By the way 220 –weniger Bewegungsspiele, mehr Experimente: Der VfE Stuttgart hat einen neuen Sportvorstand...

Bei der Bild-Zeitung in Berlin klopfen sie sich heute noch auf die Schenkel, obwohl das mittlerweile fast 20 Jahre her ist. „Eine unserer besten Überschriften“ sagen sie zu der großen Headline über einen Artikel, der vom Wirken des Jan Schindelmeiser bei Tennis Borussia Berlin handelte. „Schwindel-Meister“ stand da ganz ekelhaft in großen Worten. Allerdings ist das Ganze wie gesagt 20 Jahre her, und der Partner von Schindelmeisers TeBe Berlin war damals die Göttinger Gruppe – die Älteren unter uns wissen mehr. Alles halt nicht ganz so seriös.

Aber natürlich hat auch Jan Schindelmeiser eine Chance beim VfB Stuttgart verdient. So wie alle anderen vor ihm (Dutt, Kramny, Zorniger, Allgöwer, Hitzlsperger, Kaderplaner, Scouts, Berater) auch. VfE Stuttgart – Verein für Experimente. Man wundert sich, dass jetzt gleich wieder einer drei Jahre lang vertraglich abgesichert wird, der zuvor doppelt so lange (sechs Jahre) nicht erkennbar im Fußballgeschäft tätig war. Manche Fehler macht man beim VfB gerne ein siebtes oder achtes Mal, obwohl alle Genannten sicher auch kurzfristiger unterschrieben hätten. Wenn wir ganz leise sind, hören wir das Lachen von Robin Dutt, der in seiner Villa im Allgäu sitzt und sich wahrscheinlich noch drei Jahre über die monatlichen Überweisungen des VfB freut. Das Streichen der Essensmarken für die Mitarbeiter, das ja letzten Endes vor allem durch die Unfähigkeit von Dutt und seiner Mannschaft hervorgerufen wurde, wird nicht ganz zur Kompensation reichen. 1,50 Euro pro Tag für die Mitarbeiter gestrichen – im Gegenzug Zigtausende pro Monat ohne jegliche Gegenleistung für die Chefetage bezahlen: Das schafft CI.

Wer die Verträge für Dutt, Allgöwer, Zorniger usw. seitens des VfB unterschrieben hat, wird gerne verschwiegen. Schindelmeiser jedenfalls sei Unternehmensberater gewesen, teilt der VfB (wie immer) blumig mit, und es würde dann doch interessieren, wen er wann wie beraten hat. Hartnäckig halten sich in der Branche die Gerüchte, er sei bei Holstein Kiel (3. Liga) und sogar bei mehreren Viertligisten als Sportlicher Leiter im Gespräch gewesen – am Ende aber doch nicht genommen worden. Getreu dem schwäbischen Sprichwort: Keiner wollte ihn – aber der VfB hat ihn schnell gekriegt.  

Aber mal ganz ehrlich: Wundert es noch Einen? Die Aufsichtsräte Jenner, Porth und Schäfer haben vom Fußball so viel Ahnung wie ein Fußball-Experte vom Schrauben-Verkauf, Reinigungsgeräte-Verkauf oder der Personalführung beim Daimler. Die Herren Röttgermann, Heim und Schraft im Gespräch mit Watzke, Rummenigge, Bierhoff wegen Insidertipps? Um Gottes Willen, man mag es sich gar nicht vorstellen. Da würde es einen nicht mehr verwundern, wenn man nach Dutt oder Zorniger auf den nächsten Blender hereingefallen wäre. Wenn einer beim VfB vordringt zur Chefetage (das schafft er ja nur mit einem Vetterle), dann mit einer schönen Präsentation, bunten Bildchen, ein paar Management-Theorien ankommt und zu guter Letzt noch sagt, er hätte das Angebot eines anderen Bundesligisten, der VfB müsse sich schnell entscheiden– schwupps hat er einen Drei-oder Vier-Jahres-Vertrag. Völlig ungeachtet, ob am Ende ein Präsident kommt, der gar nicht diesen Sportdirektor will. Nehmen wir jetzt mal an, Matthias Sammer will zurück nach Stuttgart, um wieder hier zu leben, in der Heimat seiner Frau. Und beim VfB kommt man auf die Idee, ihn zum Präsident zu machen (es gab schon schlechtere Ideen, die in diesem Verein umgesetzt wurden). Und dann sagt er: Eigentlich ne gute Idee. Aber: Auf keinen Fall mit dem Schindelmeiser. Ich als Präsident habe den Schwerpunkt auf dem Sport, habe dann dort noch Hitzlsperger und den Trainer - das reicht komplett. Was machen wir dann?   Gibt es halt wieder eine Abfindung. Allerdings: Die Essensmärkchen kann man nicht mehr streichen...

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