abstieg eigentlich unbesetzt. Höchstens Borussia Mönchengladbach muss sich wohl so langsam mit der Zweiten Liga arrangieren. In allen anderen Vereinen werden Spannung und Anspannung von Spieltag zu Spieltag größer, und ein großes Saisonfinale steht uns ins Haus. Gleiches ist für die Formel 1 zu erwarten, wo derzeit gleich drei Fahrer punktgleich an der Spitze der WM-Gesamtwertung liegen.

Soviel Spannung war selten, und darüber kann man sich doch ein bisschen freuen. Daran sollte auch das 24/7-Mediengewitter um Irans Präsident, Baden-Württembergs Ministerpräsident, dessen bayerische Schwesterpartei und Konsorten niemanden hindern – denn die haben unsere Aufmerksamkeit weder ausschließlich gepachtet noch haben sie sie in diesem Übermaß verdient.

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