By the way 252 – heute kein VfB sondern die Frage, warum nicht mehr Volleyball im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommt.

Es gibt sicherlich viele Gründe dafür, dass Biathlon im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen so prominent vertreten ist. Da gibt es mit der IBU einen starken Weltverband, da gibt und gab es ständig deutsche Siegerinnen und Sieger, und sicherlich gab und gibt es auch bei ARD und ZDF verantwortliche Redakteure, die der Sache aus wiederum verschiedenen Gründen sehr aufgeschlossen gegenüber stehen. Und so wie die schöne Madame Koukalova werden demnächst sicherlich immer mehr Biathletinnen nur noch aufwendig geschminkt an den Start gehen, denn das Auge sieht schließlich mit. Aber irgendwann muss das alles ja mal angefangen haben – und genau da setzt die Frage an, warum nicht auch andere Sportarten in Deutschland es schaffen, die öffentlich-rechtliche Monokultur aus Fußball und Wintersport (und da neben Biathlon echte Blockbuster-Sportarten wie Rodeln, Bob und Eisschnelllauf) aufzubrechen.

Die Eishockey Bundesliga DEL erst bei Sky, dann Servus TV, jetzt Sport1, auch die Handballer sieht man bei Sky und auf Sport1, Basketball hin und wieder, sogar die Beachvolleyballer kriegen ab und an Besuch von der hotten Esther Sedlaczek. Und daneben bietet Eurosport meist bestens kommentierte Berichte zu diesem und jenem. Aber halt nicht ARD und ZDF. Auch Formate wie „Sport unter der Lupe“ sind verschwunden, die „Sport im Dritten“-Sendungen bestehen zu größeren Teilen aus Fußball als je zuvor. Und als Deutschlands beste Volleyballmannschaften im Januar in Mannheim ihre Pokalfinals spielten, da stieg Sport1 in spannender Phase um 19 Uhr einfach aus. Umso eklatanter, als dem ausnüchternden Bürger nach dem sonntäglichen Doppelpass auf dem selben Sender gerne mal Fußball-Regionalliga live geboten wird. Also vierte Liga.

Dass nun aber ARD und ZDF gebührenfinanzierte Sender mit dem Auftrag zur Grundversorgung sind, darüber wird nur gelegentlich diskutiert – wenn es um Geld für Fußballrechte geht. Warum wird hier nicht mehr Dampf gemacht von Handballern, Volleyballern, Basketballern, Tischtennisspielern etc.? Heißt Grundversorgung in Deutschland nur Fußball und Biathlon?

Dampf machen freilich schwierig. Dazu muss man Dampf machen können und Dampf machen wollen. Und wer auch nur sporadische Kontakte zu zB. Volleyball-Verbandsfunktionären hat, der mag diesen mit ganz viel Wohlwollen zwar das Können zutrauen – aber beim Wollen herrscht Fehlanzeige. Da müsste man ja raus aus der Komfortzone. Denn so engagiert viele Ehrenamtliche sich mit Sponsorensuche, Trainingsbetrieb und Nachwuchsrekrutierung aufreiben, so borniert wird ihnen aus den festangestellten Positionen oft begegnet. Selbst die erfolgreichsten Sportler und Olympioniken werden mitunter behandelt wie lästiges Beiwerk, siehe die aktuelle Debatte um den neuen Bundesstützpunkt der Beachvolleyballer in Hamburg.

Wenn aber, um beim Thema zu bleiben, eine Sportart wie Volleyball ernsthaft öffentlich-rechtliche TV-Präsenz erreichen will, dann braucht es neben sportlichen Erfolgen und einer gewissen TV-Tauglichkeit in erster Linie clevere, umtriebige Funktionäre, die ihre Kräfte bündeln können und wollen. Konzept erstellen, gemeinsam systematisch Sponsoren überzeugen, den richtigen Kontaktmann beim Sender und im Bundestag kennen, machen, machen, machen. Und natürlich auch Glück haben, den richtigen Moment erwischen. Höggschde Frustrationstoleranz unerlässlich.

Leider gibt es solche Menschen fast ausschließlich nicht bei Länder- und nationalen Verbänden sondern höchstens bei Bundesligaclubs, die Jahr für Jahr mit größtem Einsatz dafür kämpfen, ihren Verein auch in der kommenden Saison noch irgendwie am Start zu haben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Auf den hauptamtlichen Sesseln der Verbände sitzen währenddessen, Beispiel wieder Volleyball, Leute rum, die einer Anfrage nach Mini-Unterstützung zur Siegerehrung einer regionalen Nachwuchsrunde (Habt Ihr Medaillen? Wollt Ihr jemand zur Siegerehrung vorbeischicken?) mit den Worten begegnen: „Lass mich bloß in Ruhe damit, ich habe mit Jugend nichts zu tun.“ Bezeichnend auch ein Interview mit Silke Lüdike, der langjährigen Nachwuchs-Bundestrainerin Beach, im Volleyball-Magazin 02/2017. Und so lange sich da, auf Verbandsseite, nicht grundlegend einiges ändert, so lange wird auch der Volleyball ohne echte ÖR-TV-Präsenz weiter sein Nischendasein fristen. Wie eine Gemüsemaultasche...

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