By the way 239 – von Thomas Tuchel (wahnsinnig?), Timo Werner (Arschloch?) und von Heinz Kamke (großartig!)

Ob Thomas Tuchel wahnsinnig ist? Natürlich ist der wahnsinnig, und zwar nicht zu knapp. Dazu braucht es keinen Fußball-Talk. Wahnsinnige Trainer auch schwerstens in Ordnung, weil ansonsten Langeweile. Hitzfeld und andere Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn wer will schon ausschließlich nur über das Spiel reden?

Häufig sind die Wahnsinnigen auch wahnsinnig erfolgreich. Auch ohne Champions League-Titel. So wie Tuchel in Mainz, so wie jetzt mit Borussia Dortmund. Mit all den neuen Spielern, Liga, international, volle Suppe mit dabei. Trotz der komischen Ernährungsgewohnheiten, die natürlich niemand niemals teilen muss. Genauso wenig wie die Frisur. Aber bitteschön: Thomas Tuchel ist Spektakel, wer den holt, der weiß, worauf er sich einlässt. Hätte der VfB Stuttgart seinerzeit besser auch mal gemacht. Aber die hatten ja Dutt, und der hat lieber Zorniger geholt. Oh mein Gott, nicht schon wieder...

Ob Timo Werner ein Arschloch ist, das ist da schon schwieriger zu sagen. Natürlich war die Schwalbe gegen Schalke eine echte Arschlochaktion, und auch die Erzählungen Bekannter aus Werners Stuttgarter Nachwuchsstationen zeichnen nicht gerade das Bild von einem, den ich mir als Kumpel wünschen würde. Andererseits hat Naldo deutlich sichtbar zugegriffen, bei hoher Geschwindigkeit. Wird in anderen Situationen fast immer abgepfiffen, häufig gibt’s noch Gelb obendrauf. Und fast immer lässt sich der Gegriffene gleich fallen. Und jetzt hat der Werner halt einen kleinen Kopf und deshalb vielleicht auch ein kleineres Gehirn und braucht halt noch einen Schritt mehr bis zur Einsicht, dass Fallenlassen die bessere Option wäre, weil sonst gibt’s dafür ja immer Foul. Im Strafraum gleich Elfmeter. Und vielleicht hat Naldos Griff den Werner ja auch genau die 20cm gekostet, die zur besseren Weiterverarbeitung der Chance fehlten. Von daher also kein Grund zur ganz großen Aufregung, die sicher jenseits von Gelsenkirchen auch weitaus kleiner ausgefallen wäre, trüge Timo Werner ein anderes Trikot. Und würde nicht Rangnick („Sekte Rangnick“) täglich neue Hohlsätze hinterherschieben. Hat denn eigentlich Christian Streich noch gar nix gesagt zum Thema? Dann arbeitet er wohl noch an seinem spontanen Statement. Sollte jetzt im Advent durchaus auch mal sich äußern zu verkaufsoffenen Sonntagen und deren Auswirkung auf die seelische Gesundheit der im Einzelhandel Beschäftigten. Stichwort Resilienz, absolut angesagter Begriff, kommt vor allem im Dialekt besonders gut, Konndraschd, Sie wissen schon. Wahnsinniges Geltungsbedürfnis, der Mann. Und alle finden es super. Und wer jetzt kommt und sagt, Werner in Schutz nehmen, Streich kritisieren, das ist ja wie Bush statt Obama wählen, dem rufe ich zu, er möge doch denken, was er will. Als einer, der im Urlaub schon mal einen verschwitzten Winfried Kretschmann umarmte, steh ich da nämlich völlig drüber, Resilienz, isch klar.

Für mich als Anhänger des VfB sowieso viel ärgerlicher, dass mit Werner schon wieder Einer mit Ansage woanders viel besser spielt als bei uns. Als hätte das System. Sogar Elfmeter darf der schießen. Und reinmachen. Dass Ulreich beim FC Bayern Manuel Neuer noch nicht verdrängt hat, ist wiederum die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Ob hingegen mein VfB-Compadre Heinz Kamke wahnsinnig oder sonstwas ist, diese Frage muss man freilich hier gar nicht stellen. Im wievielten Jahr macht der jetzt den besten Adventskalender wo gibt? Heuer mit Rätseln im reinen Sonnett, Stars und Randsportarten in Reimform, großartig. Geben Sie sich ein klitzekleines Bisschen Mühe, googeln Sie, „Heinz Kamke Adventskalender“, und Sie werden ihn finden. Wann der das alles ausheckt, das kann ich Ihnen allerdings nicht sagen. Da gehört wohl auch ein bisschen Wahnsinn dazu. Oder positive Besessenheit halt, ganz wie Sie mögen.

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