By the way 250 – handsome Hannes und die Scheinriesen, und eitel Sonnenschein über der Propagandafront...

Es ist beim VfB Stuttgart mal wieder alles viel zu positiv. Autor eingeschlossen. Denn eigentlich ging ich davon aus, dass wir die Tabellenführung bis zum Aufstieg nicht mehr hergeben. Im Unterschied zu vielen Fans und Teilen der schreibenden Stuttgarter Presse, die in bester Barner-Tradition Spieler und Spielsystem durch die Bank mit warmen Worten bedenken, zog ich meinen Optimismus allerdings ausschließlich aus der Tatsache, dass die anderen einfach zu schlecht sind. Denn gut, das sind wir nicht.

Wenn die Mannschaft nicht früh in Führung geht, dann stößt sie rasch an ihre Grenzen. Und wenn sie gar in Rückstand gerät, dann zeigt sich schnell die ganze Hilflosigkeit der Truppe. Dann flankt Insua hirnlos aus dem Halbfeld, und Zimmer darf es ihm nachtun, weil der Gegner es gar nicht nötig hat, den irgendwie zu decken. Das Mittelfeld macht viel und bewirkt wenig, bezeichnend auch, dass erst ein Drittligaspieler wie Zimmermann kommen muss, um wenigstens einigermaßen den Laden zusammenzuhalten. Schade das, weil Grgic eigentlich Kuzmanovic-Potential hat, was an dieser Stelle durchaus als Lob gemeint ist. Und unsere Innenverteidigung ist und bleibt nunmal heillos überfordert, da können die Einzelkritiker der Stuttgarter NachrichtenZeitung noch so unverdrossen gute Noten verteilen.

Einen Hauch von Bundesligatauglichkeit vermittelt lediglich der Stuttgarter Sturm mit den beiden Leihgaben und Terodde. Und Ginczek natürlich, der tatsächlich ein Comeback zu schaffen scheint. So wichtig wäre das, nicht nur weil er ein toller Stürmer ist sondern auch eine noch tollere Identifikationsfigur. Einer, dem man es vollrohr abnimmt, dass er nicht verlieren will. Ganz wichtig für jedes Team, solche Spieler. Zu Julian Green ist in diesem Zusammenhang leider gar nichts zu sagen. Dafür aber zum Trainer:

Die schiere Heiligenverehrung von Hannes Wolf geht mir so langsam ziemlich auf den Senkel. Warum kann man den nicht einfach mal sympathisch finden und schauen, was er so macht? Warum muss man immer noch alles superduper finden, obwohl der nette Herr Wolf jetzt ja doch schon ein paar Monate inklusive der kompletten Winterpause hier ist und die Mannschaft meistens immer noch so spielt wie unter Luhukay? Dieses wider besseres Wissen alles toll finden, das scheint ein Teil der Stuttgarter DNA zu sein, ganz im Gegensatz zum Klischee vom Bruddler. Im Falle von Robin Dutt hat uns das sauber in die zweite Liga geführt, ein Umstand, der den Verein viele Millionen Euro gekostet hat.

Nicht falsch verstehen. Hier wird mitnichten des Trainers Kopf gefordert. Nur ein bisschen weniger Blauäugigkeit im Bezug auf die sportliche Führung. Weil ob der Trainer ein Guter ist, das zeigt er nicht dadurch, dass er mit einer zum Aufstieg verdammten Truppe voller Scheinriesen nebst Riesenetat am Saisonende das Minimalziel erreicht. Auch Jan Schindelmeiser wird erst in der ersten Bundesliga zeigen können, ob er tatsächlich so smart ist wie sein Auftreten. Und smart wird er sein müssen, denn für den Klassenerhalt werden so viele echte Verstärkungen her müssen, dass wir, ich wiederhole mich, schon mehrmals ausgliedern müssten um uns die leisten zu können.

Und was die nichtsportliche Vereinsführung betrifft, so sei leise darauf hingewiesen, dass diejenigen, die Herrn Dutt und den Abstieg und das alles astrein zu verantworten haben, immer noch das oberste Kontrollorgan des VfB zahlreich bevölkern. Als ob nix gewesen wäre. Gerne auch mit Blick auf die bald konkret werdende Ausgliederung, für die das AGendasetting gestern mit einem mal so richtig kritischen Interview von wem sonst als Gunter Barner begonnen hat. Da steht uns ein gepflegter Doppelpass mit Wolfgang Dietrich ins Haus, der die von Barner über Bande vorgelegten Fragen sicherlich in überragender Offenheit beantworten wird. Eitel Sonnenschein über der Propagandafront, sozusagen.

Und noch was: Dass Herr Dietrich seine Facebookseite, seine offenen Briefe etc. selbst verfasst, das glaubt Ihr ja wohl nicht im Ernst, oder?    

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