By the way 107 - mit mucho Liebe für die Gratulanten, mit ausgespritzten Wutrentneraugen, zu klein geratenen Egos, einer bösen Ahnung und mit dem Leben des Brian...

Jetzt mal im Ernst: Da werden die Grammies verliehen, Gipfeltreffen der U- und E-Musik, riesen Tam Tam, nur das Beste am Start – und dann singen die alle falsch. Die Radioactive-Typen mit dem Rapper, die Daft Punk Roboter mit dem behüteten Pharrell Williams, das Web feiert ihre Darbietungen, aber hey, die singen doch alle falsch. Bin ich zu streng? Bin ich zu alt (an dieser Stelle mucho Liebe an alle Gratulanten von gestern)? Stevie Wonder ist auf jeden Fall zu alt. Nur die süße angeblich erst achtjährige Neuseeländerin hat ihre Töne getroffen, was ist los mit Pop? Bemerkenswert auch, dass die Trophäe für den besten Tropical Sound nach Baden-Württemberg geht, man glaubt es kaum.

Genauso wenig will man glauben, dass sich jetzt ein Shitstorm über den guten Jens Lehmann ergießt, bloß weil der sich auf Nachfrage zur Outing-Debatte im Profifußball geäußert hat. Lehmann sagt, was er denkt, als Brancheninsider, als Ex-Profi bei vielen großen Clubs im In- und Ausland. Als genau Solcher sitzt er auch im Fernsehen rum und wird befragt, redet nicht in wohlfeilen Worthülsen daher sondern spricht die Dinge an, wie sie sind. Da können sich die 11 Freunde auf den Kopf stellen und die Luft anhalten, bis etwas passiert – mit ihren Kommentaren zum Thema reihen sie sich bloß hinten ein in die Schlange der Dumpfbacken, Trolle und Hater, die da ihr zu klein geratenes Ego aufplustern und wahrscheinlich allesamt weder schwul noch sonstwas sind. Ok, vielleicht ist einreihen hier zu viel, denn der Herr Köster schreibt immerhin unter seinem Klarnamen.

Hysterie herrscht vor in all den Scheindebatten, zum Schwulsein und zum Dschungelcamp, da könnte man durchaus mal ein bisschen Luft rauslassen und diese Luft woanders reinpumpen, zum Beispiel in die Frage, warum wir uns hier im Wohlfühlland klaglos die Bürgerrechte beschneiden lassen. Klar tut’s nicht weh, und keiner muss Frieren beim Demonstrieren, keiner wird erschossen oder gefoltert, ein ausgespritztes Wutrentnerauge reicht für den Untersuchungsausschuss. Aber ob sie dann mehr Engagement aufbringen würden, vielleicht sogar genauso viel Engagement wie beim sich Empören über geplante Unterkünfte für Asylbewerber? Deutschland einig Lemmingland, der Schwarm empört sich, wo effektiver Pragmatismus angebracht wäre und ist lethargisch, wo er sich empören sollte. Skandale überall, knietief wie der Morast aus Scheiße, atomaren Abfällen und Babyleichen in Kalkutta, selbst der FC Barcelona jetzt mittendrin, völlig überraschend, weil ja niemand ahnen konnte, was Rosell für einer ist, den kannte ja niemand. Und als wär das Ganze nicht ärgerlich genug, muss ich nur einen Tag nach meinem Geburtstag nach Stuttgart fahren, um der ersten zweistelligen Heimniederlage in der Bundesligageschichte meines Vereins beizuwohnen.

Sollte ich jemals an die Macht kommen, so werden alle oberen, mittleren und unteren Kader dazu verurteilt, mindestens einmal im Jahr das Leben des Brian zu schauen, denn es gibt keinen besseren Film um uns Menschen zu zeigen, wie doof wir doch eigentlich sind. Jemand was dagegen?

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