By the way 215 – dem Bundestrainer vertraue ich, aber den Bossen des VfB nicht für fünf Pfennig...

Schon gehört? Die sportliche Leitung des VfB Stuttgart will sich zum Abendessen treffen, aber sie findet keine Lokalität. Denn die Porsche-Arena ist schon ausgebucht an diesem Abend.

Man mag dieses für übertrieben oder einen Sparwitz halten. Aber ob ein großer Bus der Mercedes-Benz AG reicht, um alle zum Essen zu bringen, ist in der Tat zweifelhaft. Während die anderen Mitarbeiter des VfB um ihre berufliche Zukunft bangen, wird der sportliche Wasserkopf immer größer.

Jetzt also auch noch Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle. Hitzlsperger genießt bei den Fans des VfB Stuttgart immerhin hohes Ansehen. Er gilt als sportkompetent, gut vernetzt, eloquent und kritisch. Und er war Meister 2007. Genau das, was wir brauchen also. Wenn man nur wüsste, was der Hitz denn eigentlich genau machen soll. Und was seine Referenzen sind. Nicht jeder, der eine schöne Frisur hat, kann auch Haare schneiden. Nicht jeder, der gut kicken kann, weiß auch, wie das Business funktioniert. Soll Hitz in die Mannschaft hineinspüren wie ein Sammer in München? Das kann er jetzt erst mal noch nicht so richtig, denn zunächst muss er für den Bayerischen Rundfunk, seinen anderen Arbeitgeber, zur EM. Danach wird er nach eigenen Aussagen in München wohnhaft bleiben und also quasi gelegentlich das kompetente Auge auf die Mannschaft richten – wenn es bis dahin denn eine Mannschaft gibt. Wer entscheidet überhaupt, wenn Hitz ein Talent entdeckt hat? Jenner? Schäfer? Cast? Kienle? Der noch zu findende Sportdirektor? Der noch zu wählende Präsident? Der Jugendtrainer? Oder Karl Allgöwer? Oder vielleicht Guido Buchwald, der mit aller Macht Sportvorstand werden will? Oder einer der von Robin Dutt eingestellten drei Kaderplaner, die angeblich ohne Probezeit arbeiten? Oder ist vielleicht Hitz der neue Karle, der angeblich nicht mehr ist als ein Alibi? Opium fürs Volk...

In Sachen Sportdirektor ist die Lage also ebenfalls weiterhin unklar, und man hört so rein gar nix. Nun sagen manche, das sei professionell, Eile mit Weile und so. Ich denke aber eher, dass sie beim VfB gar keinen Kandidaten haben, und dass es halt einfach noch dauert, bis sie auch für diese Position einen Anfänger finden. Denn Anfänger stellen gerne Anfänger ein, und am Ende werden sie tatsächlich noch einen zweiten Bus brauchen, um neben der Mannschaft auch die Manager, Leiter und sportlichen Koordinatoren durch die Gegend zu kutschieren. Furchtlos und treu. Und in der Zwischenzeit staucht nicht mehr nur Aufsichtsrat Jenner die Kritiker zusammen, sondern auch Aufsichtsrat Porth ist sich mittlerweile nicht mehr zu schade, den Hörer selbst in die Hand zu nehmen. Wenn das mal nicht einer aufgenommen hat...

Zweite Liga ist kein Zuckerschlecken. Jeder wird den VfB besonders gerne schlagen wollen. Da steigt schon jetzt die Freude, die Motivation, es dem VfB zeigen zu wollen. Zum Beispiel in Sandhausen, wo sie ungefähr so viele Mitglieder haben wie der VfB Mitarbeiter.

Dieses beinharte Projekt sollte auch von oben vorgelebt werden – aber beim VfB kümmert man sich lieber darum, ein wirres Postenparadies zu schaffen. Ganz so, als sehe man nicht die vielen Clubs, die ebenfalls irgendwann mal abgestiegen und nie wieder aufgestiegen sind. Im Zusammenhang mit dem Vorleben ein Hinweis an die Presseabteilung: Die kolportierte Anwesenheit von Trainer Luhukay und Aufsichtsrat Schäfer beím U17-Südgipfel gegen die Bayern könnte man durchaus auch mit ein paar Bildern promoten. Von Marc Kienle oder Thomas Hitzlsperger wurde keine Anwesenheit kolportiert, das ist schade.

Aber jetzt ist ja erst mal EM. Wir treten als Weltmeister an, und wie immer heißt es, wir sind eigentlich zu schlecht, aber eben Turniermannschaft. Probleme natürlich, ebenfalls wie immer, zuhauf: Gomez gut genug? Schweinsteiger fit genug? Kein Lahm, überhaupt Außenverteidigung, Innenverteidigung, der arme Toni Rüdiger etc.. Auch Hummels ziemliches Problem. Abwehr spielt sich mit Boateng und Höwedes zentral durch die Gruppenphase, ist dann halbwegs eingespielt, und im Achtelfinale sieht Hummels alt aus gegen die Italiener. Oder so. Überhaupt die Italiener: Keiner kennt sie, aber sie haben einen guten Trainer, mit denen ist zu rechnen, grade weil keiner mit ihnen rechnet. Immerhin, einen guten Trainer haben wir auch. Einen Trainer, von dem ihm sehr nahe stehende, weit gereiste, schlaue Leute sagen, der Jogi sei der Coolste, den sie kennen. Und jetzt sagt unser Trainer, er werde Özil zentral das Spiel machen lassen. Soll er ruhig, denn dann kann Querpass-Toni in aller Ruhe seine Passquote auf schier unglaubliche 138 Prozent hochschrauben. Wobei sich ja bei diesem Turnier zeigen wird, ob wir Kroos zurecht den Querpass-Toni nennen.

Prognose: Wenn das spielerische Niveau in Frankreich ähnlich niedrig ist wie 2014 in Brasilien, dann sind wir Favorit. Und in allen anderen Fällen und überhaupt sollten wir einfach dem Bundestrainer vertrauen. Ganz im Gegensatz zu den Chefs beim VfB Stuttgart. Denen trau ich nicht für fünf Pfennig.

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