By the way 115 - Endlich wieder ein Feindbild ohne Bart, dafür aber überall Achselhaare...

Die Sache mit den Achselhaaren ist mir dazwischen gekommen. Da versucht man sich immer mal berichtenswerte Ereignisse zu merken für den wöchentlichen Text, will im besten Scholl-Latourisch mal die Frage aufwerfen, wer hier eigentlich seit Jahrzehnten am expandieren ist, die Russen oder die EU/NATO, wollte sogar fragen, wie die Ägypter denn gedenken, diese ganzen Todesurteile zu vollstrecken, ob sie vielleicht demnächst auch über Gaskammern nachdenken, und dann plötzlich überall Achselhaare. Aber ich hab es kommen sehen. Hatte eigentlich erwartet, dass Lady Gaga diesen Trend anschiebt, kam ihr halt die gefühlt bereits 65-jährige Madonna zuvor. Und jetzt reißt plötzlich jede zweite Endpromenade bzw Unterprominente bei jeder Gelegenheit medienwirksam den Arm hoch, auf dass man vor lauter Busch ganz struppig wird. Und dann, bereits waidwund geschossen, wird ein altes Bild von Nena nachgeschoben, einem den Rest zu geben. Genickschuss quasi. Selbst von den wenigen Überlebenden kapiert kaum einer, dass es immer nur darum geht, uns von der nächsten, noch viel größeren Bankenkrise abzulenken. Denke über Waffenkauf nach...

Aber gut, wenigstens haben wir mit den Russen in personam Putin jetzt wieder ein sauber rasiertes Feindbild. Die Mullahs mit ihren schmutzigen Bärten und Bomben waren doch alle ein wenig zu heterogen. Heute weiß wieder jeder, was Sache ist. Blau gegen Rot, wir gegen die Russen, sauberes Feindbild eminent wichtig, und der Russe muss schließlich auch wissen, dass seine Panzerkolonnen allerspätestens in den dicht geschlossenen Reihen der seit Jahrhunderten engverwandten Clans von Neulußheim hängenbleiben werden. 

Hinter solch globaleminenter Megaimportanz müssen andere Dinge halt einfach zurückstehen. Warum zum Beispiel eine Senkung des Rundfunkbeitrages um 0,48 Euro spaltenweise rauf und runterberichtet wird, als sei das im Ernst eine Senkung. 0,48 Euro, die knallhart durchgesetzt zu haben sich irgendwelche Heinis auch noch brüsten. Oder warum eigentlich ich mir in Deutschland nirgends das Spiel Real Madrid gegen den FC Barcelona halbwegs vernünftig anschauen kann – das Ligaspiel mit den höchsten Zuschauerzahlen weltweit. Kein Sender weit und breit, dabei kann ich mir selbst das hinterletzte NFL-Spiel kaufen. Aber den Clásico gibt’s nur ruckelig bei Laola-TV und auch das nur, wenn ich über die geliebte Bild-Webseite reingehe, weil bei Laola selbst geht gar nix. Fußballerisch sind wir ja ohnehin ein wenig rückwärtsgewandt hier, von 38 Clubs der ersten und zweiten Liga stimmen 24 gegen die Torlinientechnologie. Dagegen. Im Ernst, Dagegen! Weil sie sagen, 200.000 Euro wären zu teuer. Also bitte, wer eine solche Scheißhaltung hat und die dann auch noch mit Traditionsbewusstsein begründet, der möge möglichst phiele phantastische Phantomtore kassieren und am besten gleich zweimal in Folge absteigen. Im Gegenzug dürfte der VfB Stuttgart dann in der Liga bleiben. Weil’s mein Verein ist. Und weil sie für die neue Technik waren. Wenigstens einmal richtig gelegen...

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