By the way 280 – vor der Mitgliederversammlung pfeifen die Spatzen von den Dächern der Mercedesstraße...

Für den 3. Dezember 2017 lädt der VfB Stuttgart 1893 e.V. seine Mitglieder zur ordentlichen Mitgliederversammlung. Nach den turbulenten letzten Versammlungen scheint man diesmal in erster Linie mit viel Ruhe zu rechnen – nix mehr Schleyerhalle, nix mehr Stadion, dafür Messehalle. Auswärtsfahrer werden eher wenige dabei sein können, der VfB spielt am Vortag in Bremen.

Auf der Tagesordnung stehen unkritische Wahlen: Niemand wird ernsthaft dem Thomas Hitzlsperger seine Stimme für einen Platz im Vereinspräsidium verweigern, und auch Kandidat Dr. Bernd Gaiser ist bis jetzt nicht negativ aufgefallen, ist eigentlich überhaupt nicht aufgefallen. Einer der beiden wird dann wohl eher früher als später Wolfgang Dietrich als Präsident und wahrscheinlich auch in der AG beerben.

Daneben stehen Wahlen an, bei denen die zu vergebenden Posten zwar als im weitesten Sinne unkritisch bezeichnet werden können, zu denen aber teils sehr zweifelhafte Persönlichkeiten als Kandidaten zugelassen wurden. Gleichzeitig wurden auch Kandidaten aus dubiosen Gründen nicht zugelassen, obwohl sie mit Fug und Recht als über jeden Zweifel erhaben bezeichnet werden können. Vereinsmeierei at it’s best, darf der Verein so machen, keine Frage. An den Mitgliedern liegt es, zumindest die ganz harten Blender und Opportunisten aus dem zu wählenden Vereinsbeirat herauszuhalten.

Leider sind das genau dieselben Mitglieder, die sich vom amtierenden Präsidenten mit kernigen Wahlkampfversprechen haben ködern lassen und danach im Freudentaumel über den sen-sa-tio-nellen und von wirklich niemandem erwarteten Wiederaufstieg gleich die Ausgliederung der Profis etc. durchgewunken haben. Verständlich, denn wer will sich schon mit Ventric AG, VMM Consulting GmbH, Briefkästen in Appenzell und Leonberg, mit Christoph Bergners, Klaus-Dieter Weidas, iWorx und EQUINOX AGs rumschlagen, mit Nürnberger IT-Firmen und Stuttgarter Fonds, die Grazia heißen. Viel zu kompliziert, viel zu weit weg auch, hier zählt doch „nur der VfB!“ Und hier, beim VfB, da wird der blitzsaubere Präsident auch am 3. Dezember wieder eine blitzsaubere Bilanz ziehen, die der Verein vor allem anderen seinen Mitgliedern zu verdanken hat, die mit ihrem JA zum Erfolg dies alles erst möglich gemacht haben. Natürlich trotzdem noch weiter Weg, schwierige Bedingungen usw., was der Phrasenbaukasten halt so hergibt, was man halt so sagt als Präsident.

Wahlkampfversprechen also, ganz kernig und prominent dabei diese unbedingte Fokussierung auf und Förderung des Nachwuchleistungszentrums, das sich ruckizucki selbst finanziell tragen, von der Lizenzspielerabteilung finanziell unabhängig werden sollte. Bei dem aber, bis auf die Arbeiten am neuen Kunstrasenplatz, bislang noch nichts geschehen ist. Und noch weniger in Zukunft geschehen soll, denn die zweite Mannschaft wird abgemeldet, und zwar angeblich gegen den expliziten Willen des verantwortlichen Marc Kienle und der Trainer. Den Nachwuchs stärken, das heißt beim VfB, die Spieler Ristl und Wanitzek werden verschenkt, obwohl die eigentlich zuständigen Herren Hinkel und Thomae Gerüchten zufolge strikt dagegen waren, und konkret gewünschte Neuzugänge werden verhindert, weil 100.000 Euro viel zu teuer. Zumindest pfeifen derartiges die Spatzen von den Dächern der Mercedesstraße.

Insgesamt mache, so Sportvorstand Reschke, das mit den zweiten Mannschaften keinen Sinn, sei nicht mehr zeitgemäß. Reschkes Ansicht kollidiert allerdings frontal mit einem Blick auf den aktuellen Kader der deutschen Fußball Nationalmannschaft, wo zumindest nach meinem Kenntnisstand außer Leroy Sané alle (soll heißen: alle!) Spieler durchaus haufenweise Spiele in den zweiten Mannschaften ihrer jeweils dann aktuellen Clubs absolviert haben (Julian Brandt nur ein Spiel, der bestätigt hier als Ausnahme die Regel). Wenn Herr Reschke und Herr Dietrich das Wort „zeitgemäß“ aussprechen, dann meinen sie damit vielleicht eher kreativ gestalteten Geldverkehr zwischen dem VfB und Farmteams, in denen entweder Dietrich-nahe Firmen oder namhafte Spielerberater investiert sind. Und gehen ganz nebenbei als diejenigen in die Fußball-Geschichte ein, die dieses Zweitspielrecht erkämpft haben, unter Einsatz ihres Lebens und unter Inkaufnahme größter persönlicher Anfeindungen und Widerstände.

Also bitte, wählen, applaudieren, jubeln. Und wer diese tollen Hechte, diese selbstlosen Macher und echten Erfolgsgaranten kritisiert, der ist doch wirklich nichts mehr als ein ahnungsloser Vollidiot und Aluhutträger. Da jubeln und applaudieren wir gleich nochmal, wenn der amtierende Oberbürgermeister und Vereinsbeiratskandidat die allgemeine Aussprache wieder per Antrag lupenrein demokratisch abbrechen lässt. Da simmer doch voll dabei und freuen uns, dass derart kompetente Vollblut-Menschen uns beim VfB repräsentieren. Ventric, VMM, ISPR, so ein ausgemachter Blödsinn, also wirklich!

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