By the way 243 – wer neuer DFB-Sportdirektor wird. Und wie toll die Jugendarbeit des VfB Stuttgart ist.

Schon arg, dass mein Gag mit dem Autokorso letzte Woche so wenig gefeiert wurde. Also dem Nicht-Korso. Weil der VfB Stuttgart zwar am Saisonende irgendwie aufsteigt, die Stadt Stuttgart aber den Feinstaubalarm ausruft und den Korso einfach verbietet. Dabei war ich sehr beunruhigt im Vorfeld, dass mir den jemand wegschnappt. Oskar Beck, Gunter Barner, whatever. Und dann alle so: Hahaha. Und ich so: Grmpf! Weil den hatte ich ja schon seit der Silvesternacht im Kopf, alles andere nach und nach drum herum gebaut. Und am Ende denken die Leute, der Dietrich und sein ominöser Kumpel hätten tatsächlich auf weiße Nashörner geschossen. Mit Maschinenpistolen. Und den Korso-Gag überlesen sie. Wobei das ja vielleicht gar kein Gag mehr ist dann. Weil was weiß ich denn, was den Leuten in den Ämtern heute alles zuzutrauen ist. Bei manch Einem bzw Einer wäre es nicht schlecht, sich statt des Busens oder des Hinterns das Hirn vergrößern zu lassen. Der als „Olivia Jones“ leidlich bekannte Travestiekünstler Oliver Knöbel hat es laut Medienberichten neulich ganz anders gemacht: der hat sich sechs Zentimeter schrumpfen lassen. Aber jeder soll ja bekanntlich nach seiner Facon selig werden. So wie Max Besuschkow jetzt vielleicht bei Eintracht Frankfurt selig wird, der letzte U-Nationalspieler mit ernsthafter Profiperspektive, den der VfB Stuttgart noch hatte. Der quasi seit der F-Jugend alle Nationalmannschaften durchlaufen hat. Der, wie berichtet wird, sich in seinem mindestens noch ein oder zwei Jahre laufenden Vertrag beim VfB das Recht verbriefen ließ, mit den Profis der ersten Mannschaft zu trainieren. Trainieren, nicht spielen. Der wollte vor allem mit den Profis trainieren, weil besseres Training. Ganz normal. Der seit vielen Jahren beim VfB ist, immer hoch geschätzt, tolles Potential. Der aber, als er von der U19-EM zurückkam, auf Jos Luhukay traf, der ihn nicht wollte und daher nicht mittrainieren ließ, trotz Klausel. Der sich Hoffnungen machte, weil dann Hannes Wolf kam, der doch so gut mit den jungen Spielern etc. Aber auch nix, auch beim Herrn Schindelmeiser nix. Zu langsam, falscher Spielertyp. Da fragt man sich doch, wer den Max seit 2012 durchgehend beim VfB haben wollte. Und warum der jetzt plötzlich zu schlecht sein sollte, um mit den Profis trainieren zu dürfen, geschweige denn mal in der Zweiten Liga zu kicken. Beim VfB Stuttgart ist ein U19-Nationalspieler offenbar nicht förderungswürdig, nicht mal für die Zweite Liga. Und trotz all des leeren Präsidentengelabers über die Jugendförderung. Wir haben dafür ja einen Kevin Großkreutz, von dem sie sagen, er zerreiße sich zwar nicht in jedem Training, dafür aber umso mehr vor jeder Kamera. Und bei der Eintracht sind wahrscheinlich schon die Schenkel blau, so feste klopfen sie sich da alle drauf vor Lachen. Und vor Freude darüber, mal wieder einen Dummen gefunden zu haben, der einen solchen Spieler für schlappe 100.000 Euro abgibt. Selig sind die, die arm im Geiste sind, heißt es doch. Und beim VfB, da gibt’s von denen offensichtlich immer noch mehr als genug. Da gibt’s jetzt ja sogar einen Präsidenten, der im Interview behauptet, die nicht durchgezogene Ausgliederung sei mit Schuld am Abstieg. Natürlich ist Wolfgang Dietrich nicht Donald Trump, und Gunter Barner nicht Kai Diekmann. Trotzdem sollte man bei den Stuttgarter Nachrichten vielleicht in Erwägung ziehen, jetzt noch das Interview mit dem Interviewer folgen zu lassen. Für die ganz ungeschminkten Erkenntnisse.

Der Gemütsverfassung „selig“ noch weit überlegen ist, wer DFB-Sportdirektor ist. Also außer man heißt Horst Hrubesch und muss den Job interimsmäßig machen, weil schon wieder einer gekündigt hat. Warum diesen Job überhaupt jemand kündigt, das ist mir ja schleierhaft. So als Dutt, oder als Flick, was willst Du denn danach machen? Wenn ich so einen tollen Job habe, fürstlich bezahlt werde fürs Fußball schauen und auch noch halbwegs wichtig mitstinken kann – dann kommt danach das sinnentleerte Nichtstun ohne Job Description und Bezahlung. Privatier ohne Ausrede, das geht bei solchen Fußballsüchtigen selten gut.

Wenigstens besteht Hoffnung, dass sie uns jetzt den Hannes Wolf nicht gleich wieder wegnehmen und zum DFB-Sportdirektor machen, weil der Hannes Wolf voll angesagt ist und jung und modern und alle den so toll finden. Und weil er obendrein auch noch beim VfB ist. Ob die BILD Stuttgart Hannes Wolf hingegen toll findet, das ist unklar. Denn wenn man Einen toll findet, dann hätten die das Wolf-Interview doch nicht so schön krawallig mit „Wolf kritisiert Luhukay“, überschrieben, weil die Mannschaft am Ende immer müde wird. Vielleicht finden die den Wolf ja doch auch toll, aber dann sollten sie nicht einfach irgendwelche Überschriften erfinden, die der Wolf gar nicht gesagt hat. Denn der hat den Luhukay überhaupt nicht kritisiert, weder direkt noch indirekt. Ist aber leider normale Härte so, und ist ja auch zumindest insofern egal, als der Wolf nicht neuer DFB-Sportdirektor wird. Der Job geht ganz klar an, wait for it, Domenico Tedesco. Der ist genauso angesagt wie Hannes Wolf, der hat zum Saisonende den U19-Trainerjob bei Hoffenheim gekündigt und war zuvor jahrelang beim VfB Stuttgart tätig. Bessere Credentials für den DFB kann man ja gar nicht haben. Außer Grindel kommt am Ende seiner sicherlich wochenlangen intensiven Überlegungen zum Stellenprofil dieser bereits seit über zehn Jahren existierenden Stelle zu der Erkenntnis, eine Doppelspitze aus dem Job zu machen. Dann kämen natürlich auch Tayfun Korkut und Xaver Zembrod in Frage. Oder führt das jetzt zu weit hier?

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