By the way 15 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 14, 13. November 2006)

Die Adventszeit rückt langsam näher, und wie üblich hat der Berufszweig der Bundesligatrainer wenig Besinnliches zu erwarten vor Weihnachten. Vier Lichtlein brennen maximal auf dem Adventskranz – doch die Anzahl der brennenden Trainerbäume in der Bundesliga ist weitaus höher. Fast schon ein kleines Wäldchen steht in Flammen, nicht nur junge, zarte Pflänzlein hat es erwischt sondern auch richtig gestandene Urgewächse.

Felix Magath ist solch ein gestandener Trainer, dem die Flammen schon die Hosenbeine versengt haben und dem es – unabhängig vom jüngsten Sieg in Leverkusen - unangenehm heiß wird. Über die Brandursache kann wie stets nur spekuliert werden – vieles deutet aber darauf hin, dass Magath in München schlicht und ergreifend an seine Grenzen gestoßen ist. Die teuren Stars der Bayern brauchen einfach mehr als nur Kraft- und Konditionstraining bei gleichzeitig spärlichster Kommunikation. Vielschichtiger muss das Training sein, und genauso vielschichtig auch die Ansprache der Spieler. Dazu kommt die Fehleinschätzung der Münchener in Sachen Ballack. Da lag zwar nicht nur Magath falsch mit seiner Meinung, den Kapitän der Nationalmannschaft mit bereits vorhandenen Kräften ersetzen zu können. Am Ende werden die personellen Konsequenzen aber doch beim Trainer gezogen – und so kann man schon spekulieren, wie lange Magath noch im Amt bleibt. Hätten sie nur damals den Frings nicht weggeekelt…

Jupp Heynckes in Gladbach brennt bereits lichterloh. Ähnlich wie in München ist es auch hier wohl die einfach nicht mehr zeitgemäße Herangehensweise des Trainers an seinen Job, die die Probleme verursacht. Männer wie Heynckes haben viel erreicht in ihrer Laufbahn, kein Zweifel. Vor allem die Tatsache, dass er auch in Spanien, ohne Sprachkenntnisse zunächst, große Erfolge mit Athletic Bilbao und später dann, vertraut mit der spanischen Kultur auch mit Real Madrid feiern konnte, zeugen von der fachlichen Güte des Don Jupp. Aber jetzt ist seine Zeit vorbei, er sollte als Experte für das Fernsehen arbeiten oder sich in den verdienten Ruhestand zurückziehen.

Koller, Slomka, Doll dagegen sind eher noch Trainerbäumchen. Bei ihnen kamen Unerfahrenheit, Unfähigkeit, Pech und falsche Einschätzungen in unterschiedlichen Mischungen zusammen, jede für sich war explosiv genug, das Feuer zu entzünden, das jetzt an ihren Stühlen nagt. Hintendran erscheint bereits seit längerer Zeit Daum, der Übermensch, dem nicht nur Mandeln sondern sogar Viren operativ entfernt werden, obwohl der angebliche Ex-Turbokokser ja offiziell wegen „Kieferklemmens“ und ähnlicher Beschwerden ins Krankenhaus musste. Ein echter Schelm, wer Böses dabei denkt. Vielleicht ist der Zusammenhang zwischen Koks und Kieferklemmen auch nur herbeifantasiert, ein Ergebnis des kalten Daum-Entzuges, den wir bereits so lange erdulden müssen.

In einer Klasse für sich brennt derzeit Jürgen Klopp. Der eigentlich Unantastbare kommt mit dem Löschen der verschiedenen Brandherde kaum mehr nach und ist darüber schon vergleichsweise leise geworden. Aber, ähnlich wie in Hamburg kommt auch hier zu allem Unglück, zu aller Endlichkeit Kloppscher Motivationskunst erschwerend hinzu, dass Leistungsträger wie da Silva oder Thurk den Verein verlassen konnten, ohne dass gleichwertiger Ersatz verpflichtet worden wäre. Trost für Klopp im Falle eines Falles: Das Fernsehen wird ihn mit offenen Armen empfangen – schließlich sind seine Auftritte
dort mindestens so strahlend wie in Mainz bis zum Beginn der laufenden Saison.

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