By the way 14 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 15, 20. November 2006)

1. FC Köln proudly presents: Sherwood Forrest in Müngersdorf. Starring: Der böse reiche Overath als Sheriff von Nottingham, der fiese Sadist Meier als Guy de Gisborne, der unfassbare Christoph Daum als Robin Hood. Die internationale Kritik schwelgt bereits lange vor der Erstaufführung des neuen Blockbusters aus der ehemaligen Medienhauptstadt Deutschlands vor Freude: Gelungene Adaption des alten Stoffes, eine besonders gekonnte Anpassung an die Neuzeit – vor allem das völlig offene Ende sowie die Tatsache, dass Robin nicht nur als strahlender Superheld sondern gleichzeitig als zerrissene Persönlichkeit mit zahlreichen höchst menschlichen Schwächen präsentiert wird, trifft nach Meinung der Cineasten perfekt den Zahn der Zeit. Gleichzeitig entbrennen schon die Diskussionen über Drehbuch-Details: Wie wird Daum die Rolle als moderner Superheld ausgestalten? Besänftigt er durch seine Professionalität und durch rasches Vordringen an die europäische Spitze das cholerische Duo Overath und Meier und schafft so – seiner Rolle quasi eine weibliche Beimischung verleihend - eine Atmosphäre des Friedens und der Glückseligkeit im Lande der Jecken, oder gießt er als launischer Hysteriker – aufgeputscht mit höllischen Essenzen und dem Gejohle der Massen – weiteres Öl ins Kölner Fegefeuer, auf dass zum Schluss jeder jedem misstraue und ein großer Unfrieden herrsche im rheinischen Reich? Und wer spielt die Maid Marian, wenn Robin auch weibliche Qualitäten zeigt? Wie ist das Spannungsfeld Robin – Guy de Gisborne aufzulösen, wenn Daum dem Robin nun auch fiese Seiten verleiht? Dies sind die Fragen, die bewegen.

Für Christoph Daum ist die Rolle des Robin Hood vom Rhein gleichzeitig die große Gelegenheit, sich über den Superhelden-Status fast schon unsterblich zu machen. Hat er Erfolg in Köln, so liegt ihm nicht nur der Verein sondern ganz Fußball-Deutschland zu Füßen. Wobei der Begriff Erfolg durchaus relativ ist: In und um Köln heißt Erfolg, bis spätestens 2010 in der Champions League zu spielen. Für alle weniger Jecken sollte es auch schon als Erfolg gelten, wenn die Mannschaft aufsteigt und eine wahrnehmbare Rolle spielt in der ersten Liga. Spektakulär spielen wird sie mit ziemlicher Sicherheit – denn das haben alle von Daum betreuten Teams bisher getan.

Abzuwarten bleibt auch, wie Daums Gesundheit die ganze Aufregung verkraften wird. Als neuzeitlicher Großstadt-Robin Hood ist er nämlich kein rotbäckiges Kraftpaket mehr, den das Leben an der frischen Luft gestählt hat. Vielmehr ist er anfällig für Krankheiten, der Stress setzt ihm zu und in der Vergangenheit musste er sich künstlicher Hilfsmittel bedienen, um die von ihm geforderte Geschwindigkeit halten zu können. Gleichzeitig warten Unmengen von Leuten im ganzen Lande nur darauf, eine Schwäche zu entdecken beim neuen Kölner Superhelden, auf dass sie ihn zurechtstutzen können auf das Maß, welches ihm ihrer Meinung nach zusteht. Aber das gehört einfach dazu bei zeitgenössischen Superhelden. Und wenn Daum während der Spiele seiner Kölner auf der Trainerbank sitzen bleibt und nicht ständig auf das Spielfeld läuft, dann hat er dank des Daches im Rheinenergiestadion auch im anstehenden Kölner Winter einen einigermaßen schneesicheren Arbeitsplatz.

Und wenn er scheitern sollte beim 1. FC Köln, so ist das Leben nicht zu Ende für ihn. Nur die großen Auftritte wird er dann nicht mehr genießen können. Aber sicherlich wird er auch dann noch in B-Movies als Hauptdarsteller besetzt werden. In der zweiten türkischen Liga zum Beispiel, da geht immer noch was, wie wir dank Werner Lorant wissen.

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