By the way 263 – später Ruhm für Ulrich Ruf, und warum Jogi nicht nur modisch ein toller Trainer ist...

Dass der Jogi ein rechtschaffen Cooler ist, das wissen die Anhänger des VfB Stuttgart nicht erst seit dem Confederations Cup 2017, diesem bösen Turnier in diesem bösen Land. Dem Turnier, das keiner kuckt, zu dem die Medien aber zumindest zum Teil trotzdem ihre besten Leute hingeschickt haben. Namen seien an dieser Stelle nicht genannt, sonst denken die gemeinten Onliner noch, ich ginge ihnen allzu offensichtlich um den Bart.

Aber dank dieser Leute und ihrer Berichte bekommt man auch ohne TV-Konsum eine Ahnung davon, dass der Bundestrainer selbst beim ungeliebten Confed Cup zeigt, was für ein guter Trainer er ist. Stark, wie er den zweiten Anzug trägt, dazu auch mal eine ausgefallene Krawatte, heute den Zwei- und morgen den Dreiteiler, crazy Schuhe dazu, Hemden in allen Farben. Natürlich nicht in Fragen der Mode, da ist der Jogi zwar auch immer weit vorne, aber von jeher eher so der Gediegene. Nein, so rein kadertechnisch, fußballerisch, als Trainer. Denn Joachim Löw wechselt und stellt um und variiert, bringt Wagners und Werners und Demirbays, und eigentlich hätte er sogar noch Demmes gebracht, in aller Seelenruhe. Und kaum Einer der 80 Millionen Bundestrainer hierzulande zerreißt sich das Maul. Nicht, dass dem Jogi solcher Druck sonderlich viel ausmachen würde – der war auch schon vor dem WM-Sieg 2014 die Ruhe selbst. Aber mal ganz ehrlich – es tut doch gut zu sehen, dass die Nationalmannschaft auch weiterhin einen tollen Trainer hat, einen, der was probiert statt einen, der sich mit voller Weltmeister-Wampe hinfläzt auf seine Lorbeeren.

Wir beim VfB, wir wissen das schon seit den späten Neunzigern, als Jogi das Team zum Pokalsieg und bis ins Europapokalfinale trainierte. Ihn dann durch Winnie Schäfer zu ersetzen war und ist bis heute eine der am allerwenigsten nachvollziehbaren Aktionen des immer noch besten aller VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder

Bewegte Zeiten waren das, Vereinsstrukturen damals, die die Bezeichnung „Klepperlesverein“ durchaus verdient hatten. Finanzvorstand Ulrich Schäfer galt zwar als Sparkommissar, ging allerdings mit dem Geld durchaus nicht besonders nachhaltig um und ward nach seinem Abgang im Jahr 2.000 nicht ein einziges Mal noch irgendwo gesehen. Verwunderlich dies vor allem deshalb, weil Herr Schäfer besser als jeder andere erklären könnte, welche Leichen sich in den Kellern des VfB türmen. Womöglich halten sie ihn bis heute dort gefangen, im tiefsten Gewölbe, mit einer Kette um den Hals.

Nach Schäfer war in Cannstatt mit Uli Ruf einer für die Finanzen verantwortlich, der nicht nur als Sparkommissar sondern geradezu als Spardiktator bezeichnet wurde. Seine Methoden mögen nicht weniger fragwürdig als die seines Vorgängers gewesen sein – Millionen versickerten, Provisionen flossen, Ruf war seit 1980 schon dabei und wusste alles, und auch hier wurde bisweilen harsche Kritik an ihm geübt. Aber immerhin hat er die ganz großen Schulden des Vereins abgebaut. Und wenn Uli Ruf letzte Woche Zeitung gelesen hat, dann wird er sich möglicherweise verwundert die Augen gerieben haben – denn neuerdings scheinen seine früher noch verschmähten Methoden zu neuem Ruhm gelangt zu sein. Der VfB, demnächst in Sachen Profifußball „Ex-Verein“, nimmt jetzt zwar irgendwie kein neues Geld mehr ein, erweitert aber trotzdem seinen finanziellen Spielraum, und zwar durch „strukturelle Änderungen und Prozessoptimierungen“. That is pure Ruf, I would say, wouldn’t I?! Nur dass Ruf nicht erst behauptet hatte, allein durch die Ausgliederung und die dadurch geschaffenen Rahmenbedingungen mindestens 250 Phantastilliarden an Mehreinnahmen durch Investoren und Sponsoren zu erzielen. Hätte man ihn wohl auch geteert und gefedert für solche Aussagen. Aber sic transit gloria mundi, und heute schreibt die Stuttgarter Presse begeistert ab, was Dietrich und Co an knallharten Non-Facts so von sich geben. Hoher einstelliger Millionenbetrag durch interne Veränderungen, my ass!

Und während der Präsident noch seine angekündigten neuen Reichtümer abenteuerlich herbehauptet und mit eher recycelten als brandneuen Ärmelsponsoren flankiert, ist die sportliche Leitung damit befasst, den Kader bundesligatauglich zu machen. Hoffen wir, dass ihnen das gelingt, dass sie irgendwann nicht mehr nur die zu billig verkaufen, die kicken können, sondern dass auch mal ein sinnvoller Neuzugang vermeldet wird, und dass wir in absehbarer Zeit (im VfB-Sprech: Mittlerer bis niedriger einstelliger Jahresbetrag, oder wie es Guido Buchwald sagt: Zwei bis drei Jahre) wieder ganz vorne mitmischen. Denn sonst wäre das ganze Theater um die Ausgliederung ja kompletter Mumpitz gewesen, oder?

Aber wahrscheinlich wissen wir mal wieder gar nichts. Und unsere sportliche Leitung alles. Auch, wie schwach Alexandru Maxim wirklich ist. Viel schwächer nämlich, als wir alle denken. So gesehen genialer Schachzug, diesen technisch unfertigen Bremsklotz ohne jede Spielübersicht an einen direkten Konkurrenten loszuwerden und auch noch 3 (in Worten: drei) Millionen dafür zu kassieren. Wo alle denken, der wäre nicht nur technisch versiert sondern auch noch torgefährlich. Und hätte ein gutes Auge. Ein Deal, wie ihn nur die Größten hinbekommen. Ihr werdet schon sehen...