By the way 256 – Montag schön, Dienstag müde. Und warum das Kürzel WD wohl auch weiterhin nicht für Wirtschaftliches Desaster steht.

Wenn ein junger Spieler vom FC Arsenal zum VfB Stuttgart ausgeliehen wird, dann ja höchst wahrscheinlich um Spielpraxis zu sammeln. Und da die Verhandlungsposition des deutschen Zweitligisten („Alter, wie geil, wir kriegen einen von Arsenal!“) sich diametral von derjenigen des englischen Premier League Clubs („Wir können den ganz problemlos auch irgendwo anders hinschicken“) unterscheidet, bildete sich gleich zu Beginn des hoffentlich für lange lange Zeit letzten Montagsspiels VfB vs Eisern Union in meinem Kopf und quasi wie von selbst folgende These: „Takuma Asanos Leihvertrag enthält eine Einsatzgarantie“. Denn so eifrig unser japanischer Jaguar auch rennen und tun und machen mag – er kann kaum einen Ball stoppen. Er lässt jedes Mal abtropfen, und dann ist der Ball entweder weg, oder er muss mit brachialer Gewalt nachsetzen, riskiert ein Foul oder eine Verletzung. Oder, noch schlimmer: Ein anderer muss riskieren. Und jetzt weiß ich auch nicht, werde mich aber an die Verifizierung oder Falsifizierung dieser These machen. Und apropos Leihspieler: Zu Carlos Mané erübrigen sich nach Bekanntwerden dessen komplizierter Verletzung sämtliche Thesen. Man könnte höchstens fragen, ob die ihn besitzenden Portugiesen es unserer medizinischen Abteilung zutrauen, den Jungen irgendwann wieder fit zu bekommen.

Ansonsten war’s mal richtig gut am Montag im Stadion, bis auf die Tatsache, dass man halt erst um halb Zwei ins Bett kommt und der folgende Tag ein echter Dienst-Tag ist. Zum ersten Mal trat der VfB nicht nur fünf Minuten lang so auf wie einer, der aufsteigen und es dem Gegner richtig besorgen will. Und dass es nicht länger als ein paar Minuten nach dem Anschlusstreffer so war wie eigentlich fast immer, nämlich dass unsere Aufstiegsaspiranten/Etatkönige sich ängstlich zurückzogen und auf weitere Tore des Gegners warteten, dafür sorgte glücklicherweise Daniel Ginczek mit dem 3:1. Danach wieder eitel Sonnenschein, und um ein Haar hätte sich sogar Florian Klein den Assist des Jahres sichern können mit seiner Traumvorbereitung für Brekalo, der aber leider nie von Christoph Daum trainiert wurde. Sonst hätte er nämlich einfach die Sohle draufgehalten und das Ding rein gemacht.

Auch in der Ehrenloge muss die Stimmung vorzüglich gewesen sein. Sogar der Daimler-Chef gab sich die Ehre, die Reihen schon im Hinblick auf die außerordentliche Mitgliederversammlung am 1. Juni fest geschlossen. Und was er sah und hörte, das musste ihm gefallen. Denn die Stimmung in dem Stadion, dessen Namensrechte so wenig kosten und sogar die strengen FIFA-Vorschriften bei der Heim-WM 2006 überstanden, die war mal richtig geil. Da hüpfte der Riesenschnauzer vor Freude, und manch älterer Dauerkarteninhaber hofft jetzt wohl auf die Wiederkehr der alten Zeiten, als der Daimler zu Heimspielen noch sein Werk als Parkplatz zur Verfügung stellte.

Präsident Wolfgang Dietrich hingegen wird die montägliche Feierstunde möglicherweise mit gemischten Gefühlen erlebt haben. Denn mit dem wahrscheinlicher werdenden Nichtaufstieg des 1. FC Union Berlin entgehen seinen Firmen ja schließlich fette Einnahmen. Aber halt, alles falsch, Rolle rückwärts: Das sind ja gar nicht seine Firmen, das sind ja die Firmen seines Sohnes. Also kann das Kürzel WD auch weiterhin für Wolfgang Dietrich stehen, und nicht für Wirtschaftliches Desaster. Zumal eine erfolgreich durchgezogene Ausgliederung normalerweise nicht dazu beiträgt, die maßgeblichen Akteure ärmer zu machen.

Aber bitte, lieber VfB: Wenn Stoke City oder sonstwer anruft wegen Simon Terodde, dann müssen die für den Jungen mindestens genauso viel hinlegen wie der Daimler für seine Anteile...  

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