By the way 12 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 12, 30. Oktober 2006)

Nach dem Ende der Partie VfB Stuttgart gegen Schalke 04 am Sonntag im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion rieb man sich verwundert die Augen: Was hatte man soeben gesehen? War das nun das Spiel des Dritten gegen den Vierten der laufenden Bundesliga-Saison? War das der Auftritt des Teams, das bei einem Sieg punktgleich gewesen wäre mit dem Tabellenführer SV Werder Bremen? Zu diesem Sieg kam es bekanntlich nicht – das genaue Gegenteil war der Fall. Schalke spielte nämlich mit Ausnahme der ersten Viertelstunde wie ein Team, das am Tabellenende steht, rechnerisch keine Chance mehr auf den Klassenerhalt und sich ergo bereits aufgegeben hat. Normalerweise versuchen die einzelnen Spieler in solch einer Situation wenigstens, sich durch ein paar elegante Aktionen für andere Vereine zu empfehlen, auf dass sie in der kommenden Saison weiterhin erstklassig spielen können. Aber nicht mal dieses war der Fall. Planlos, lustlos, eigentlich auch talentlos liefen die Königsblauen über den Platz, und nach einem derartigen Auftritt kann man sich für den Verein nur wünschen, dass Neu-Sponsor Gazprom den handelnden Personen mal so richtig einheizt. Denn eine Mannschaft, die eigentlich hervorragende Einzelspieler im Kader, Champions League-Ambitionen, 60.000 Zuschauer im Schnitt pro Heimspiel und irgendwie auch das nötige Kleingeld hat, darf so nicht auftreten. Niemals, nicht mal in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals irgendwo in der Provinz, darf ein Bundesligist so auftreten.

Für den VfB hingegen war dieses Spiel genau richtig. Das junge Team hält eisern fest am Kurs des Gespanns Armin Veh/Horst Heldt, versucht gut zu kombinieren und attraktiv zu spielen. Da geht vieles schief, und im bisherigen Saisonverlauf war es vor allem in den Heimspielen schwierig, das Konzept auch so umzusetzen, dass am Ende drei Punkte mehr auf dem Konto auftauchten. Aber gegen Schalke konnten die international erfahrenen Boka, Pardo und Osorio zusammen mit den jungen Gomez, Khedira, Tesci und Co ihre Marschroute problemlos durchziehen, Selbstvertrauen tanken, die Zuschauer zufrieden stellen und die Punkte einfahren. Jetzt sind sie schon Vierter, das internationale Geschäft winkt, und Trainer Armin Veh hat offenbar doch den richtigen Kurs gewählt für den VfB – auch wenn das bis vor Kurzem noch gar nicht so aussah. Jetzt sollten sie ein paar Dinge bedenken in Stuttgart: Erstens und vor allem sollten sie den Ball flachhalten und nicht bereits wieder von Siegen gegen ManU in der Champions League reden. Ihre Stärke ist nämlich zumindest teilweise auf die Schwäche der anderen Clubs zurückzuführen. Zweitens sollte nicht jeder zweite Spieler schon wieder als zukünftiger Stützpfeiler der Nationalmannschaft gehandelt werden, und drittens sollten sie den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Es ist der richtige Weg.

Zurück