By the way 258 – heute mal mit einem anderen Verein als immer nur mit dem VfB...

Anfang des Jahres bin ich einem damals noch in Gründung befindlichen Verein beigetreten. Dem „FC PlayFair! Verein für Integrität im Profifußball e.V.“ Nicht, weil ich unbedingt noch mehr unbezahlte Zeit als ohnehin schon mit dem VfB verbraten wollte, sondern weil der FC PlayFair! eine tolle Sache ist. Dieser Verein besteht aus Leuten, die den Fußball lieben und der Auffassung sind, es sollte mehr miteinander gesprochen werden. Also Funktionäre und Fans. Also diejenigen, die entscheiden und die, die hingehen. Und weil man optimalerweise zum miteinander Sprechen ein Gesprächsthema haben sollte, hat unser Verein an einer Hochschule eine Studie in Auftrag gegeben, in der wir Fußballfans aller Vereine der ersten und zweiten Liga gefragt haben, wo der Schuh drückt. Praktisch, war, dass einer der Vereinsgründer an ebendieser Hochschule das Deutsche Institut für Sportmarketing leitet und daher genau weiß, wie man eine solche wissenschaftliche Studie auflegt. „Situationsanalyse Profifußball 2017“ heißt das Ding, und von Januar bis März 2017 wurde es durchgeführt.

Eine Kooperation mit dem kicker Sportmagazin machte es möglich, die durchaus nicht kleine Befragung mal ein paar Tage beim kicker auf die Webseite zu stellen. Tolle Sache das, weil unser kleiner Verein logisch noch gar nicht öffentlich und also auch keine Reichweite, der kicker dafür volle Lotte. 17.330 Fußballfans haben mitgemacht, breitere Basis war nie. Und weil die Leute natürlich auch ihren Lieblingsverein angegeben haben, kam bei der Auswertung heraus: Die prozentuale Verteilung der Befragten auf die Vereine entsprach bis auf ganz wenige Ausnahmen fast exakt den Zuschauerzahlenrankings in den ersten beiden Ligen im Befragungszeitraum. Für uns toll, denn das gibt dem Ganzen dann doch einen ziemlich repräsentativen Charakter. Dazu kommt, dass wir nicht grade direkt aus der Ultra-Ecke kommen. Wobei jetzt hier gar nichts Grundsätzliches gegen die Ultra-Ecke zu sagen aber doch festzustellen ist, dass viele Leute gleich mal den Laden runterlassen, wenn sie das Wort „Ultras“ auch nur hören. Und weil der FC PlayFair! (richtig nur mit Ausrufezeichen) auf breiter wissenschaftlicher Basis mögliche Probleme identifizieren und mögliche Lösungsansätze aufzeigen will, damit die Leute darüber ins Gespräch kommen, wäre es doch kontraproduktiv, wenn viele der Adressaten gleich mal den Laden runter lassen.

Zwei Tage nach der ersten Verlautbarung sind wir schon ziemlich öffentlich, was einerseits natürlich super ist, andererseits aber auch nicht ganz überraschend. Denn das Thema der Studie lag ja förmlich schon auf der Straße. Bierhoff gibt Interviews, Lienen/Rettig verstecken sich zwar bei der FAZ hinter der Paywall, sagen dort aber auch Sachen, Beckmann zum Abtritt auch – und dann überlegt einer noch öffentlich, warum das DFB-Pokalfinale nicht auch mal in, sammermal, Shanghai ausgetragen werden sollte. Kommerz muss sein, denn umsonst ist der Tod – aber man konnte zuletzt ja schon den Eindruck bekommen, dass das Rad der Kommerzialisierung im Profifußball allzu schnell gedreht wird. Dass zwar noch Saft aus der Zitrone rauskommt, aber wie lange noch? Daher wichtige Erkenntnis, neben vielen anderen interessanten Details, die die Studie zu Tage förderte: Mehr als jeder zweite Fußballfan ist bereit, sich vom Fußball abzuwenden, wenn das ungebremst so weiter geht. Zwar stimmt eine breite Mehrheit der Fans der These zu, dass Vermarktung bei Proficlubs sein muss. Aber sieben von zehn Befragten sehen die Grenzen der Kommerzialisierung erreicht. Wenn das mal kein Fingerzeig für die Verantwortlichen bei Liga und Verband ist.

Wer sich die Studie durchlesen will, wer sich für unseren neuen Verein interessiert oder wer einfach mal schauen will, der schaue gerne unter www.fcplayfair.org

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