By the way 224 – immer noch die selben Baustellen, aber drei Punkte im Sack. Und jetzt?

Drei Punkte. Im ersten Saisonspiel. Überragende Stimmung im ausverkauften Stadion. Alle in Weiß. Und eine erste Halbzeit, in der der VfB Stuttgart vom FC St. Pauli hergespielt wurde, dass man sich die Augen rieb. Beziehungsweise nicht rieb, weil es ging ja quasi genauso weiter wie in der vergangenen Saison. Mit einer Innenverteidigung, die weder erstligareif noch zweitligareif ist. Mit nicht vorhandenem Spielaufbau. Mit einer Truppe von himmelschreiender Hilflosigkeit. Dass der zweite Treffer für die Gäste nicht fiel, sondern vom Innenpfosten gemächlich über die gesamte Torlinie wanderte ohne reinzugehen, das war nichts weniger als ein Wunder. Und da es Wunder ja angeblich immer wieder gibt, fiel der VfB irgendwie nicht komplett auseinander, rettete sich in die Pause und gewann am Ende das Spiel. Wegen Maxim. Und weil St. Pauli körperlich abbaute. Nicht mehr jeden Kopfball gewann. Und nun sind wir da, wo wir schon häufiger waren. „Gebt der Truppe doch Zeit!“, „War doch klar, dass das kein Selbstläufer wird!“, „Drei Punkte, isch doch alles gut!“, „Unsere Fans sind Champions League!“ So heißt es jetzt mal wieder. Fraglich jedoch, ob unsere Fans den Laden nicht auseinandergenommen hätten, wenn es mit 0:2 in die Pause gegangen wäre.

Wenn unsere Nummer Zehn verletzt ist oder beleidigt oder über alle Berge, dann gibt es kein Spiel. Nur Krampf. Wenn Sunjic weiter spielt (Kaminski?), dann trifft jeder Gegner gegen den VfB. Und wir hoffen auf Großkreutz, Baumgartl und Werner. Erstere bis auf weiteres nicht einsatzfähig, und zweifelhaft ohnehin, ob sie das Team verstärken können. Der Kader also mit wenigen Ausnahmen nicht bereit für die Mission Wiederaufstieg. Die selben Baustellen wie im letzten Jahr. Trotz Rekordetat.

Aber was will man erwarten von einem Club, dessen Aufsichtsrat noch Mitte April von der Kompetenz eines Robin Dutt überzeugt war, trotz gleichzeitiger großer Zweifel an der Kompetenz des damaligen Trainers. Schließlich hatte man den Dutt ja selbst installiert, das schallende Gelächter der Branche geflissentlich ignorierend beziehungsweise aufgrund mangelnder Vernetzung gar nicht zu Ohren bekommend. Was soll man erwarten von einer Rumpf-Vereinsführung, die zwar eine „große Lösung“ als neuen Sportchef ankündigt, dann aber auf den allerletzten Drücker Jan Schindelmeiser präsentiert, der schon allein aufgrund seiner späten Verpflichtung kaum Chancen auf gute Transfers hat. Die eine Ausgliederung durchsetzen will und dafür die mehrheitliche Unterstützung der Mitglieder braucht. Die aber offenbar, um diese mehrheitliche Unterstützung zu bekommen, einen Polarisierer vor dem Herrn wie Wolfgang Dietrich als Präsident installieren will, dessen Eignung für das Amt aufgrund beruflicher Verflechtungen laut Satzung höchst fraglich ist und der, wie zu hören ist, auch in vereinsnahen Gremien nicht gerade begeistert erwartet wird.

Die Tatsache, dass sich bislang zwar Herr Dietrich mehrmals ausgiebig in den Stuttgarter Medien zur Sache äußerte, vom Verein selbst aber noch nullkommanichts zu vernehmen war, lässt befürchten, dass möglicherweise Herr Aufsichtsrat Schäfer gar nicht so genau weiß, was Aufsichtsrat Porth so treibt. Und dass Vorstand Heim einen feuchten Kehricht darauf gibt, was Aufsichtsrat Jenner so denkt. Und dass alle zusammen zwar irgendwie Herrn Dietrich als Präsidenten hinnehmen würden angesichts der Tatsache, dass sie niemanden anderen finden – dass aber wenigstens das Amt ehrenamtlich zu bekleiden sei, ohne echte Kompetenzen. Weil ein Dietrich mit Kompetenzen, der ginge den Herren der Vereinsführung ja womöglich noch richtig an die Eier, um es hier mal in der bisweilen durchaus etwas raueren Fußballersprache zu formulieren. Der könnte übrigens, auch ehrenamtlich, qua Vorschlagsrecht die Zusammensetzung des Ehrenrates und somit auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrats maßgeblich beeinflussen. Wie aus Vereinskreisen zu hören ist, geht Dietrich ja schon seit geraumer Zeit aus und ein in der Geschäftsstelle, stellt Fragen, führt Gespräche, und keiner weiß, was er sagen darf oder nicht sagen soll, und mit welcher Berechtigung Herr Dietrich hier Präsenz zeigt. Da passt es doch ins verdächtig unscharfe Bild, dass er zum Saisonauftakt zwar im Stadion war, aber weit ab saß von den Plätzen der Vereinsführung, die ihn doch angeblich als neuen Präsidenten will, von wegen Reihen fest geschlossen...

Es ist sehr traurig, dass es immer noch Leute gibt, die sich für einen Verbleib der Herren Schäfer, Jenner und Porth im VfB-Aufsichtsrat aussprechen. Sonst wäre ja gar keiner mehr da, sagen die dann. Man könne doch nicht schon wieder Köpfe rollen lassen uswusf.

Doch, kann man. Muss man sogar. Denn diese Herren verhindern weiterhin konsequent den konsequenten Neuanfang. Möglicherweise meinen sie auch nach dem Abstieg noch, es besser zu wissen. Spekulieren darauf, dass ein paar Zweitligapunkte reichen, um die strukturellen und personellen Defizite weit in den Hintergrund treten zu lassen. Möglicherweise kleben sie auch einfach nur an ihren Sesseln, schließlich gibt’s da Rampenlicht. Wie auch immer, man wird sich bestmöglich munitionieren müssen für die Mitgliederversammlung am 9. Oktober. Man wird hören müssen, was sie denn eigentlich beim Daimler wirklich so denken angesichts des größten anzunehmenden Schlamassels beim laut Vertrag bis mindestens 2019 besponserten Verein. Und man wird Sorge tragen müssen, dass alle nötigen Formalitäten sauber erledigt werden im Vorfeld. Und wenn man das alles erledigt hat, dann kann man sich in den Urlaub verabschieden. Bis zum 31. August. Dann geht’s hier wieder weiter...

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