By the way 16 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 16, 27. November 2006)

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Die Wintersport-Saison hat begonnen. Während Schalke 04 die Tabelle der Fußball-Bundesliga jetzt schon seit über zwei Wochen anführt, während Axel Schulz uns bei seinem hoffentlich einmaligen Comeback-Versuch zeigt, dass er auch mit knapp 40 Jahren nicht hauen sondern nur einstecken kann, weswegen er sich seinen Spitznamen „Weicher Riese“ insofern verdient hat, als das Adjektiv „weich“ sehr zutreffend, die Bezeichnung „Riese“ dagegen mehr als irreführend ist – während also zuhause alles seinen Gang geht mit dem Sport wird auf irgendwelchen Hängen, Schanzen, Bahnen und Kanälen wieder gesprungen, gelaufen, gewedelt und gefahren. So zumindest ist der Plan.

Die Realität freilich sieht auch in diesem Jahr anders aus. Auch in diesem Jahr wurde der Großteil der alpinen und nordischen Wettkämpfe wieder an Orte in Europa vergeben, die schon seit Jahren eigentlich nicht genug Schnee haben, um ordentliche Wettkämpfe auszutragen. Wir sprechen hier nicht von einem oder zwei schlechten Wintern, sondern es geht bekanntermaßen um eine globale Veränderung des Klimas, die nun mal die Verhältnisse ändert auf der Welt.

Die Dachorganisationen und Verbände des Wintersports begegnen dieser Änderung der Verhältnisse so ziemlich genau auf die selbe Art und Weise wie George W. Bush, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit totaler Ignoranz nämlich, sogar mit trotzigem Jetzt-erst-recht-Gehabe. Dabei müssten die Sportverbände nicht einmal ein Kyoto-Abkommen unterzeichnen. Aber die Sportverbände und Organisationen vergeben munter weiter Abfahrten und Super-G’s, Springen und Kombinationen etc. in die traditionellen Wintersportorte in der Schweiz, in Österreich, Italien oder auch in Deutschland. Und dann liest man es wieder, wie sie sich freuen vor Ort, dass es jetzt endlich kalt wird, dass man jetzt endlich mit der maschinellen Beschneiung der Pisten beginnen kann, dass aber, oh weh, jetzt ein plötzlicher Föhneinbruch auch dieses unmöglich macht. Dann hilft es auch nichts mehr, tonnenweise Dünger auf künstlichen Schnee zu werfen.

Von Schnee, echtem Schnee, der aus den Wolken fällt, ist schon seit Jahren kaum mehr die Rede im Wintersport. Im Gegenteil – eine Piste aus echtem Schnee ist eine riesige Herausforderung für Athleten und Wachsexperten. Da wissen die schon oft gar nicht mehr, was sie machen sollen. Echter Schnee, was ist das denn?

Es ist wirklich pervers, wie aus irgendwelchen kommerziellen oder einfach nur opportunistischen Gründen an Austragungsorten festgehalten wird, von denen bereits jetzt, bereits seit Jahren immer wieder klar ist, dass da nicht genug Schnee fallen wird. Der Wintersport, vor allem der alpine Wintersport, wird sich so auch die letzten Chancen auf eine halbwegs erfolgreiche Zukunft vermasseln. Wenn Sponsoren, wenn TV-Sender jahrelang nur Ärger haben mit einer Veranstaltungsreihe, dann investieren die sicher nicht mehr Geld dahin. Und wenn der Zuschauer nur noch Absagen sieht, wo er spannende Rennen erwartet, dann schaut er bald etwas anderes im Fernsehen. Selbst Skifahren können ohnehin immer weniger Leute – da nimmt auch die Begeisterung für Ski im TV schnell ab. Wir in Deutschland sind alpintechnisch ohnehin nicht gerade erfolgsverwöhnt – aber wenn die FIS nicht schleunigst ihre Wettbewerbe an Orten stattfinden lässt, wo sie auch stattfinden können, dann interessiert sich bald gar niemand mehr für den Wintersport.

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