By the way 23 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 23, 26. Februar 2007)

Sich in der vergangenen Woche auf den Sport zu konzentrieren geriet bisweilen zu einem schwierigen Unterfangen – zu groß war die Ablenkung durch andere Ereignisse. Denn die Politik drängelte wieder einmal unhöflich nach vorne mit Ereignissen und Aktionen, die viel zu bizarr sind, um sie einfach so ad acta zu legen. Kurz gesagt: Am politischen Aschermittwoch kommt keiner vorbei.

Politiker mit Narrenkappen auf Prunksitzungen sind schon sehr peinlich, aber was uns die so genannte Volkspartei CSU am letzten Mittwoch in Passau vorführte, das war speziell vor dem Hintergrund der Thematik um Landrätin Gabriele Pauli schon der Gipfel: Neandertaleske Höhlenbewohner, die es geil finden, auf alle anders Denkenden verbal einzuprügeln. Da fehlte nur noch die Pompfe für den finalen Kopfschlag. Und dabei stets persönlich bleiben, keinesfalls Sachargumente verwenden, Erfolge anderer immer als die eigenen Erfolge verkaufen (Biobranche, alternative Energien), ab und zu einen Begriff einstreuen, den Menschen unter 60 überhaupt nicht zu ihrem aktiven Sprachschatz zählen (Kinderstube) und schließlich mit ein paar warmen Komplimenten für die Frau mal eben das Bild von der heilen Familie pinseln. Und für alle gilt: Je größer die Prügel desto größer der Spaß. Das ist Counterstrike auf bayerisch. Ein tolles Gesellschaftsbild wird da abgegeben. Wenn so etwas eine Volkspartei ist, wer will dann eigentlich noch das Volk sein?

Jenseits von Passau weiß man auch nicht mehr so recht, warum die eine Partei nun SPD und die andere CDU heißt. Da fordert die CDU-Ministerin mehr Krippenplätze, die SPD findet das toll, bemängelt aber gleich mal die fehlende Finanzierung, und die Parteifreunde der Ministerin grummeln, weil ihr erzkonservatives Familienbild in Gefahr zu geraten scheint. Schließlich kommt noch der Kirchenmann ins Spiel, der auch dem allerletzten Zauderer zwischen Glauben und Kirchensteuersparen die Entscheidung abnimmt. Und abends dann suchen wir Zerstreuung und schauen Kiefer Sutherland alias Jack Bauer beim Weltretten zu. Doch so drastisch die Bilder in „24“ auch sein mögen – ein kurzes Innehalten genügt um festzustellen, dass die Realität noch viel verkommener und zynischer ist, als es die US-Echtzeitserie je sein kann.

Eigentlich wollten wir ja über Sport schreiben an dieser Stelle, aber viel war beileibe nicht los in der letzten Woche. Die Teilnehmer der Nordischen Ski-WM, Tommy Haas, der ewige Nowitzki, Felix Neureuther etc. mögen es verzeihen, derartig über einen Kamm geschoren zu werden. Der soeben zurückgetretene Jan Ullrich kann erst nach Bekanntwerden weiterer Hintergründe ordentlich gewürdigt werden. Real Madrid gegen den FC Bayern hatte gar nicht das Format für eine Würdigung in epischer Breite, mal davon abgesehen, dass in Halbzeit eins die Königlichen endlich wieder spielten wie früher, und dass der FC Bayern in Halbzeit zwei ebenfalls so auftrat wie sein eigenes Klischee. Daheim in der Fußball-Bundesliga kommt ohnehin alles anders. Mainz ist bestes Team der Rückrunde, auch der HSV kommt langsam in Fahrt, und wer am Ende Meister wird und wer absteigen muss, das ist wildeste Spekulation und wird hier nicht mehr vorhergesagt werden. Damit können sich all die bemitleidenswerten Wettsüchtigen im Lande auseinandersetzen, um deren Wohl der Staat und Oddset sich so große Sorgen machen. An jeder Straßenecke sieht man sie bereits herumlungern, mit ihren verschrammelten Notebooks auf den Knien, körperlich und geistig am Ende. Hätten sie all ihr Geld doch bloß nicht den privaten Wettanbietern mit ihren attraktiven Quoten gegeben sondern dem staatlichen Oddset. Da sind die Quoten zwar weitaus schlechter, aber dadurch kommt das Geld direkt zum Staat. Und der könnte dann besser für sie sorgen – durch Volksvertretern wie denjenigen, die wir letzten Mittwoch in Passau bewundern konnten.

Zurück