By the way 2 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 2, 21. August 2006)

Fußballprofis werden für gemeinhin nicht zu den Allerintelligentesten unter den Sportlern gezählt. Ob das nun stimmt oder nicht, das sei einmal dahingestellt. Oft genug arbeiteten die Herren Spieler weltweit aber daran, gerade dieses für sie doch eher unvorteilhafte Klischee zu bestätigen. Deutlich äußerte sich das zum Beispiel in der Tatsache, dass alle Spieler in allen Ländern jeden Satz mit einem „Ja gut, ich sach mal…“ begannen. Und dann die Frauen an ihrer Seite, die Spielerfrauen. Vom Feinsten. Als Karriereziel nach dem Ende der aktiven Laufbahn war die Übernahme einer Toto-Lotto-Annahmestelle das Höchste der Gefühle, wobei dagegen nicht das Geringste einzuwenden ist. Ausnahmen bestätigten die Regel, und insgesamt ließ sich sagen: Fußballer sind echt doof. Wenn Einer mal absolut super spielen konnte, obwohl er ganz besonders doof war, dann nannte man das „Spielintelligenz“ oder „Instinktfußballer“. Maradona müsste hier wohl an erster Stelle genannt werden.

Heutzutage beschäftigen wir alle uns täglich mit dem Thema Doping im Leistungssport, ganze Sportarten gelten als verseucht, täglich neue Details, Tagebücher, überführte Athleten, der absolute Doping-Overkill – doch die beliebteste aller Sportarten bleibt völlig außen vor. Keiner redet von den Fußballern. Dabei sollten die doch, doof, wie sie sind, am allerleichtesten zu erwischen sein. Aber nichts, rein gar nichts ist denen nachzuweisen. Ok, einer kifft mal, gekokst wird wohl auch hier und da, aber Epo und Konsorten? Fehlanzeige. Möglicherweise muss das Klischee vom doofen Fußballer schleunigst und in aller Form abgeschafft werden.

Ganz anders die Leichtathleten. Die grazilen Bewegungs- und Geschwindigkeitswunder mit ihren wunderbaren Körpern – die sahen gut aus, trugen fast keine Schnauzbärte und galten immer als eher intelligente Sportler (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Allerdings wurden diese intelligenten Sportler schon seit vielen Jahren der Einnahme aller möglichen verbotenen Substanzen überführt. Ständig wurden welche erwischt, gesperrt, Rekorde aberkannt, und die Ausreden waren so abenteuerlich, dass wohl selbst die Fußballer noch drüber gelacht hätten. Überstürzte Abreise per Flieger aus persönlichen Gründen, heimlich in die Zahnpasta gemixte Hormone, Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen und was nicht noch alles. Da liegt der Schluss nahe, dass Leichtathleten völlig zu Unrecht den Ruf haben, intelligent zu sein. Möglicherweise sind die noch viel doofer als die Fußballer.

Dann gibt es da noch Sportarten, deren Aktive von jeher für doof gehalten und tatsächlich auch ständig erwischt werden. Die Radprofis zum Beispiel. Wobei das bei denen nicht so einfach ist mit dem Doping. Da konnte ja Einer siebenmal die Tour de France gewinnen, obwohl allein aus dem Jahr 1999 sechs tief gefrorene Urinproben mit positivem Epo-Befund vorlagen. Klar, dass die Anderen, doof, wie sie sind, dann sagen: Das mach ich auch.

Es soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden, die Klischee-Wahrhaftigkeits-Überprüfung auch bei Schwimmern, Eisschnellläufern, Ruderern und weiteren Sportarten durchzuführen. Das Ergebnis einer solchen Überprüfung steht ohnehin fest: Doofe gibt es in jeder Sportart, Intelligente auch, und wer Weltspitze sein will in seinem Sport, der kann auf chemische Hilfsmittel eigentlich nicht mehr verzichten. Muskelaufbau-Substanzen wie IGF-1, Wachstumshormone etc. sind von den derzeitigen Kontrollmechanismen nicht zu entdecken, und selbst das gute alte Epo lässt sich hochwirksam in so geringen Mengen dosieren, dass kein Test positiv ist. Da muss man eben sein Dopingtagebuch abschließen und verstecken, und man muss die richtigen Sachen nehmen in der richtigen Dosis. Dann wird man auch nicht erwischt. Nur die Doofen werden erwischt. Von Denen gibt es eben in manchen Sportarten mehr und in andern Sportarten weniger. Wie nun aber die Fußballer es hinbekommen, überhaupt nicht erwischt zu werden, darüber müssen wir ein Andermal reden…

CP, 21. August 2006

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