By the way 229 – was sich die Mitglieder des VfB Stuttgart mal fragen sollten...

Man will dem neuen VfB-Trainer Hannes Wolf ja von ganzem Herzen viel Erfolg wünschen, mit attraktivem Fußball von Sieg zu Sieg, Aufstieg und einen Re-Start in der Bundesliga wie einst in der Saison 1977/78. Auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser möge sich feiern lassen für seine mutige Trainerwahl, für klare Ansagen und das glückliche Händchen bei den Spielertransfers. So soll es sein und nicht anders.

Was allerdings nicht sein soll ist, dass der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart sich durch sportliche Erfolge in irgendeiner Weise legitimiert fühlt. Dass manches Mitglied jetzt meint, man müsse die Herren doch weitermachen lassen, man dürfe doch nicht schon wieder alle absägen – und außerdem: wenn wir jetzt den Porth vom Hof jagen, dann steigt womöglich auch noch der Daimler als Sponsor aus, und wir sind pleite. Nein, das soll nicht sein, und es ist nur zu hoffen, dass dieses schon wieder in der Luft liegende Droh-Szenario heuer an den Mitgliedern abprallt wie der Nordwind an einer guten Outdoor-Jacke. Denn, liebe Mitglieder, der Daimler ist weit mehr als Wilfried Porth. Die derzeit bestehenden Sponsoring-Vereinbarungen laufen nicht am Ende der Saison aus. Auch am Ende der kommenden Saison laufen sie nicht aus. Vielmehr ist dieses Sponsoring-Engagement in Porths eigenen Worten vom Mai dieses Jahres „langfristig angelegt“.

Man möge sich also nicht blenden lassen von etwaigen Droh-Szenarien. Denn schon einmal ließ man sich blenden, nämlich 2011, als der VfB via Anwalt Schickhardt den Mitgliedern drohte, dass ein Gegenkandidat zum vom Verein nominierten Präsidentschaftskandidaten Mäuser quasi automatisch zum Entzug der Lizenz durch die DFL führte. Die Wirkung dieser Drohung ist bekannt, Gerd Mäuser wurde gewählt, musste wegen völliger Untragbarkeit aber bald schon wieder aus dem Amt entfernt werden. Dann kam Bernd Wahler, verpflichtete Robin Dutt – und heute sind wir Zweite Liga.

Gesteuert wurde der gesamte Blindflug ins Fußball-Unterhaus vom Aufsichtsrat. Unter dem Vorsitzenden Dieter Hundt, dann unter Dr. Joachim Schmidt, und seit der letztjährigen Mitgliederversammlung vom Rumpf-Team Schäfer, Jenner, Porth. Diese drei Herren gehören dem Aufsichtsrat allesamt seit Juli 2014 an. Und wenn sie mal nicht aktiv gesteuert haben, den unsäglichen Dutt machen lassen haben, dann haben sie weggeschaut angesichts des Elends im Verein. Haben machen lassen anstatt zu kontrollieren. Haben den VfB mit Vollgas gegen die Wand gefahren, um 180 Grad gewendet, wieder Vollgas gegeben und gegen die nächste Wand. Haben den als Sportvorstand völlig unerfahrenen Robin Dutt mit allen Vollmachten dilettieren lassen, haben ihn den völlig Bundesliga-unerfahrenen Trainer Zorniger verpflichten lassen, haben ihn dann mit Kramny (dem gescheiterten Drittliga-Trainer) weitermachen lassen, bis zum bitteren Ende. Haben dann beschlossen, voll auf Erfahrung zu setzen. Haben Aufstiegsprofi Luhukay verpflichtet und sich dafür feiern lassen. Haben aber keinen erfahrenen Sportdirektor gefunden. Haben Schindelmeiser verpflichtet, der seit sechs Jahren aus dem Geschäft war (man stelle sich so etwas mal beim Daimler, Kärcher oder Würth vor!), und dessen Ansichten bekanntermaßen denen des gerade geholten Trainers diametral entgegenstehen. Haben zwischendurch einen Präsidentschaftskandidaten nominiert, der so undurchsichtig ist, dass schon wieder die Anwälte seine Unbedenklichkeit herbeitheoretisieren müssen und dessen „Freigabe“ durch die DFL mehr als zweifelhaft ist. Haben den erfahrenen Luhukay nach 4 (in Worten: vier) Spielen quasi öffentlich abgeschossen, das schon schrottreife Fahrzeug wieder um 180 Grad gewendet und mittels Jan Schindelmeiser den völlig Bundesliga-unerfahrenen Hannes Wolf als Trainer verpflichtet, dem, wie gesagt, alles nur erdenklich Gute zu wünschen noch das Mindeste ist.

Da sollten sich alle Mitglieder doch mal ernsthaft fragen, welche Strategie unser Aufsichtsrat verfolgt. Ob es nicht besser ist, gar keinen Aufsichtsrat zu haben als einen solchen. Ob es nicht besser ist, diesen Aufsichtsrat mit allen Mitteln loszuwerden und Platz zu machen für einen Neuanfang. Das sollten sich die Mitglieder mal fragen. Und zu guter Letzt könnten sie sich auch fragen, ob das denn wirklich alles nur Verschwörungstheorien sind, die hier in diesem Blog Woche für Woche zum Thema VfB Stuttgart geäußert werden. Oder ob hinter all den manchmal geradezu abenteuerlich klingenden Anwürfen nicht doch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt. Denn wenn das alles nur sinnfreies Geschwurbel eines persönlichkeitsgespaltenen Web-Borderliners wäre, dann hätte die durchaus angesehene Jury der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur diesen Blog doch sicher niemals als möglichen Gewinner des mit 5.000 Euro dotierten Wettbewerbs um den besten deutschen Fußball-Blog des Jahres nominiert. Und gleich dreimal nicht auch noch auf die Shortlist gesetzt. Das hat sie nämlich, diese 12-köpfige Jury. Juchu!

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