By the way 279 – vom Kickers kaufen. Vom Aufbaugegner sein. Und von Dietrich vs Compliance

Durch die von einem unseligen Schiedsrichter maßgeblich mit verantwortete unselige Niederlage beim Hamburger SV konnte der VfB Stuttgart seine Spitzenposition in der Tabelle der Aufbaugegner weiter zementieren und blickt nun immerhin in diesem Ranking entspannten Zeiten entgegen. Denn das nächste Spiel ist zwar ein Heimspiel, und #mirgwinnet ja bekanntlich zuhause fast alles – aber der Gegner heißt Borussia Dortmund, und die brauchen einen Aufbaugegner so dringend wie die Biene die Blüte. Wer käme da gelegener als die Jungs aus Cannstatt, für die – Winkmann hin, Winkmann her – beim HSV auch in Unterzahl mehr hätte rausspringen können als die sechste Niederlage im sechsten Auswärtsspiel. So darf man sich mit Blick aufs Restprogramm darauf einstellen, als aussichtsreicher Abstiegskandidat in die Winterpause zu gehen. Was natürlich ganz und gar nicht unerwartet kommt, was aber doch umso ärgerlicher ist, weil unnötig wie ein Kropf oder sonstwas.

Trost bringen wie so oft die kleinen Dinge: Meine Volksparkstadion-Premiere verlief abgesehen vom Spiel selbst großartig, tolle Hütte, tolle Atmosphäre, und Consigliere Dirk-Hagen Macioszek an meiner Seite hatte als HSV-Fan seinen Spaß. Zurück in der Heimat wurde mir eine Tafel erstklassiger Ritter-Sport Schokolade überreicht – könnte also alles deutlich schlimmer sein, bis auf das Ergebnis.

Mindestens genauso tief wie die Mannschaft könnte auch VfB-Präsident Wolfgang Dietrich im Abstiegskampf stecken, denn die Gerüchte um seinen baldigen Abgang häufen sich. Ob es daran liegt, dass der Daimler mehr und mehr auf Dietrichs wirtschaftliche Verflechtungen aufmerksam wird, ob vor allem die kolportierten Pläne der Anteilsübernahme seine Position gefährden, oder ob gar des Präsidenten Freunde in fernen Ländern die Daimler-Aufsichtsräte beim VfB in ernsthafte Compliance-Komplikationen bringen – man weiß es nicht, man weiß es noch nicht. Denn es ist offenbar sehr kompliziert. Und beim Präsidenten weiß man ja nie.

Im Übrigen ist ein Verein keine Demokratie. Schon dreimal nicht, wenn er am Tropf einer ausgegliederten AG hängt. So können sich die Mitglieder schon mal wieder auf eine besonders gelungene Mitgliederversammlung im Dezember freuen. Bei der die Vereinsführung ihre Ziele erreichen, ihre Kandidaten durchbringen wird. Diesmal neben Präsidium „nur“ Vereinsbeirat, also insgesamt neun Posten für drei Bereiche, für die die Kandidaten durch einen Wahlausschuss unter Vorsitz des Präsidenten handverlesen ausgesucht wurden, mit ganz wenigen Ausnahmen wohl linientreue Lemminge. Und so kommt es, dass für den Bereich „Verein“ nur vier Personen als würdige Kandidaten befunden wurden – anstatt sechs Kandidaten, wie zuvor kolportiert. Zwei der vier Kandidaten sind amtierende Ehrenräte und waren damit Mitglieder des ominösen Wahlausschuss’, haben sich also quasi selbst mit abgenickt. So stellt der Verein sicher, dass einer der Ihren in diesem Segment Vereinsbeirat wird. Ein anderer, besonders unangenehmer Zeitgenosse kandidiert für den Bereich Wirtschaft und Gesellschaft und brüstet sich wahlkämpfend damit, sich für die Stärkung der Mitgliederrechte eingesetzt zu haben. For the record sei’s erwähnt: Das ist genau derjenige, der bei der letzten Mitgliederversammlung die allgemeine Aussprache per Antrag abbrechen ließ. Ein lupenreiner Demokrat und Mitgliederfreund also. Und damit hervorragend geeignet, die Aktionen unseres lupenreinen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden zu flankieren. Denn wie gesagt: Der Verein ist keine Demokratie. Der VfB nicht, und andere Vereine auch nicht. Nicht einmal die Stuttgarter Kickers, so klein sie auch sein mögen. Die wollen ja auch ausgliedern. Dann könnte der VfB dort als Minderheitsgesellschafter einsteigen, die Firma Quattrex (mit der unser Präsident ja überhaupt nichts mehr zu tun hat) bekäme ihr Darlehen zurück, Michael Reschke könnte die zweite Mannschaft des VfB abmelden und hätte mit den Kickers sein Farmteam. Das wäre doch was Handfesteres als die ominösen Gespräche mit Heidenheim und Großaspach wegen des Zweitspielrechts, oder?

Zurück