By the way 180 - Glückwunsch zum 122., lieber VfB – aber ich bin auf 180...

Während der ersten Bundesligaspiele findet traditionell der Familienurlaub statt, und wenn ich wieder im Lande bin, sind drei Spieltage vorbei und der VfB hat immer noch Null Punkte. „Same procedure as every year“ zu rufen wäre jetzt wahrscheinlich übertrieben – aber trotzdem fühl ich mich wie Freddy Frinton, denn allzu oft startet der VfB so miserabel in die Liga, dass man nach dem Urlaub erstmal mentalmäßig über den Tigerkopf stolpert. Mit kleineren Variationen hier und da, beispielsweise scheiden sie gerne auch mal in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen einen unterklassigen Gegner aus oder verlieren, so qualifiziert, in der Europa League gegen kroatische Zwergclubs. Da hilft dann häufig nur der Alkohol, als hätte man im Urlaub nicht schon depardieusche Mengen getrunken.

Natürlich hatten die versammelten Euphoriker vor der Saison in den höchsten Tönen ihre üblichen Lobeshymnen auf Mannschaft, Trainer und Management abgesungen. Tun sie immer. Allerdings nur, solange keine Spiele sind. Dass Dutts Curriculum und Zornigers Trainerkarriere alles andere als Grund zur Euphorie gaben wurde ignoriert. Dass die Mannschaft im Vergleich zur hundsmiserablen Vorsaison nicht verstärkt sondern lediglich mit zweit- und drittklassigen Spielern aufgefüllt wurde – geschenkt. Super Potential alle. Dass der beste Abwehrmann weg ist und durch einen obskuren bosnischen Wanderarbeiter ersetzt wurde, der eigentlich nur als Spielkamerad für den sich langweilenden Ibisevic, nicht aber als Abwehrchef vorstellbar war? Ey, der Robin sagt, der Mann hilft uns mit seiner internationalen Erfahrung. Ob sie den gescoutet haben möchte ich bezweifeln, denn Scouting beim VfB sieht normalerweise so aus, dass der Sohn des Ex-Trainers o.Ä. höchstpersönlich aufs Clubgelände kommt und sagt, er habe da einen Wahnsinnsspieler. So wie Torwart Tyton, der nach Ulle im Tor alles anders machen sollte, weswegen man dann auch noch den Langerak verpflichten musste. Mitten in die chronisch galoppierende Finanznot hinein. Und jetzt spielt der Grieche mit den großen Händen, hoffentlich macht er seine Sache gut.

Es ist zum Heulen und Zähneklappern, was die Bande um Dutt, den Grinsepräsidenten und den Aufsichtsrat unter tätiger Mithilfe des Palpatine Schickhardt mit dem heute 122 Jahre alt werdenden VfB Stuttgart anstellt. Ganz unabhängig davon, was dicke österreichische Ex-Spieler sagen, die mit Haaren fast genauso aussähen wie Depardieu. Und wohl auch fast genauso viel saufen.

Selbst verbriefte Äußerungen des Aufsichtsrats wie „wir wollen keinen starken Trainer a la Tuchel oder Klopp“ machen die Leute nicht stutzig. Wir wollen auch keinen Julian Weigl und keinen Abdul Rahman Baba, wir doch nicht. Wir haben doch Lukas Rupp und Lord Hlousek. Und unser Trainer ist zwar kein „starker“ Trainer aber immerhin ne echte Type ey, unverstellt und graderaus wie sein Dialekt. Der traut sich sogar, dem allmächtigen Trainerübervater Mehmet Scholl ganz gelassen die Stirn zu bieten. Und Dutt? Der hat voll den Plan und alles bestens im Griff. Sogar einen, wait for it, Ernährungsberater hat der eingestellt, der schneidet den Spielern jetzt die Äpfel in mundgerechte Stückchen. Das wird alles super hier, wir brauchen nur ein bisschen mehr Zeit, bis die Spieler das revolutionäre System des Trainers verinnerlicht haben. Ironiemodus an dieser Stelle aus, Wechsel in den Diktatorenmodus, Schnitt, palästinensisches Gefangenenlager in den Siebzigern, alle Euphoriker in einer Reihe, Zwangseinflößung von heißem Nikotintee...

Kein Wunder ist MV abgetreten, der wollte sicher nicht länger mitansehen, was diese Bande mit seinem VfB anstellt.

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