By the way 18 - die Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 18, 22. Januar 2007)

Bayern-Manager Uli Hoeness sitzt jetzt auch bei Christiansen rum und labert sich um Sinn und Verstand. Und bescherte uns einen dieser Momente, in denen wir dabei zuschauen konnten, wie sich ein berühmter Mensch maßlos überschätzt und sich dadurch von einer Seite zeigt, die so gar nicht passt zu dem sonst so hochprofessionellen Bild, das man kennt von diesem Menschen. Aber die auf dem Niveau einer vormittäglichen Krawalltalkshow bei RTL daherkommenden Einlassungen des Herrn Hoeness haben klar gezeigt, dass er um keinen Deut besser ist als all die anderen Opportunisten, die jeden Sonntag bei Christiansen ein unverdientes Forum bekommen und uns den Abend verschandeln. Als Mensch sympathisch finden musste man den Hoeness ja ohnehin noch nie – aber jetzt ist auch der Respekt fast verschwunden, den wir ihm bis gestern entgegengebracht hatten. Und das Allerschlimmste am gestrigen Auftritt: Inhaltlich hat Hoeness weitgehend recht. Die CSU in Bayern kann so nieder daherkommen, dass man sie in all dem bigotten Morast gar nicht mehr sieht – gewählt wird sie trotzdem.

Vor dem Ende der Winterpause in der Fußball-Bundesliga gibt auch Hoeness-Club FC Bayern München kein souveränes Bild ab. Salihamidzic geht nach Turin, Deisler geht in Rente, und die seit dem Ballack-Weggang ohnehin unterbesetzten Münchener haben ein riesiges Kreativ-Problem im Mittelfeld. Trotzig wird die Parole ausgegeben, man werde auch ohne Zukäufe Meister, aber das ist doch eher unwahrscheinlich. Hoeness und Konsorten muss es schon sehr wurmen, dass nicht einmal Spieler wie Ribery oder andere Franzosen zu bekommen sind – die gehen alle viel lieber woanders hin. Und selbst, wenn man nun in der Champions League gegen ein im Chaos befindliches Real Madrid weiterkommen sollte, so steht dem FC Bayern doch eine sehr schwierige Zukunft bevor. Da sollte sich der Manager lieber auf seinen Job konzentrieren, als sich in schwachsinnigen TV-Talks völlig der Lächerlichkeit preiszugeben.

Meister wird Werder Bremen – auch an der Weser wird es jedoch turbulent zugehen in der Rückrunde. Wenn nämlich Frings und Klose ihren Weggang (wahrscheinlich beide zu Juve) bekannt geben, dann wird es rumpeln in Schaafs Truppe. Aber im Unterschied zur Münchener Konkurrenz gelingt es Manager Allofs immer wieder, sich sinnvolle neue Spieler an Bord zu holen. Und was man so gehört hat in der Winterpause gibt Grund zur Annahme, dass auch die beiden Gallionsfiguren durch spektakuläre neue Spieler richtig ersetzt werden können. Also wird Bremen trotz der Turbulenzen Meister – weil Schalke noch immer viel zu wirr ist für den Titel. Die Gazprom-Millionen werden allerfrühestens in der nächsten Saison Wirkung zeigen. Dann nämlich haben die Russen auch im Management des Clubs genügend Einfluss gewonnen und werden mit wenig langfristigen, dafür kurzfristig erfolgreichen Maßnahmen irgendeinen Titel gewinnen.

Am Tabellenende wird bis zum Saisonende Mainz bleiben. Da kann Trainer Klopp noch so rauschende Rückrunden ankündigen – sang- und klanglos wird abgestiegen in dieser Saison. Bochum wird sicher mitgehen in Liga Zwei, und der Dritte im Bunde ist nicht leicht vorherzusagen. Cottbus eigentlich, aber von Hannover über Aachen, Wolfsburg, Bielefeld und Gladbach bis hin zum HSV kann es eigentlich die halbe Liga noch erwischen.

Sind wir also gespannt, was uns die kommenden Monate bringen. Sicher ist dabei nur Eines: In der nächsten Bundesliga-Saison wird uns Christiansen mit ihrem Talk nicht mehr den Sonntagabend verschandeln.

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