By the way 11 - die N24-Sportglosse

von Christian Prechtl (Nummer 11, 23. Oktober 2006)

Wer nach der WM und den starken Auftritten der Nationalmannschaft gedacht hatte, der deutsche Fußball müsste sich jetzt vor niemandem mehr verstecken, der konnte sich an diesem Wochenende eindrucksvoll vom Gegenteil überzeugen. Denn am Samstag spielte Bremen gegen Bayern – die deutsche Version des „Superclásico“, die allerbesten Teams im direkten Aufeinandertreffen, Emotionen, der Kampf um die Vormachtstellung, Fußballherz, was willst Du mehr? Und in der Tat war es ein vergleichsweise flottes Spielchen, das die Bremer von Anfang an dominierten, mit sicherer Abwehr, schnell gespieltem Ball im Mittelfeld und beweglichen Spitzen. Für ein Bundesligaspiel war das schon ziemlich gut, was der SV Werder zeigte. Die Bayern dagegen traten auf, als hätten sie vor dem Anpfiff extrem fettige Pizza mit doppelt Käse und danach jede Menge Zucker verdrückt. Langsam, unbeweglich, mit geradezu sichtbarer Teilnahmslosigkeit fügten sich die Münchner in die Niederlage. Und das in so einem wichtigen Spiel. Vielleicht sollte man den Bayern fortan regelmäßig das Anschauen der weltweit erfolgreichen isländischen Kinderserie „Lazytown“ verordnen. Da nämlich zeigt der Superheld Sportacus den Kindern der Stadt Lazytown, dass Schokolade sie nicht weiterbringt. Nur der Verzehr von Äpfeln oder anderem Obst macht fit. Sportscandy werden diese Fitmacher in Lazytown genannt – und die Bayern sollten jetzt jede Menge Sportscandy futtern, wenn sie national nicht dauerhaft zur Zweitkraft hinter dem SV Werder degradiert werden wollen. Magath jedenfalls scheint in München derzeit an seine Grenzen zu stoßen, Fernsehen ist ohnehin das populärste Hobby von Fußballprofis – warum also es nicht einmal mit Sportacus versuchen?

Am Sonntag dann der einzig wahre, der echte „Superclásico“ – Real Madrid gegen den FC Barcelona. Es goss in Strömen im Santiago Bernabeu, und von Anfang an legten beide Teams ein Tempo vor, dass es einem geradezu schwindlig werden konnte. Madrid besser, mit früher Führung, man merkt dem gesamten Team bereits die unglaubliche Aura des Trainers Capello an. Barcelona hielt dagegen, machte Druck, es ging hin und her mit schnellsten Kombinationen. Halbzeit, danach wieder ausgeglichenes Match bis zur Entscheidung durch van Nistelrooy. Wer dieses Spiel gesehen hat, dem musste das deutsche Spitzenspiel vom Vortag langsam bis einschläfernd vorkommen. Das war ein qualitativ schon fast beängstigender Unterschied. Ausnahmen: Werders Kreativspieler Diego, der nicht umsonst im zarten Alter von 18 Jahren gemeinsam mit Madrids Nummer 10 Robinho beim FC Santos in Brasilien triumphiert hatte, und mal wieder Thorsten Frings. Der tritt mittlerweile tatsächlich auf wie ein Weltklassemann und braucht den Vergleich mit Emerson oder Marquez und Konsorten nicht zu scheuen. Alles in Allem war dieses Match ein Hochgenuss, und wenn irgendwelche Bundesligisten irgendwann wieder gegen Real oder Barca antreten, dann werden sie eine riesige Portion Glück, einen Supertag und gleichzeitig einen miserablen Tag des Gegners brauchen, um da nicht unterzugehen.

Schließlich ging am Wochenende die Ära eines Mannes zu Ende, der auch ohne direkten Gegner ein „Superclásico“ ist. Michael Schumacher konnte zwar nicht zum achten Mal Weltmeister werden, er konnte aber in seinem allerletzten Rennen noch einmal demonstrieren, dass er mit Abstand der beste Fahrer der vergangenen Jahre ist. Verschwörungstheoretiker behaupten ja, Alonso habe auf Befehl Bernie Ecclestones Weltmeister werden müssen, weil ansonsten in der nächsten Saison gar niemand mehr Formel 1 geguckt hätte. Daher die plötzlichen Motorschäden bei den Ferraris in den letzten Rennen – und wenn es einmal auch Massa erwischte, dann nur deshalb, weil Ecclestones Attentäter den Zucker in den falschen Ferrari geschüttet hatten. Aber das ist natürlich völliger Blödsinn, und dass das letzte Rennen ohne unfaire Manöver, dafür mit eindrucksvollen Aufholjagden, erneuten Rückschlägen, nochmaliger Jagd bis in die Spitzengruppe und eben ohne den Titel für Schumi zu Ende ging, das war sicherlich für alle Beteiligten das Beste. Denn so konnte Michael Schumacher seine Laufbahn als großer Sportmann und dem Shakehands mit Alonso beenden. Das Bild vom Ferrari und vom Renault im Kiesbett nach unfairem Überholmanöver wäre Schumi dagegen Zeit seines Lebens nicht mehr losgeworden.

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