By the way 247 – Kolping statt Cotta, und warum Wolfgang Dietrich das Shitstürmle trotzdem verdient hat...

Natürlich ist es kein guter Stil, den Stuttgarter Eliteschulen des Sports mit einer lommeligen Email mitzuteilen, man werde quasi per sofort seinen derzeit 63 Nachwuchsfußballern beziehungsweise deren Erziehungsberechtigten empfehlen, zum Kolping zu gehen statt ins Schickhardt oder ins Wirtemberg oder in die Lindenreal- oder in die Cottaschule. Aber: Wer VfB-Präsident Wolfgang Dietrich für eine Kapazität in Sachen guter Stil hält, der erwartet wahrscheinlich auch von IOC-Präsident Thomas Bach eine Vorreiterrolle bei der Bekämpfung von Korruption und Doping. Und so gesehen ist es schon in Ordnung, dass jetzt dem Verein von 1893 ein moderates Shitstürmle ins hagere Gesicht bläst.

Ob nun der Brandbrief des Schulleiters eines der betroffenen Gymnasien stiltechnisch besser abschneidet, darüber kann man indes geteilter Meinung sein. Wie zu hören war, wurde ebenjener Brief aus Australien hergeschickt, wo besagter Schulleiter einen mehrwöchigen Aufenthalt absolvierte – mitten in der Schulzeit. Klar muss dem Mann das alles nicht gefallen, auch down under der warmen Sonne muss es das nicht. Aber es hätte auch andere Ansprechpartner gegeben als direkt die Presse mit dem Ziel, einen Skandal anzufeuern wo ja eigentlich gar kein Skandal sondern höchstens über Schul- und Stilfragen zu diskutieren ist.

Denn es ist ja nun nicht in Stein gemeißelt, dass die, by the way steuerfinanzierten, Eliteschulen das Nonplusultra für junge Leistungssportler sind. Und dauernd mit den Abiturienten Baumgartl und Werner hausieren zu gehen wird auch der Tatsache nicht gerecht, dass es eben nicht nur zwei Abiturienten gibt sondern 63 Schüler, von denen bei weitem nicht alle Abitur machen werden.

Jetzt gibt es ja offenbar eine Vielzahl an Schulformen unter einem Dach, morgens Schule und um 11 Uhr das erste Training. Nicht mehr schon vor der Schule. Ist das, vor allem an kalten Wintertagen, nicht besser? Versäumtes vom Vormittag am Nachmittag im Leistungszentrum nachholen, mit den Lehrern, die dort hinkommen. Die auch in den Ferien kommen, um substanziellere Rückstände beim Lernstoff aufzuarbeiten. Ist das nicht besser? Haben die Eliteschulen das leisten können? Übrigens sollen die jungen Kicker auch weiterhin mit ganz normalen anderen Jugendlichen zusammen die Schulbank drücken, womit auch das oft gehörte Argument entkräftet wäre, die Jungstars verlören nun wohl auch noch den Rest ihrer ohnehin kaum mehr vorhandenen Bodenhaftung.

Das Thema Kinder und Schule ist immer eine sehr emotionale Sache. Jeder hat immer was zu sagen pro Schule A und contra Schule B. Aber alle bisher bekannten Argumente sprechen doch wirklich nicht dafür, dass sich die Beschulung der VfB-Jungs jetzt verschlechtern würde, ganz im Gegenteil.

Und wer nun meint, der VfB habe der Stadt doch dankbar zu sein für all das Entgegenkommen in Sachen Stadionpacht und diesem und jenem, und da könne er doch nicht einfach zur Privatschule wechseln – nicht vergessen, wie wir alle uns über jede Niederlage aufregen, den in Trümmern liegenden Nachwuchs beklagen und alle ganz arg wollen, dass unser VfB wieder Champions League spielt. Und da ist es eben einfach eine Selbstverständlichkeit, ein absolutes Muss, dass der VfB für seinen Nachwuchs die bestmöglichen Voraussetzungen schafft. Genauso wie andere Vereine das schon seit längerer Zeit handhaben.

Kommen Sie nun aber bitte nicht auf die Idee, dem VfB-Präsidenten in irgendeiner Weise Credits zu geben für die Entscheidung „Kolping statt Cotta“. Denn das Konzept, für das der Verein sich jetzt entschieden hat, das liegt schon seit zwei Jahren vor, ist also alles andere als neu. Musste er nur noch unterschreiben.

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