By the way 275 – vom Unterschied zwischen dem VfB und dem FC Bayern. Von Unfassbarkeiten in Aserbaidschan. Und von Sydney Youngblood.

Die vielleicht schlechteste Bundesliga fast aller Zeiten macht Länderspielpause, und die deutsche Nationalmannschaft, also „Die Mannschaft“ spielt gegen Aserbaidschan. Sie wird gegen ein Team antreten, dessen bekanntester Spieler Javid Huseynov allem Anschein nach einen Journalisten totschlagen ließ, bloß weil dieser ihn im Internet wegen einer unflätigen Geste im Fernsehen kritisiert hatte. Der Vorfall liegt schon zwei Jahre zurück, könnte also auch leicht als Propaganda oder sonstwie aufgebauscht abgetan werden – wären da nicht die Filmaufnahmen, die genau zeigen, wie der Spieler mit zwei Kollegen den Journalisten Rasim Alyjew trifft und die Kollegen diesen brutal niederschlagen. Wenig später stirbt Alyjew im Krankenhaus unter ungeklärten Umständen. Marcus Bark und Robert Kempe haben zum Thema einen Film produziert, der gerade im deutschen Fernsehen lief. Man darf gespannt sein, wie der DFB sich zu dieser Sache äußert. Von allem nichts gewusst zu haben wäre eine schlechte Ausrede.

Länderspielpause natürlich auch beim VfB Stuttgart. Dort wurde Torjäger Terodde endlich mal wieder zum Torodde und ist möglicherweise auf gutem Weg, dem Schicksal einiger seiner Vorgänger als Zweitligatorschützenkönig zu entgehen, das da lautet: Bald wird es still um Dich. Oder kennt jemand noch Jakub Sylvestr und Mahir Saglik, die sich 2013/14 die Torjägerkanone gemeinsam sichern konnten? Oder zuckt jemand noch freudig auf bei Oliver Ocean (2011/12 gemeinsam mit Alex Meier und Nick Proschwitz), außer dass sich sein Name so anhört wie Sydney Youngblood? Was wurde aus Angelo Vier, ebenso wie Terodde gleich zweimal in Folge bester Schütze der Zweiten Liga? Oberflächliche Recherchen ergaben, dass überhaupt kaum einmal ein Spieler es schaffte, sowohl die Torjägerkanone der zweiten wie auch der ersten Bundesliga zu gewinnen. Dass nach eben einem dieser Spieler ausgerechnet das Maskottchen des VfB Stuttgart benannt wurde, das kann nur als Wink der Götter bezeichnet werden. 

War freilich völlig umsonst, das Tor, das Terodde im Spiel bei Eintracht Frankfurt erzielte. Denn die Mannschaft ist tapsig genug, sich sogar in Überzahl in der letzten Sekunde noch einen einschenken zu lassen. Und so gehört der VfB auch in der vielleicht schlechtesten Bundesliga fast aller Zeiten eher zu den Schlechtesten, was aus meiner Sicht nicht weiter überraschend ist für ein Team, das noch vor einem Jahr 0:5 bei Dynamo Dresen verlor und nur durch ein paar Opas von der Reschke-Rampe verstärkt wurde, gebetsmühlenartige Wiederholung hier, den kleinen Russen mal außen vor lassend.

Aber, der Trost des kleinen Mannes lautet: Im Gegensatz zum großen FC Bayern hat der VfB etliche Spieler mit zumindest ansatzweiser Perspektive im Kader. Einige fragen sich, nicht ganz ernst, sogar schon, ob der Spieler Pavard oder der Spieler Ascacibar als erster die magische Ablösesummengrenze von 250 Millionen Euro reißt.

Weil der VfB allerdings wie bereits gesagt zu tapsig ist, ein Unentschieden gegen einen Gegner in Unterzahl über die Zeit zu bringen, ist die Stimmung über die Länderspielpause erstmal wieder schlecht. Das Wissen um den lockeren Finger des Präsidenten am Trainerfeuerungsabzug macht die Laune auch nicht besser. Bis zur Klärung der Nachfolge beim FC Bayern München wird Hannes Wolf aber noch sicher auf seinem Stuhl sitzen. Denn Thomas Tuchel kommt nur bzw allerhöchstens dann nach Stuttgart, wenn München keine Option mehr ist.

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