By the way 22 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 22, 19. Februar 2007)

Über den Schalker Wieder-Nationalspieler Kevin Kuranyi hat so manch ein Fußballfan ein Witzchen oder einen Schmähgesang drauf. Schon aus dem Kindergarten berichten die Kleinen vom neuesten Lied über Kevin, sein Bärtchen und Nutella. Wobei man eigentlich nicht behaupten kann, Kuranyi habe sich die Schmähungen aufgrund dauerhaft miserabler Leistungen verdient. Schon in seiner Zeit beim VfB Stuttgart holte er sich viele Bälle selbst aus dem hinteren Mittelfeld, spielte mannschaftsdienlich und gab alles für sein Team. Wer im Stadion saß, der konnte auf Anhieb erkennen, dass dieser Spieler besser war als die meisten anderen Bundesligaprofis. Ballbehandlung, wie er sich bewegte, das sah zwar wegen seiner Größe und Dürre manchmal ein wenig ungelenk aus – es war aber auffallend besser als das, was die Anderen zeigten. Und trotzdem fiel der Kevin irgendwann in Ungnade, wurde noch zu VfB-Zeiten zum Prügelknaben, man beschimpfte ihn von allen Seiten. Ob man ihn in Fankreisen damals schon Averell nannte, das ist nicht bewiesen. Aber jedem Lucky Luke-Leser wird es sofort wie Schuppen von den Augen fallen: Die Ähnlichkeit zwischen Kevin Kuranyi und Averell Dalton ist geradezu frappierend, und beschimpft wird er auch dauernd. Ein Super-Spitzname.

Überhaupt der VfB Stuttgart: derzeit wieder mal ein Erfolgsmodell. Junge Spieler, offensiv, schießen ähnlich wie der SV Werder in der Hinrunde mindestens vier Tore pro Spiel, Verein für Begeisterung sagt man mittlerweile. Von einem Phänomen jedoch, dass die gesamte Bundesliga betrifft, ist auch dieser Verein für Begeisterung nicht verschont geblieben: Das Phänomen der eingewachsenen Zehennägel bei Fußballprofis. Der schwedische Jungnationalspieler Alexander Farnerud spielt wegen eines solchen eingewachsenen Zehennagels schon seit Wochen und Monaten nicht, und bundesligaweit gibt es sicherlich nicht viele Verletzungen bzw. einsatzverhindernde Gründe, die häufiger auftreten als das unsympathische Fußnagelmalheur. Aus gut unterrichteten Quellen ist diesbezüglich zu erfahren, dass mindestens 50% aller Profis sich mit diesem Problem herumschlagen. Dabei tragen sie keine vorne superschmal zulaufenden Pumps, sie duschen mindestens ein- bis zweimal pro Tag – es ist wirklich seltsam. Können sie sich die Nägel nicht schneiden, oder wollen sie sich die Nägel gar nicht schneiden und lassen sich Krallen wachsen? Was aber sagt eine Spielerfrau, wenn ihr Supermann Krallen zeigt? Haben sie alle Fußpilz und befördern damit die Entzündungsanfälligkeit der Nagelbetten? Ein ungewöhnliches Problem, attraktiv wahrscheinlich nur für Fuß-Fetischisten. Als Vereinschef würde man sich allerdings nicht damit arrangieren wollen, dass ständig irgendwelche Spieler wegen eingewachsener Zehennägel ausfallen. Also, liebe Fußpflegerinnen und Fußpfleger, bewerbt euch bei den Proficlubs, werdet initiativ, sobald ihr den Karneval verdaut habt. Man braucht euch in der Fußball-Bundesliga. Patienten bzw. Abnehmer für eure Dienstleistung findet ihr in jedem Club. Helft ihnen beim Nägelschneiden, denn selbst sind sie dazu offensichtlich nicht in der Lage.

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