By the way 282 – Integrität und Winkelzüge, Radiokonferenz und ausgeleierte Play-Tasten, der VfB in Bremen und Mitgliederversammlung...

Thomas Hitzlsperger ist gut für den VfB. Das glaube ich sagen zu können, ohne nun lange mit ihm selbst über seine Pläne und Ideen gesprochen zu haben oder ihn gar besonders gut zu kennen. Er selbst hat ja auch noch nicht grade ausführlich und öffentlich erklärt, was er so vorhat beim VfB. Dafür hat er aber abseits der Mercedesstraße geradezu haufenweise gute Auftritte gehabt. Als TV-Experte, mit dem Jogi Löw deutlich erkennbar deutlich lieber und auch sehr viel kenntnisreicher plaudern kann als mit dem ehemaligen Torwartkollegen drüben bei RTL. Als Botschafter für Vielfalt beim DFB. Oder beim Bayerischen Rundfunk über Fußball vs Kommerzialisierung – einem Thema, zu dem ich mit den geschätzten Kollegen vom FC PlayFair! quasi zeitgleich beim NDR Sportclub Teil einer hervorragenden „Sportclub Story“ des hervorragenden Journalisten Patrick Halatsch sein durfte.

Also, um die keineswegs anbiedernd gemeinten Lobhudeleien zum Ende zu bringen: Eine Persönlichkeit wie der Hitz, kompetent, integer, geerdet, eine solche steht jedem Verein gut zu Gesicht, sie tut ihm gut. Daher umso besser, dass er sich ausgerechnet den VfB ausgesucht hat. Da er am Sonntag auf der Mitgliederversammlung ohnehin mit nordkoreanisch anmutendem Ergebnis ins Vereinspräsidium gewählt werden wird, kann ich mir die logische Wahlempfehlung glatt sparen.

Spannend wird es dagegen sein zu sehen, wie der integre Hitzlsperger mit den anderen Persönlichkeiten klar und zu Rande kommt, die sich beim VfB entweder schon in Ämtern und Würden tummeln oder sich am Sonntag um diese balgen. Speziell sind, Sie werden es bereits geahnt haben, hier die Mitglieder des Aufsichtsrats der nebst Anhängseln ausgegliederten Lizenzspielerabteilung gemeint sowie der eine oder andere Kandidat auf den Posten des neu geschaffenen Vereinsbeirats, der erkennbar genau die selbe hörig-willfährige Anbindung an den Aufsichtsrat und dessen Winkelzüge haben soll wie sein Vorgänger, der Ehrenrat.

Um diese ja schon fast gebetsmühlenartig hier wiederholten Winkelzüge kurz und knapp und natürlich überspitzt zu benennen: es gibt abseits von Spielfeld und Trainingsgelände leider viel zu viele Leute, die den Fußball in erster Linie benutzen, um damit Geld zu verdienen und gleichzeitig ihr Ego zu füttern. Ganz besondere Prachtexemplare dieser Gattung befinden sich unter den Kandidaten für den Vereinsbeirat, alle ausgesucht von einem siebenköpfigen Gremium um Präsident Wolfgang Dietrich. Im Rahmen der Mitgliederversammlung am Sonntag wird man hoffentlich erleben, dass diese Personen als das herausgestellt werden, was sie tatsächlich sind, nämlich absolut unwählbar. Und dass die wenigen integren und kompetenten unter den Kandidaten ebenfalls als genau das wahrgenommen und gewählt werden, was sie sind, nämlich integer und kompetent und absolut wählbar. Und als kleine Anekdote am Rande: Einer der geschätzten Kollegen beim FC PlayFair! kandidiert für den VfB-Vereinsbeirat, er ist integer, er steht seit vielen Jahren in der Kurve, ist nicht erst (wie in den Wahlunterlagen geschrieben) seit 2015 Mitglied sondern war es viele Jahre, bevor er aus Protest gegen die Vereinsführung zeitweilig austrat um später wieder einzutreten, er kennt das Geschäft von innen und außen bestens und ist unbedingt wählbar. Ein anderer Kollege, einer der besten mir bekannten Menschen, einer der glühendsten VfB-Anhänger, allseits hoch geschätzt, von geradezu ansteckender Fröhlichkeit und Begeisterungsfähigkeit, in Gesellschaft und Wirtschaft hoch angesehen, der bewarb sich ebenfalls für eine Kandidatur für den Vereinsbeirat. Der siebenköpfige Wahlausschuss um Präsident Dietrich und die Ehrenräte lehnte diesen besten aller Menschen mit sieben zu null Stimmen und einer höchst fadenscheinigen und inhaltsleeren Begründung als Kandidaten ab. Sieben zu Null! Nicht Drei zu Vier, nicht Zwei zu Fünf, sondern Sieben zu Null. Nicht, dass der Verein seine Vereinsmeierei nicht nach eigenem Ermessen und zum eigenen Vorteil betreiben dürfte, jeder verfolgt seine Ziele, so gut er kann. Aber was die einstimmige Ablehnung dieses Kandidaten über die Integrität des Wahlausschusses aussagt, das überlegen Sie sich bitte selbst.

Und wo der VfB Stuttgart tags zuvor in Bremen spielt, muss dieser Text zwingend mit der mir heute noch gut erinnerlichen Hörfunkkonferenz des vorletzten Spieltags der Saison 1983/84 enden, als ich grade noch die Pausentaste auf dem Radiorecorder lösen konnte (die Playtaste natürlich aufgrund Ausgeleiertheit mit einem gefalteten Papierchen dauerfixiert) und mittenrein in die Vorbereitungen des Freistoßes für den VfB in der 82. Minute kam. Mit „...da mal eine Mauer“ fing die Schalte an, und mit „Günter Maletzko, Sie sind dran“ hörte sie auf. Dazwischen hatte Hermann Ohlicher den abgeprallten Freistoß von Bernd Förster an Burdenski vorbei im Tor versenkt, und am Ende des Spiels war der VfB Deutscher Meister. Da war es dann aber wirklich, Sie entschuldigen, scheißegal, dass ein gewisser Jürgen Milewski am letzten Spieltag seinen HSV zum 1:0 Sieg im Neckarstadion schoss. Als Teenager damals in der Cannstatter Kurve stehen – das sind Erinnerungen, die wo man wirklich nie vergisst.

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