By the way 267 – beim VfB wäre nicht mal „leasen statt kaufen“ ein Mittel gegen die Hundert-Tore-Abwehr...

Freund und Kollege L. fragte sich und mich neulich, warum es eigentlich nicht schon längst gang und gäbe sei, dass große Investment-Unternehmen teure Fußballspieler kaufen, um diese dann an Vereine zu verleasen. Sogar den gesamten Kader könnte ein Verein ja verkaufen und dann zurückleasen. Zu Zeiten, als die Fußballclubs tatsächlich noch Vereine waren, hätte man das „Public Private Partnership“ nennen können – heute halt das „Public“ eher so Ausnahme.

Aber heutzutage, wo ein eben AG und um 41,5 Millionen Euro reicher gewordener so genannter Traditionsclub wie der VfB Stuttgart aus angeblicher Geldnot heraus junge und meist völlig unbekannte Spieler leiht oder kauft und mittlerweile über einen Kader mit hauptsächlich komplett unerfahrenen Jungs aus gefühlt 25 Nationen verfügt, von denen sich viel zu viele nicht mal mit ihrem Torwart verständigen können, da wäre das doch gerade für unseren heiß geliebten VfB eine tolle Sache. Zumal just dort in Cannstatts Tiefen ja auf dem Chefsessel ein Mann thront, der in Sachen wfindige Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit Geldverleihen bisher nicht eben durch große Zurückhaltung aufgefallen war. Und mit dem Leasingmodell nicht nur endlich ordentliche Spieler bekommen (immer vorausgesetzt, das stimmt mit dem Geheule ums fehlende Geld) sondern gleichzeitig auch das ganze Theater um Financial Fairplay eleganter umkurven könnte als irgendein Stürmer seines Kaders die gegnerische Abwehr.

Vielleicht ist das alles ja viel zu weit hergeholt, vielleicht ist es auch die Verzweiflung eines Anhängers darüber, dass der Herzensclub nun höchstwahrscheinlich das fünfte Jahr hintereinander ohne bundesligataugliche Abwehr bestreiten wird. Und auch der Rest des Kaders vor allem die Zweifel nährt anstelle der Hoffnung. Weil offenbar schon wieder von einem zusammengestellt, der nur auf sich selbst und sonst auf niemanden hört. Und der schon wieder jede Menge Unzufriedener im Club produziert, anstatt die Leute mitzunehmen. Und der schon wieder ohne Kaderplaner arbeitet, obwohl er zunächst genau dieses Thema vollmundig unters Volk brachte. Da hilft es auch nix, dass wir jetzt wieder einen Weltmeister haben. Denn anstatt Ron-Robert Zieler für einige Millionen zu holen, hätte man lieber für kleines Geld eine ordentliche Nummer 2 verpflichten sollen. Und nicht einen Torwart holen, der nur unwesentlich besser ist als der Alte, wenn überhaupt. Zumal ebendieser Alte eine der wenigen Identifikationsfiguren im Team war und ist. Und der Neue eigentlich genau dieselben Stärken hat wie der Alte. Und der Alte jetzt sicher nicht motivierter an den Start geht als vorher. Und der Rest des Teams sicher auch nicht gerade stärker zusammengeschweißt wird durch diesen Move.   

Eigentlich haben unsere letzten vier Torhüter alle dieselben Stärken und dieselben Schwächen. Bei Abschlägen und Spieleröffnungen ächzt man im Stadion doch seit Ulle durchgängig bei Jedem. Fast wie früher bei Eckbällen im Flutlicht, fürchtend, dass Roleder wieder die Kontaktlinsen verrutscht sind. Und Jürgen Klinsmann platziert derweil seinen Junior in Berlin. Denn da wo er herkommt, der Mann mit dem großen Netzwerk, da wo die elterliche Bäckerei die besten Brezeln backt (zwingend erforderliches Klischee bei jeder Klinsmann-Erwähnung), da bietet man seinem Sohn höchstens einen lausigen Vertrag für die zweite Mannschaft an. Weiter denkt man nicht an der Mercedesstraße. Never have, never will, um es mit Denny Crane zu sagen.

Und so freuen wir uns halt über die Vertragsverlängerung des Trainers ganz so, als wäre Hannes Wolf nebenbei auch noch ein international renommierter Innenverteidiger. Und blenden aus, was wir immer wieder hören: dass unser Trainer nämlich, ob gewollt oder aus Mangel an guten Verteidigern, ab sofort womöglich noch konsequent Dreierkette spielen lässt. Also das, wofür man die richtig guten Jungs braucht. Nachdem die Stadtrivalen Stuttgarter Kickers in grauer Vorzeit mal einen Hundert-Tore-Sturm hatten, dürfen wir uns dann wohl auf eine Hundert-Tore-Abwehr einstellen...

Es ist schon hart, wie eine ehemalige Institution wie der VfB Stuttgart über viele Jahre hinweg nicht nur nicht aus Fehlern lernt, sondern dieselben Fehler immer wieder macht. Aber das Modell mit dem Leasing, also wenn ich so ein Investmentheuschreckentyp wäre, dann würd ich mir das ernsthaft überlegen. Da ich aber kein Investmentheuschreckentyp bin, müssen Herr Kind und Co hier alleine weitermachen. Oder sich bei Paris St. Germain mal erkundigen...

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