By the way 288 – Plädoyer für den Mainstream, weil viel zu wichtig. Und fast nix zum VfB, weil viel zu schlecht

Zwar konnte ich mich bislang dem Dschungelcamp entziehen, nicht aber den allgegenwärtigen SPD-Supersonderfestspielen. Oder Trauerspielen, ganz wie man’s nimmt. Natürlich konnte ich mich als Fan derer, die den Brustring tragen, auch dem VfB Stuttgart bzw. dessen wieder einmal absolut lächerlichem Auftreten auf und neben dem Platz nicht entziehen, der aber, anders als zum Beispiel der Hamburger Sportverein, im bundesweiten Medienwald immer nur oberflächlich, nie aber in die Tiefe gehend analysiert und besprochen wird. Mir sind (hochdeutsch: wir sind) halt nur ein Klepperlesverein.

Die SPD auch ziemlich Klepperlespartei, was soll sie denn machen wirklich? Bin ja nun weiß Gott kein Soze, aber wenn für Schulz und Co sogar schon Sondertagesschauen das traumhaft reichlich gefüllte Sportwochenende unterbrechen, dann macht man sich halt mal Gedanken. Was also soll der Soze machen, GroKo oder nicht?

Ist ja traditionell eher links zu verorten, der Soze. Angesichts der vielen lauten Forderungen nach Profilschärfung läge eine Annäherung an die anderen traditionell links Verorteten nicht allzu fern. Sprich die Grünen und die Linke. Gibt ja nun genug gemeinsame oder zumindest ähnliche Positionen. Ginge übrigens auch auf der anderen, der rechten Seite, theoretisch. Weil sooo weit ist die CDU oder mehr noch ihre kleine krakeelende Schwester ja nun auch nicht weg von den Unaussprechlichen gar nicht mehr so Kleinen am rechten Rand. Warum also nicht Profil schärfen, Farbe bekennen, linkes Lager und rechtes Lager bilden und dann echte Debatten, die grundsätzlichen Dinge in der politischen Auseinandersetzung klären?

Die Antwort hierauf liefert mein abseits des Sportressorts bevorzugter Journalist Constantin Seibt im neuen tollen Medium „Republik“, welchem sich als Verleger anzuschließen ich hiermit allen wärmstens empfehlen möchte. Er liefert sie zwar zu einem anderen Thema, nämlich dem des vergleichsweise öffentlich rechtlichen Rundfunks und für diesen zu leistende Zwangsabgaben in der Schweiz, aber sie taugt gewiss auch zum nervigen Dauerthema Groko bei uns. Als These wenigstens. Und diese These lautet sinngemäß und stark vereinfacht: Wir brauchen die GroKo, weil wir den Mainstream brauchen. Denn der Mainstream bewahrt uns vor allzu rigorosem Lagerdenken. Dazu schreibt Seibt: „Zwar ist es anfänglich eine Versuchung, eine Nische mit Gleichtickenden zu suchen – Biotope mit verwandten Leuten und auf die eigenen Vorlieben maßgeschneiderten Informationen. Nur passieren dann erstaunlich schnell vier Dinge: 1. Durch den internen Ehrgeiz entwickelt und radikalisiert sich die Gruppe – bald wird Reinheit gefordert. 2. Die Außenwelt wird, da nicht konform, zum Idioten- oder Feindesland erklärt: Und schon treffen Sie überall auf absurde Leute, die wiederum Sie für absurd halten. 3. Sie werden von den eigenen Leuten erpresst – Abweichung bedeutet Ausschluss. 4. Sie werden – gerade als intelligenter Mensch – dumm: weil Sie (...) selbst mathematische Tatsachen nicht mehr sehen, wenn sie dem Dogma ihres Stamms widersprechen.“ Also quasi Fox-News Verhältnisse, Trump. Oder Facebook. Und das will ich nicht. Wollen Sie? Wie gesagt, es ist „nur“ eine These. Aber mir taugt diese These dazu, das nervige Gezacker der Sozen und auch der Gelben und der Grünen bei aller Abneigung gegen fast alle handelnden Personen auszuhalten und für eine weitere GroKo oder Jamaika einzutreten. Weil GroKo oder Jamaika irgendwie Mainstream. Beileibe nicht toll, aber als Mischpoke groß genug dafür, die Punkte 1 bis 4 von Herrn Seibt weitgehend zu verhindern. Denn der Mainstream verhindert, gerade in seiner trägen Breite, dass sich überall Gruppen eine eigene Wirklichkeit zimmern. Mal ganz abgesehen davon, dass die SPD bitteschön auch weiterhin nicht mit der SED gemeinsame Sache machen sollte, und noch weniger die CDU mit den Braunen. Und dass mir die Mutti im Umgang mit all den neurotischen Spinnern in den anderen Staaten deutlich lieber ist, als wenn auch wir da einen neurotischen Spinner am Start hätten.

Zum VfB mag ich diese Woche eigentlich gar nix sagen. Viel zu schlecht das alles, viel zu wenig von dem, was einen modern aufgestellten Club heute ausmacht. Viel zu sehr schon wieder wie unter Dutt, was die Konzeptlosigkeit bei gleichzeitig lautestem Herausposaune von ach so tollen Konzepten betrifft. Alles nach Plan, quasi, alles wie erwartet. Dietrich und sein Adlatus Reschke treffen in allen Bereichen genau die falschen Entscheidungen. Bin mir nicht mal mehr sicher, ob Trainer Wolf dagegen ankämpft, ob er’s nicht besser kann, oder ob er Teil des Ganzen ist. Das Geld aus der Ausgliederung wird ohne jede Nachhaltigkeit verprasst und dem Beraterklientel in den Rachen geworfen. Ganz egal ob Rogon oder Ferber oder SportsTotal oder sonstwem. Sollte die Klasse am Ende doch irgendwie gehalten werden, kommt die nächste Tranche rein, unter lautem Gejubel derer, die diesen unseren Ausgliederungspräsidenten gewählt haben. Dann kann das Ganze nochmal zwei drei Jahre so weiter getrieben werden. Die Medien, wie gesagt, die interessiert das nicht. Regional, weil sie am Stachelhalsband auf Zug geführt werden (und sich allzu bereitwillig führen lassen) – und überregional, weil der VfB verständlicherweise niemanden interessiert. Reschke und Dietrich können in einer Seelenruhe den Laden an die Wand fahren, von der Beiersdorfer einst nicht mal zu träumen wagte. Denn wer braucht schon eine mittelmäßige Kopie des HSV, wenn er sich am Original abarbeiten kann. Da müsste unser Präsident schon Thomas Tuchel holen, um wenigstens schlagzeilenmäßig wieder ein wenig ranzukommen. Aber warum sollte einer, der beim FC Bayern ganz oben auf der Liste steht, sich den VfB Stuttgart antun? Von der Säbener kommen doch nur Leute in die Mercedesstraße, die der FC Bayern nicht mehr will und nicht mehr braucht...

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