By the way 141 - Wer nicht auf Live-Massaker steht, tut sich Tatort rein. Oder die Shades of Löw...

Die Vollbärtigen schießen sich in aller Ruhe, wochenlang, eine Stadt sturmreif, und sehr bald werden sie reingehen in diese Stadt und ihre Bewohner in aller Seelenruhe fein schmutziglich massakrieren. Live vor den Kameras der angeschlossenen Funkhäuser. Direkt und mittenrein in unsere Wohnstuben, zur besten Sendezeit. Ein paar hundert Meter weiter stehen die hoch überlegenen Truppen eines Landes, das seit Jahren angeblich in die EU will, und schauen zu. Weil sind ja nur Kurden, wollen wir eh nicht. Weil auch alle anderen schauen nur zu, nix Staatengemeinschaft, wer will da schon vorpreschen?! Hart, über die normale Härte weit hinaus. Von der Situation im Irak und in Syrien und sonstwo mal ganz abgesehen...

Dann die deutsche Nationalmannschaft. Das Land zu Füßen, Weltmeister, überragend, systematisch aufgebaut, tolle Ausbildung, goldene Generation, Heldenverehrung. Drei Monate später haben wir plötzlich keine Außenverteidiger, spielen falsch, stellen falsch auf, Götterdämmerung. Dass da in Warschau und auf Schalke verletzungsbedingt quasi ein B-Team spielen musste, egal. Dass da auf Außen zwei Jungs gespielt haben, die grade mal volljährig sind und sich prächtig entwickeln werden, egal. Vereinzelt sogar schon Stimmen gehört von wegen falscher Ausbildung. Hart, fast so hart wie die dauernden Fouls und Gemeinheiten des ansonsten ja vorzüglichen Stürmers Lewandowski. Nicht auszudenken, wenn nicht schon wieder der ewige Hummels gegen O’Shea geschlafen hätte sondern Rüdiger oder Durm... 

Wobei man natürlich durchaus mal fragen kann, warum Herr Rüdiger auf Außen spielt, wo er das im Verein doch nicht tut. Warum da nicht der Herr Mustafi spielt, der doch zur WM noch allererste Wahl und Sahne angeblich war, auf dieser Position. Oder der Herr Rudy, der das zwar auch noch nicht lange spielt, aber doch immerhin jetzt auch im Verein. Vom Bökelberg runter rufen sie gar den Namen Jantschke...

Fußball ist beinhartes Milliardengeschäft, aber trotzdem immer noch Entertainment. Also Leiden an Deutschland quasi Vergnügen, quäl uns, Jogi, Shades of Löw. Dagegen ist die gestern wieder mal von irgendwelchen völlig unbekannten Vizefraktionsvorsitzenden vorgebrachte Forderung, unsere Arbeitslosen sollten doch bitteschön im Kindergarten, wenn nicht gleich im Unterricht aushelfen, bitterste Anti-Unterhaltung. Nämlich deutliches Indiz dafür, wie es fault im Lande. Anstatt zu erkennen, dass nur mit Bildung zivilisiertes Zusammenleben langfristig funktioniert, anstatt in Bildung zu investieren, den Berufsständen der Bilder und Ausbilder mehr Gewicht zu verleihen, wollen bürokratische Weltfremde anordnen, dass die Verlierer der Gegenwart aus unseren Kindern die Verlierer der Zukunft machen, was soll man sagen...

Und weil ich mich heute so polarisierend fühle, kann ich’s ja zum guten Schluss auch gleich noch sagen: Den letzten Tukur-Tatort fand ich gut...

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