By the way 272 – Mazinho, Choupo Moting und ein bisschen zwanghafter Zweckoptimismus...

Sehr ärgerlich, dass man nach dem dritten Spieltag immer noch nicht genau weiß, wo der VfB Stuttgart steht. So gesamtsportlich gesehen. Dass er hinten häufig viel zu weit weg steht von den Leuten, das weiß man natürlich, schon seit Jahren. Ebenso bekannt, und zwar branchenweit, ist die Tatsache, dass der mit mehr als 190 cm Körperlänge gesegnete Spieler Naldo bei Standards mit vorkommt. Aber das scheint noch nicht bis zu den Jungs aus Cannstatt durchgedrungen zu sein.

Dabei hatten sie es eigentlich ganz gut gemacht in der ersten Halbzeit auf Schalke. Doof nur, dass man schon ab Minute Drei zurücklag. Unglücklich zurücklag. Weil wirklich getroffen hat Mangala den Gegner ja nicht. Aber leider halt immer noch das Beste, was Dir als Gegner des VfB passieren kann. Schnelle Führung, dann einfach abwarten, bis der nächste Hardcorefehler passiert und man das zweite Tor machen kann. Dass der VfB in dieser Phase ganz gut aussah war allerdings der Tatsache geschuldet, dass Schalke es extrem schlecht machte. Einfach abwarten, Kontrolle, das konnten die nicht. Trotz Tedesco. Daher verdienter Ausgleich.

Nach der Pause zwei schnelle Tore, und das Ding war durch. Ohne dass man jetzt sagen könnte: Der VfB hat unter Druck eigentlich ganz gut verteidigt / erstaunlich schnell umgeschaltet / klaren Kopf behalten / immer eine Antwort gewusst. Wäre ja zumindest theoretisch möglich, dass der VfB das kann. In der Praxis leider eher unwahrscheinlich. In der Praxis eher so, dass der VfB gut steht, solange der Gegner nix macht. Aber beim kleinsten Pressing geraten wir sofort heftig ins Schwimmen. War so, ist so, wird leider auch weiterhin so sein. Egal, wie viele weitere Opas der Sportvorstand noch von der Reschkerampe holt. Egal, wie viele Hundert Millionen uns der Präsident noch verspricht. Dass der vormals vertragslose Rogon-Spieler Eric Maxim Choupo Moting angesichts des Ginczek-Fragezeichens und Teroddes Ladehemmung von Michael Reschke ungehindert nach Stoke ziehen konnte, grenzt da schon an ein mittleres Wunder.

Der nächste Gegner freilich wie gemacht für zwanghaften Zweckoptimismus: Wolfsburg, ohne Gomez, ein Team wie geschaffen, um es nieder zu kämpfen. Um es durch ein frühes Tor und im Nachgang mit etwas Glück mit 4:0 aus den Stadion zu schießen. Terodde wird den Hebel umlegen, Ascacibar wird auf der Sechs schalten und walten wie ein Großer, und am Ende singen wir alle „Oh wie ist das schön“. Wenn die Wolfsburger uns machen lassen.

Wenn sie uns allerdings nicht machen lassen, wenn sie sogar versuchen sollten, ein Tor zu schießen – dann könnte es wieder bitter werden am Samstag. Und dann könnte – in typischer VfB-Manier – das nächste Heimspiel gegen Augsburg schon das letzte sein für unseren Trainer. Weil es offensichtlich unter den Cannstatter Granden mindestens einen Vollidioten gibt, der den Klassenerhalt mit diesem Kader nicht für eine Sensation sondern für das absolute Minimalziel hält. Und unter den Fans sogar einen ganzen Haufen solcher, die jetzt so tun, als seien sie von unserem Präsidenten total enttäuscht. Vielleicht gar nicht so unpraktisch dann für unsere Kopetenzbären, dass der Rest von Fußballdeutschland sich über die schlechtesten Bayern seit Mazinho lustig macht und jetzt schon mutmaßt, dass Nagelsmann dort mindestens so lange erfolgreich sein wird wie Sir Alex Ferguson bei Manchester United. Können sie nämlich wie schon seit Jahren medial weitgehend ungestört weiter rumwursteln hinter den Kulissen, Pfründen sichern, Netzwerk nutzen, Champions League anpeilen...

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