By the way 25 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 25, 12. März 2007)

Schlecht geschlafen in der Nacht zum Sonntag. Ganz wirre Sachen geträumt. Schuld daran war der Boxkampf zwischen W. Klitschko und R. Austin in Mannheim. Heerscharen von Boxern zogen demonstrierend umher, Weltmeister, Ex-Weltmeister, Herausforderer, Weltranglistenerste, sie hielten Schilder hoch und skandierten Lieder. Sie hatten sich in einer Art Boxgewerkschaft zusammengeschlossen um ihre Forderungen besser durchsetzen zu können. Konkret gefordert wurde Chancengleichheit bei der Auswahl offizieller Herausforderer. 1 Million Euro für 2 Minuten Kampf gegen Klitschko, das wollte Jeder gerne haben. Zum Glück lief alles friedlich ab. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ein Haufen Schwergewichtler anfinge zu marodieren. Aber Tradition ist Tradition, und in der jüngeren deutschen Geschichte war gewerkschaftliches Treiben stets derart friedlich, dass die ja schon kaum Einer mehr ernst nimmt, die lieben Gewerkschaften. Kein Vergleich etwa zu den Franzosen. Da wird erstmal das ganze Land blockiert, bevor überhaupt die Forderungen bekannt gegeben werden. Dann aufgewacht.

Jetzt regen sich alle wieder auf wegen des Boxkampfs vom Samstag. Zuschauer, die mitten in der so genannten „Danger-Zone“ am Ring saßen und dafür knapp 1.000 Euro hingeblättert hatten. Zuschauer am TV, die ihre Abendplanung nach dem Kampf ausgerichtet hatten und jetzt enttäuscht waren. Andere TV-Zuschauer, die sauer waren, weil durch den blöden Kampf das DSDS-Spektakel unterbrochen wurde, Reporter, die die Qualität des amerikanischen Boxsports generell bemängeln usw. Dabei ist das doch schon immer so gewesen. Fallobst haben alle großen Boxer haufenweise im Ring gehabt. Vor allem im Schwergewicht sind richtig gute Kämpfe seit jeher selten. Wahrscheinlich ist auch die ganze Aufregung nach so einem Kampf eine ritualisierte Reaktion, die einfach dazugehört. Vor allem bei Klitschko-Kämpfen. Dabei wird allerdings nie gegen Wladimir bzw. Vitali geschimpft sondern immer über den Gegner, den Manager des Gegners, unfaires Publikum oder sonst was. Die Klitschkos gelten wahrscheinlich als die edelsten Deutschen nach Karlheinz Böhm und Altkanzler Schmidt. Weil sie so toll deutsch radebrechen, so nett aussehen, und weil es heißt, sie hätten ca. 10 Jahre Ihres Lebens mit akademischen Studien zugebracht, weswegen sie den Doktortitel trügen. Manchmal heißt es sogar, sie seien Professoren. Sicher werden sie später noch Nachfolger von Nelson Mandela oder mindestens Präsidenten der Ukraine, Weißrusslands und einiger anderer ehemaliger Sowjetrepubliken.

Eigentlich sind die Klitschkos richtige Nervensägen. Werbung hier und da, ständig bei Gottschalk auf der Couch etc. Aber mehr als ein pubertäres „die nerven“ ist einfach nicht drin. Keine Argumente. Keine Angriffsfläche. Die weißen Riesen sind , es muss leider raus, nicht nur sauber sondern rein. Und wer schimpfen möchte, der muss sich ein Behelfsopfer suchen. Angeboten, geradezu aufgedrängt hat sich hierfür der langjährige Klitschko-Berater Bönte. Der hatte gesehen, wie crazy Don King mit einem Vatikan-Fähnchen gewedelt hatte. Und er, der Medienprofi, teilte daraufhin mit, dieses Herumwedeln mit der Vatikan-Fahne habe seine Ehre als Katholik beleidigt. Wir haben’s schon immer geahnt: Die Mullahs sind unter uns.

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