By the way 192 - fünf vor Zwölf beim VfB, totaler Neuanfang führt zu völliger Vernichtung. Verrückt, wer da eingreifen wollte...

Manche mögen mich nicht. Das ist legitim, schließlich mag ich ja auch nicht alle. Zum Beispiel Robin Dutt und Bernd Wahler, die beiden Rookies an der Front beim VfB Stuttgart. Und den strippenziehenden Anwalt Schickhardt, den mag ich auch nicht. Allerdings nicht etwa, weil mir einer der Herren die Frau ausgespannt hätte (wie mancherorts spekuliert). Ich kenn die Drei ja persönlich gar nicht, und vielleicht sind die sogar ganz nett, so rein privat. Zumindest theoretisch ist dies durchaus möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Ich mag nicht, was diese Herren beim VfB Stuttgart machen. Soweit man im Falle Wahler überhaupt von „Machen“ sprechen kann. Denn außer ab und zu leere Worthülsen abzusondern macht der für seine 500.000 Euro im Jahr ja bekanntlich gar nix. Ok, manche erzählen, er ginge täglich gegen halb Elf in die VfB-Rehawelt zur Massage, zum immer locker bleiben. Und dann kurz Hallo sagen auf der Geschäftsstelle, vor dem Lunch. Und nach dem Lunch wieder heim. Warum auch nicht, Präsi bleibt im Hintergrund, der Sportchef hat die Lage ja im Griff. NICHT!

Denn zwar sondert auch Sportvorstand Robin Dutt bevorzugt elaborierte Worthülsen ab – er macht das sogar so gut, dass es ihm mithilfe seines Anwalts Schickhardt immer wieder gelingt, einen gar nicht schlecht dotierten Job zu ergattern – aber darüber hinaus versucht er auch noch, sich praktisch einzubringen. Dutt stellt den Kader zusammen, Dutt sitzt auf der Bank, Dutt steht in der Kabine, wenn der Trainer zum Team spricht, Dutt scoutet Spieler, Dutt ist der Trainerfindungsbeauftragte. Die Auswirkungen dieses Dutt’schen sich Einbringens sind verheerend: Er hat den einzigen guten Verteidiger vergrault und keinen Ersatz beschafft. Er hat den Kader im Vergleich zur letzten Saison (Sie erinnern sich?) nicht verstärkt sondern weiter geschwächt. Hier mal ein paar seiner Neuverpflichtungen, und wie er sie angekündigt hat: Heise – „der beste Verteidiger der zweiten Liga“, Rupp – „ein solider Bundesligaspieler“, Sunjic - der „Königstransfer, international erfahren“, Kruse – „will es beim VfB allen zeigen“, Kliment - das „größte Sturmtalent der U21-EM“, Tyton – „der Mann, der Messi zur Verzweiflung brachte“, Langerak – „Real wollte ihn - wir haben ihn bekommen“. Insua will ich mal außen vor lassen, auch wenn er wohl der einzige linke Verteidiger der Welt ist, der den gegnerischen Torwart anläuft, wenn der einen Abschlag macht. Und jeder Torwart macht dann seinen Abschlag auf die Rechtsaußenposition.

Dutt hat einen Trainer verpflichtet, der auch die letzten Mauern konsequent einriss und alles in Trümmer legte. Er hat vom totalen Neustart geredet und die völlige Vernichtung herbeigeführt. Und trotzdem glauben ihm immer noch viele Leute. Das ist ein Skandal! Und es soll mir niemand sagen, das habe man nicht vorhersehen können. Dass man das sehr wohl vorhersehen konnte, das ist im Archiv dieser Seite durchaus nachzulesen. Jetzt hat der VfB zehn Punkte nach 14 Spieltagen, kriegt pro Spiel mittlerweile vier Tore und verrichtet im besten Falle Dienst nach Vorschrift. Womit wir bei der Mannschaft wären. Manche aus dieser Mannschaft sind komplett verunsichert und demotiviert worden in den letzten Monaten. Schon vorher waren sie keine Topfußballer, aber jetzt sind sie hilflose Hosenscheißer auf dem Platz. Manche haben durchaus das Zeug, auch in besseren Clubs zu spielen. Was sie bei allernächster Gelegenheit auch tun werden. Längst entschieden. Bis dahin nicht verletzen und vielleicht sogar die Ablöse noch ein wenig drücken mit schlechten Leistungen. Dafür dann mehr Handgeld. Kein Blumentopf zu gewinnen mit denen. Dann sind da noch zwei oder drei, die wollen was zeigen. Ob für den eigenen Club oder für den potentiell nächsten Club sei dahin gestellt. Aber: Verantwortlich für eine solche Mannschaft mit einer solchen Einstellung ist fast immer die Führung. Die den Kader zusammenstellt, der höchstens fürs mittlere Mittelfeld gut genug ist. Die den Trainer engagiert, der den Spielern das Selbstbewusstsein und den Spaß am Training und Spiel konsequent austreibt, und der seinen zum Glück mittlerweile ebenfalls gefeuerten Torwarttrainer für alle hörbar auf dem Trainingsplatz anbrüllt, was er ihm da für einen „Scheiß-Torwart“ angeschleppt habe. Die alle paar Monate aus der Luft heraus eine komplett neue Philosophie verkündet. Die auch das einstmals angesehene Nachwuchssystem des VfB verkommen lässt. Die nach wie vor kein professionelles Scouting installiert hat – man kennt halt auch keinen, der so etwas könnte. Und wenn doch, so will man den nicht, weil der es ja deutlich besser weiß als man selbst. Aber auf der Mitgliederversammlung davon reden, dass fünf kompetente Leute über die Verpflichtung eines jeden Spielers einverstanden sein müssen – und die Leute klatschen. Wenn die wüssten, wer bei den Scouting-Treffen regelmäßig durch Abwesenheit glänzt...

Es ist fünf vor Zwölf beim VfB, und wenn Dutt und Wahler weiterwurschteln dürfen, dann gibt’s für uns nächste Saison Montagsspiel auf Sport1. Vorerst. Denn auch in Liga Zwei werden wir keine Bäume ausreißen, ganz zu schweigen vom Wiederaufstieg. Vielleicht wollen die Jungs im Aufsichtsrat ja genau das: Marke kaputt, Ausgliederung billig. Klingt verrückt, ich weiß. Aber warum sie nicht eingreifen und endlich fähige Leute ranlassen, das ist mir mindestens genauso rätselhaft. Wobei derzeit ja quasi auch verrückt sein muss, wer sich bei diesem Verein in die Verantwortung begibt.

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