By the way 184 - ein offener Brief an die VfB-Familie...

Sehr geehrte Vereinsführung, Aufsichtsräte, Präsident, Vorstände, Geschäftsleiter, Trainer, Spieler, Ehrenräte, Mitglieder, Fans,

am Sonntag ist Mitgliederversammlung, unser Verein steckt in der sportlichen Dauerkrise, eine Ausgliederung soll erfolgen, und ich habe ein Problem. Das Vertrauen in die Vereinsführung ist mir komplett abhanden gekommen. Seit Ottmar Hitzfelds Sechserpack gegen Jahn Regensburg habe ich alle großen und die meisten weniger großen Spiele im Stadion erlebt, gejubelt und gebruddelt – aber jetzt ist der Punkt erreicht, an dem grundsätzliches geklärt werden muss – denn in unserem Verein herrscht Endzeitstimmung:

Ich frage also ganz direkt die Herren Dr. Schmidt und Porth: Wenn Sie beim Daimler einen neuen Produktvorstand hätten, der sich einerseits öffentlich als „alternativlos“ bezeichnet, der andererseits öffentlich die eigenen Autos ständig schlechtredet, alles bisher Geschehene öffentlich zur „Scheiße“ erklärt und auch sonst mindestens einmal pro Woche öffentlich „Scheiße“ sagt, was würden Sie dann machen? Zuschauen, wie Ihr Vorstandskollege über den verbal amoklaufenden Produktvorstand sagt, er sei nicht das Problem sondern die Lösung? Der Verein sucht neue Investoren. Wie ist es denn potentiellen Geldgebern zu vermitteln, dass hier ein Herr Zorniger ungehindert Amok laufen darf und sich in jeder Pressekonferenz der Fäkalsprache bedient? Hat er keinen Vorgesetzten, der ihn stoppen kann? Und ich frage den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Garcia, der ebenfalls ein großes Unternehmen leitet: Herr Garcia, was würden Sie tun, wenn Ihr leitender Mitarbeiter öffentlich GAZI so repräsentiert, wie Herr Zorniger den VfB repräsentiert?

Weiter frage ich Herrn Dr. Schmidt, warum er dem in der Branche hochgeschätzten und heißbegehrten Trainer Thomas Tuchel abgesagt hat. Herr Dr. Schmidt, bitte leugnen Sie diese Tatsache nicht, denn Sie und ich und viele andere wissen genau, dass es Ende letzten Jahres ein Treffen im Beisein von Herrn Zetsche gab, dass Tuchel unbedingt kommen wollte und sein Konzept vorgestellt hat. Erzählen Sie mir bitte auch nicht, der habe zu viele Kompetenzen verlangt, das „englische Modell“ habe der gewollt, das sei dem Verein zu riskant gewesen. Ist Zorniger mit Dreijahresvertrag weniger riskant? Bitte erzählen Sie auch nichts von überzogenen Gehaltsvorstellungen, denn Sie und ich und viele andere wissen genau, dass diese Vorstellungen beileibe nicht überzogen waren. Sagen Sie bitte auch nicht, Tuchel habe sich für Dortmund entschieden – denn damals saß Jürgen Klopp bei Dortmund noch fest im Sattel. Warum also sagten Sie, Dr. Schmidt, dem Herrn Tuchel per SMS (!) ab, nur um dann den bekanntermaßen weit weniger begehrten Robin Dutt (Vierjahresvertrag) und den „alternativlosen“ Herrn Zorniger (Dreijahresvertrag) zu holen? Will der Verein wirklich keinen „starken Trainer“, wie aus dem Aufsichtsrat zu vernehmen war? Ist Herr Zorniger dann ein „schwacher Trainer“? Oder wurde Herr Dutt etwa geholt und mit einem üppigen Vierjahresvertrag ausgestattet, nur weil er mit Schickhardt dem gleichen Anwalt vertraut wie Präsident Wahler – und der im übrigen auch Ihnen freundschaftlich verbunden ist? Oder ist es tatsächlich so, dass Hansi Müller, damals noch im Aufsichtsrat, nur sagen musste, „schwieriger Charakter“, und schon war Tuchel untendurch? Nur weil Thomas Tuchel mal bei einem C-Jugendturnier den Sohn von Hansi Müller ausgewechselt hat und Hansi Müller ihm deswegen fast an den Kragen gegangen wäre? Herr Zorniger ist ja offensichtlich ein sehr unkomplizierter Charakter...

Weiterhin frage ich den ohnehin kaum in Erscheinung tretenden Präsidenten Wahler, warum er den Gesprächstermin mit Hofbräu-Chef Martin Alber schnöde absagen lässt, obwohl er genau wusste, dass es um viel Geld ging? Hofbräu gehört zur Radeberger Gruppe, die wollten wissen, was nötig wäre, um Krombacher als Sponsor abzulösen. Also eine in der Region fest verwurzelte Marke anstelle einer beliebigen Marke ohne jeden Bezug als Sponsor zu gewinnen UND obendrein noch mehr Geld damit zu verdienen? Was ist mit dem regionalen Bezug, den der Präsident so gerne fordert? Warum also, Herr Wahler, hören Sie sich nicht einmal an, was Herr Alber zu sagen hat und verlängern kurz darauf freudig mit Krombacher bis 2020?

Ich frage Herrn Dutt, warum der VfB Scouts mit dem Auftrag losschickt, einen neuen Torhüter zu finden und dann Herrn Tyton verpflichtet, ohne ihn umfassend beobachtet zu haben? Wer hat entschieden, dass dieser Torwart zu dieser Spielweise passt? Wie hat man das festgestellt? Oder ist der Grund vielmehr, dass Tyton von Huub Stevens Sohn beraten wird? Die beauftragten Scouts erfahren aus der Zeitung davon! Herr Dutt, warum? Wie ist die Kommunikation in diesem Team?

Wer hat Herrn Heise verpflichtet? War es nicht so, dass er in der vergangenen Saison unter Huub Stevens von Ihrem Chef-Mitarbeiter Ralf Becker nach eingehender Beobachtung als „nicht erstligatauglich“ charakterisiert wurde? Ich weiß, viele wissen, dass es so war – aber damit stellt sich auch die Frage: Ist die Zeit der Alleingänge wirklich vorbei?

Und warum vergessen Sie einfach, die Verträge mit Harnik und Didavi frühzeitig zu verlängern? Ist es Ihr Ziel, diese Spieler möglichst günstig bzw ablösefrei abgeben zu können? Wollen Sie die Spieler loswerden, so wie Sie auch schon die Herren Ulreich und Rüdiger loswerden wollten? Warum haben Sie Herrn Ulreich nicht den Rücken gestärkt, als er angefeindet wurde? War er kein Top-Aushängeschild für den Verein? Ein besseres als alle diejenigen, die wir jetzt haben? Einer, der sich mit Verein und Fans identifiziert hat?

Ich hätte noch viele weitere Fragen, der verhinderte Porsche-Einstieg unter Herrn Hundt (dessen Firma viel Geld mit Daimler verdient), die Telefonate zwischen Herrn Wahler und Herrn Rangnick, wurde Toni Sunjic ebenso wenig beobachtet wie Tyton etc. Aber alle Fragen gemeinsam münden in eine Generalfrage: Wie soll ich einer Vereinsführung vertrauen, der ich solche Fragen stellen muss? Wie soll irgendwer bei klarem Verstand dieser Vereinsführung vertrauen? Liebe Fans, liebe VfB-Familie: Entlastet niemand auf der Mitgliederversammlung! Sucht nach Antworten auf die hier gestellten Fragen! Und überlegt Euch, ob Ihr einer solchen Vereinsführung vertrauen wollt. Ein Antrag auf Abwahl des Aufsichtsrates und des Präsidenten während der Mitgliederversammlung ist möglich. Drei Viertel der anwesenden Mitglieder müssen zustimmen. Den Aufsichtsrat des VfB bitte ich, geschlossen zurückzutreten und den Weg freizumachen für einen echten Neuanfang ohne Vetterles. Denn nur mit einem neuen Aufsichtsrat ist ein echter Neuanfang möglich – mit Leuten, denen zuallererst der VfB am Herzen liegt und nicht ihr eigener Vorteil.

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