By the way 222 – Wolfgang Dietrich: Super-Super Präsident, oder einer der Typen, von denen der VfB schon viel zu Viele hat?

Ob die Personalie des ehemaligen Stuttgart 21-Sprechers Wolfgang Dietrich im Rahmen der Spekulationen um das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart letzte Woche durchsickerte, um den Namen zu diskreditieren, oder ob es sich einfach um eine unabsichtliche Indiskretion handelte, darüber kann zum jetzigen Zeitpunkt nur gemutmaßt werden. Der Verein selbst hat sich dazu noch nicht konkret geäußert, und auch auf Nachfrage wurde lediglich auf die Aussagen des Aufsichtsrats Porth bei der Vorstellungs-PK des neuen Sportvorstandes Jan Schindelmeiser verwiesen. In dieser unserer heutigen Welt wird man aber davon ausgehen müssen, dass nichts einfach so geschieht, sondern dass immer ganz konkrete Absichten dahinterstecken.

Wie von den Stuttgarter Nachrichten geschrieben, habe sich Wolfgang Dietrich seit 1995 dem Sportmarketing gewidmet und TV-Rechte aus der Insolvenz-Masse des insolventen Kirch-Imperiums gekauft, unter anderem beim VfB Stuttgart. Der Vertrag mit dem VfB sei 2007 ausgelaufen. Dietrich habe zunächst die Ventric AG, später die Quattrex AG gegründet, die sich als Investor auch bei den Stuttgarter Kickers sowie verschiedenen Zweitligaclubs engagierte. Die Vereine bekämen von Quattrex Geld für Teile ihrer Fernsehrechte, die ordentlich verzinst zurückgezahlt würden. Der Investor profitiere vor allem dann, wenn der Verein aufsteigt und die TV-Rechte im Wert zulegen.

Aktuell ist Dietrich laut Firmenwebseite Aufsichtsratsvorsitzender der Quattrex AG, sein Sohn Christoph fungiert als Aufsichtsrat. Somit kann man wohl davon ausgehen, dass Wolfgang Dietrich nach wie vor mit anderen Vereinen in Geschäftsbeziehung steht. Und nach §12, 7 der Satzung des VfB Stuttgart wäre eine Kandidatur für das Präsidentenamt damit ein No Go.

Angenommen es ist was dran am Gerücht um die Kandidatur, Dietrich wird vom Verein nominiert und legt dann alle Ämter bei Quattrex und Co nieder. Wäre das nicht ein Super-Super-Kandidat? Vernetzt mit Politik und Großunternehmen der Region, Freund von Uli Hoeness, mit allen Wassern gewaschen? Oder wäre Wolfgang Dietrich nicht einfach ein weiterer Mann vom Kaliber Schäfer, Jenner, Porth, qua Vetterles ausgestattet mit einem prominenten Posten im Verein, Rampenlicht garantiert, fütter mein Ego, und obendrein natürlich trotz formaljuristisch weißer Weste weiterhin Strippenzieher im Investmentpoker bei anderen Clubs im Bundesliga-Unterhaus?

Soll sich doch jeder seine eigene Meinung bilden. Schon jetzt darf man aber gespannt sein, wie der VfB das mit der Präsidentenwahl auf der Mitgliederversammlung am 9. Oktober handhaben wird. Gibt es nur einen Kandidaten? Kann man dann mit JA oder mit NEIN stimmen? Oder gibt es zwei Kandidaten, und man kann nur den Einen oder den Anderen wählen, nicht aber Beide ablehnen? Die Tür zu meinem Vertrauensspeicher wird Wolfgang Dietrich sicherlich nicht öffnen können – genauso wenig wie jeder andere vom Verein vorgeschlagene Kandidat.

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